Weniger Wolken durch Corona: Das könnte unser Wetter beeinflussen

Corona und die Folgen: Weniger Luftverschmutzung durch Flugzeuge und Verkehr

Den meisten von uns ist es sicherlich schon aufgefallen. Der Blick an den Himmel ist derzeit so was von ungetrübt. Auch wenn wir draußen unterwegs sind, haben wir das Gefühl, dass die Luft extrem sauber ist.Liegt das daran, dass aufgrund von Corona momentan einfach weniger Luftverschmutzung durch die Flugzeuge und den Verkehr im Allgemeinen stattfindet?Oder gibt es noch weitere Effekte für das Phänomen der sauberen Luft? Und wie sind die Auswirkungen auf unser Wetter?​

Im Video sehen Sie beeindruckende Satellitenbilder, die einen unverschleierten Blick auf die Erde zulassen.

Archiv: Arktikluft sorgt für einen tiefblauen Himmel
Ein tiefblauer Himmel: Folge der trockenen und kalten Festlandsluft aus Windrichtung Ost. © dpa, Nicolas Armer, nar

Die Luft ist extrem trocken

Dass wir es mit absolut trockener Luft zu tun haben, das sehen und spüren wir sowohl tagsüber als auch nachts. Denn der Himmel ist so klar, dass wir tagtäglichin den Bereich der vollen Sonnenausbeutekommen. So kurz nach dem kalendarischen Frühlingsbeginn und der Tag-Nacht-Gleiche sind das gut 12 Sonnenstunden. Nachts ist der Himmel ebenfalls klar und es kühlt sich rasch ab. Es sind die kältesten Nächte seit Monaten, zum Teil sogar seit über einem Jahr. 

Das alles liegt an der Trockenheit der kontinentalen Kaltluft, die momentan mit einem teilweise kräftigen Ostwind daher kommt und uns - trotz des vielen Sonnenscheins - frösteln und nachts unterm klaren Himmel frieren lässt. Als Maß hierfür wird in der Meteorologie der Taupunkt verwendet. Und diese Taupunkt-Temperatur ist eben extrem niedrig mit minus 5 bis minus 15 Grad.

Frostschutz durch Beregnung.
Um die empfindlichen Obstblüten vorm strengen Frost zu schützen, werden diese beregnet. Dann bildet sich ein dicker Eispanzer, der die schlimmste Kälte abmildert.

Trocken-kalt oder feucht und trüb: Der Taupunkt macht’s

Der Taupunkt oder auch die Taupunkt-Temperatur ist eine Maßeinheit zur Bestimmung der Feuchtigkeit. Je höher die Taupunkt-Temperatur ist, um so feuchter ist die Luft. Im Prinzip beschreibt sie die Temperatur, bei der Wasserdampf kondensiert beziehungsweise sich Tröpfchen bilden können und die Luft zu 100 Prozent mit Feuchtigkeit gesättigt ist.

Je weiter also die tatsächliche Temperatur vom Taupunkt entfernt ist, umso trockener ist die Luft. Ein Beispiel: Angenommen die Lufttemperatur beträgt 25 Grad und der Taupunkt liegt bei 20 Grad. Dann müsste man diese Luft um nur 5 Grad abkühlen, um sie mit Feuchtigkeit zu sättigen. Liegt der Taupunkt hingegen nur bei 10 Grad, dann ist deutlich weniger Wasser vorhanden, so dass der Wasserdampf erst bei einer Abkühlung um 15 Grad zu kondensieren beginnt.

Morgentau liegt auf den Blättern eines Strauches am Freitag (14.09.2007) an einem See in Hannover. Durch Abkühlung der Luft unter den Taupunkt kondensiert der Wasserdampf der Luft an bodennahen Objekten. Foto: Peter Steffen dpa/lni +++(c) dpa - Repor
Der Taupunkt: Ein Maß für den Feuchtegehalt der Luft. Nicht zu verwechseln mit der relativen Luftfeuchtigkeit. © picture-alliance/ dpa, Peter Steffen, ps/tm_sv

Und natürlich deuten hohe Taupunkt-Temperaturen auch auf feuchtere Luft mit mehr Wolken und trüberen Aussichten hin. Dass es bei uns also aktuell so klar und wolkenarm ist, liegt einzig und alleine an der nicht vorhandenen Feuchtigkeit.

Kaum noch Kondensstreifen - Auch unsere Wetterlage ist schuld

Dass wir in diesen schwierigen Zeiten kaum noch Kondensstreifen sehen, liegt natürlich einerseits daran, dass wir wesentlich weniger Flugverkehr haben. Doch auch bei den wenigen Fliegern, die noch ihre Bahnen am Himmel ziehen, sind die Kondensstreifen sehr kurz. Das liegt ebenfalls an der Wetterlage.Der hohe Luftdruck sorgt nämlich dafür, dass die Luft in der höheren Atmosphäre absinkt. Dadurch zerfallen die Kondensstreifen relativ rasch. 

Weniger Verkehr gleich weniger Wolken?

Grundvoraussetzung für die Entstehung von Wolken ist Feuchtigkeit in der Luft. Solange es diese nicht gibt, kann man auch keine Aussage darüber treffen, ob sich die geringe Schadstoffbelastung auch auf die Wolkenbildung auswirkt. Diese Auswirkungen wird es aber mit Sicherheit geben.

Denn Wolken entstehen dadurch, dass sich feinste Wassertröpfchen um die sogenannten Kondensationskerne sammeln. Und an dieser Stelle kommt dann auch die derzeit so saubere Luft ins Spiel. Solche Kerne sind nämlich Staub- oder Rußpartikel. Und wenn es weniger davon gibt, weil wir uns alle weniger bewegen, dann wird es - theoretisch gesehen - weniger Wolken geben.

Wolkenbildung - Theorie und Praxis

Warum theoretisch? Weil man diese Effekte natürlich nur bedingt überprüfen kann. Dazu bräuchten wir im Endeffekt eine identische zweite Erde, auf der wir sehen könnten, wie sich die Luftverschmutzung ganz genau auswirkt. Und das ist natürlich leider unmöglich.

Aber grundsätzlich gibt es diesen Effekt eben und das gilt übrigens auch für die höhere Atmosphäre, wo die Kondensstreifen der Flugzeuge entstehen.

Die Anzahl der Flüge hat deutlich abgenommen.
Eine Folge der Corona-Krise: Die Anzahl der Flüge hat deutlich abgenommen. © courtesy by flightradar.com

Eismuster am Himmel: So entstehen Kondensstreifen

Die Reiseflug-Höhe von Düsenfliegern liegt in der Regel bei 10 bis 15 Kilometer und somit bei Außentemperaturen von um die minus 40 bis minus 55 Grad.

Hier entlassen die Flugzeuge durch die Verbrennung in den Turbinen ein Gemisch aus Wasserdampf und Kohlendioxid sowie Ruß und andere Aerosole. Dabei kann der Wasserdampf aus der Luft quasi andocken und aufgrund der kalten Temperaturen gefriert er dort zu Eis. Ein Kondensstreifen entsteht und löst sich - je nach Wetterlage - rasch oder erst nach vielen Stunden auf. Weniger Flugverkehr bedeutet also auch hier wesentlich weniger Wolkenbildung.

Archiv: Kondensstreifen am Himmel über Köln, NRW,
Kondensstreifen am Himmel. So sieht es bei normalem Flugverkehr häufiger aus. Derzeit ist der Himmel aber meistens blank geputzt. © dpa, Federico Gambarini, fg tba wst

Fazit: Weniger Wolken. Aber gibt es auch einen Effekt für Wetter und Klima?

Es wird ziemlich sicher weniger Wolkenbildung geben, denn die Kondensationskerne sind durch den stark eingeschränkten Verkehr nicht mehr so zahlreich vorhanden. Inwieweit sich die Bewölkung allerdings auf das Klima auswirkt, das ist noch relativ unklar.

Es gibt allerdings Beobachtungen aus der Vergangenheit, die etwas Aufschluss geben können, weiß RTL-Chefmeteorologe Christain Häckl: "Die globale Verdunkelung (englisch global dimming) in den schmutzigen 1960ern und 70ern brachte tiefere Globaltemperaturen, das global brightning (vor allem in Europa und auch Nordamerika) seit den 90ern höhere Globaltemperaturen. Auch ein Teil der so extrem warmen Sommer in Europa seit etwa 30 Jahren kann über deutlich mehr Sonne und weniger tiefe Wolken erklärt werden." 

Ein weiterer Effekt drängt sich in diesem Zusammenhang ebenfalls auf: Wenn es weniger Wolken gibt, wenn die Luft also sauberer wird, dann gibt es auch weniger Niederschläge.

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