Futter und Unterschlupf bei Frost und Schnee

Heimischen Vögeln beim Überwintern helfen: Das können Sie für Amsel und Meise tun

von Bernd Fuchs und Valerie Dörner

Eine Amsel sitzt auf dem schneebedeckten Zweig eines Strauches und hat eine rote Beere im Schnabel, aufgenommen am 30.12.2009 in Berlin. In der Nacht zum Silvestertag gab es in Berlin und Brandenburg erneut reichlich Neuschnee. Das Jahr 2010 beginnt
Amsel im Schnee

Herbst und Winter stehen vor der Tür, und der bringt nicht nur Herausforderungen für uns Menschen, sondern auch für die Tiere um uns herum. Viele heimische Vogelarten überwintern nicht im warmen Süden, sondern bleiben hier bei uns – und können gerade in Zeiten von Klimawandel und Lebensraumzerstörung unsere Unterstützung gebrauchen. Wir verraten, wie.

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Zahl der Vögel in der EU hat um 600 Millionen Tiere seit 1980 abgenommen

Dass wir aktiv mithelfen, den Vögel das Überwintern zu erleichtern, ist wichtig – schließlich sind wir Menschen größtenteils dafür verantwortlich, dass sie vielerorts keine Nahrung oder Lebensraum mehr auf natürlichem Weg finden.

Seit 1980 ist die Zahl der Vögel in der Europäischen Union um etwa 600 Millionen Tiere zurückgegangen,wie eine Studie von Fiona Burns vom RSPB Centre for Conservation Science und ihrem Team in „Ecology and Evolution“ schon 2021 gezeigt hat. Das liegt weniger daran, dass zu viele erwachsene Vögel durch Fressfeinde oder Faktoren wie Windräder sterben – stattdessen ziehen viele Vogelarten einfach nicht mehr genug Jungvögel groß. Weil sie schlichtweg nicht in der Lage sind, ihren Nachwuchs zu ernähren. In der Landwirtschaft beispielsweise werden haufenweise Insektizide eingesetzt, um Schädlinge zu töten. Diese nehmen aber gleichzeitig vielen Vögeln die Futtergrundlage.

Lebensräume wie das Wattenmeer werden durch den menschengemachten Klimawandel zerstört

Ein weiterer Aspekt ist der Verlust von Lebensraum. Vor allem ganz individuelle Ökosysteme wie das Wattenmeer an der Nordsee sind aktuell durch den Klimawandel bedroht. Durch den steigenden Meeresspiegel wird das Watt immer häufiger und länger überflutet – viele Vogelarten sind darauf nicht vorbereitet und haben durch die ständige Überflutung weniger Zeit, Nahrung aus dem Wattboden aufzunehmen.

Im Video: So leiden die Vögel im Wattenmeer unter dem Klimawandel

Natur vor der Haustür helfen

Gegen den Klimawandel lässt sich vor allem im großen Stil was tun, aber auch jeder einzelne Mensch kann durch Energiesparen oder das Umsteigen auf nachhaltige Ernährung oder Mobilität etwas zum Kampf gegen die Klimakrise beitragen. Außerdem können Sie gerade in Ihrem Garten der Natur in Ihrem Umfeld direkt helfen.

Garten vogelfreundlich gestalten: Hecken und Bäume im Herbst nicht schneiden!

Viele Vogelarten, die ihre Jungen im Rest des Jahres mit Insekten füttern, darunter alle Meisenarten und die meisten Finken, stellen für den Winter auf vegetarische Nahrung um. Vor allem die Samen von Bäumen sind dann ihre wichtigsten Nahrungsquellen.

Darum ist ein erster Schritt, Bäume und Sträucher im Herbst nicht zurückzuschneiden – auch wenn der Garten dann etwas chaotisch scheinen mag. Die Pflanzen sollten im Herbst so stehen gelassen werden, wie sie verblüht sind – denn sie bieten Vögeln wie auch ihrer Nahrung, den verbleibenden Insekten, Rückzugsorte und Lebensraum.

Hobbygärtner fegt Laub zusammen
Bäume und Hecken sollten nicht übermäßig geschnitten, das Laub am besten nur zusammengekehrt werden

Vögel können ganzjährig zugefüttert werden

Lange hieß es, dass man die Fütterung der Vögel erst beginnen sollte, wenn eine geschlossene Schneedecke die Suche nach Nahrung sehr eingeschränkt. Doch aufgrund neuester Forschungsergebnisse steht jetzt fest, dass die Fütterung von Vögeln sogar ganzjährig legitim ist und somit auch schon beginnen darf, wenn kein Schneetreiben ist. Wenn Sie jedoch nur im Winter zufüttern wollen, ist ein Fütterungsbeginn ab November am sinnvollsten.

Der Vorteil der frühen Fütterung ist, dass sich die Vögel die Nahrungsquelle einprägen, sodass sie im Winter nicht lange nach Nahrung suchen müssen. Das Futter sollte vormittags für die von der Nacht geschwächten Vögel verfügbar sein, um sich gleich mit Energie versorgen und stärken zu können. Aber auch vor der abendlichen Dämmerung suchen die Tiere die Fütterungsplätze noch einmal verstärkt auf.

Welche Vögel welche Nahrung benötigen, hat der NABU hier übersichtlich zusammengestellt.

Im Video: So können Sie auch anderen Wildtieren helfen

Futter sollte vor Nässe geschützt sein - sonst droht Schimmel

Die Futterplätze sollten so angebracht sein, dass Sie die Vögel beobachten können, wenn Sie das wünschen, aber ohne dass die Vögel durch Ihre Anwesenheit gestört oder verschreckt werden. Der Ort der Fütterung sollte auch so ausgerichtet sein, dass sich die Vögel sicher fühlen können und keine Gefahr durch Katzen oder andere Fressfeinde befürchten müssen.

Der eigentliche Futterplatz kann sehr unterschiedlich aussehen. DIE richtige Futterdarbietung gibt es leider nicht, denn die verschiedenen Vögel haben unterschiedliche Fressgewohnheiten, sodass es kaum möglich ist, es allen Arten gleichzeitig recht zu machen. Die Einen bevorzugen hängende Plätze, die Anderen lieber fest montierte. Wichtig ist aber, dass das Futter vor Nässe geschützt ist, damit es nicht verschimmelt.

Weitere Tipps zur richtigen Fütterung von Vögeln bekommen Sie hier.

Eine Blaumeise holt sich im Tiergarten an einem Vogelhäuschen Futter
Ein Futterhäuschen sollte einen möglichst großen Abstand vom Boden und Dach haben, damit sich auch scheue Vögel in das Haus trauen.

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(vdö)