Indien heizt dem Klima ein

Kohle verbrennen gegen die Hitze: Energiekrise wegen Extremtemperaturen

von Henning Liss und Carlo Pfaff

Rauch steigt aus einer Industrieanlage in Indien auf
Kohleverbrennung ist die größte Energiequelle Indiens

Die aktuelle Hitzewelle in Indien könnte einen neuen Temperaturrekord aufgestellt haben. Eine bis jetzt noch unbestätigte Messung aus Kanepalli zeigt 52,2 Grad am Montag. Falls der Wert von offizieller Seite bestätigt wird, wäre der Rekord für Indien von 51,0 Grad aus dem Jahr 2016 deutlich überboten! Auffällig ist diese Hitzewelle in jedem Fall, weil sie so früh im Jahr begonnen hat.

Zusätzlich zu der extremen Belastung für die Menschen, hat die Hitzewelle eine Energiekrise ausgelöst. Die gewaltigen Umweltprobleme des Landes werden deutlich und gleichzeitig wird noch mehr Kohle verbrannt, um zu kühlen.

Satellitenaufnahmen zeigen Bodentemperaturen bis zu 65 Grad

Hitzewelle in Indien
Am 29. April gab es kaum Wolken über Indien. So konnte per Satellit eine Messung der Bodentemperaturen durchgeführt werden.

Die Lufttemperaturen in Indien liegen also in Spitzen in der Nähe von 50 Grad. Die Temperaturen am Boden sind noch höher. Sie werden von Satelliten gemessen. Eine Abbildung der ESA zeigt, wie riesig das Gebiet ist, das unter der Hitze leidet - und dass die Bodentemperaturen sogar bis zu 65 Grad erreichen.

Hitzewelle und Energiekrise in Indien hängen zusammen

Offenbar haben Klimaanlagen den Stromverbrauch in Indien in die Höhe getrieben und die Energieversorgung in Teilen Indiens zusammenbrechen lassen. Eine Rolle könnten dabei auch die gestiegenen Preise für Kohle im Zusammenhang mit dem Krieg in der Ukraine spielen. In vielen Regionen Indiens soll es zeitweise zu Stromausfällen und auch zu Wasserknappheit gekommen sein, wie die Nachrichtenagentur dpa berichtet. Demnach hätten die Behörden zusätzliche Züge eingesetzt, um die Kraftwerke mit Kohle zu beliefern.

Kohlekraftwerke sind die größte Energiequelle Indiens, wie aus Informationen der Internationalen Energieagentur IEA hervorgeht. Dabei sind Kohlekraftwerke für ihre Klimaschädlichkeit bekannt. Der Stromverbrauch zur Kühlung verschärft also das Klimaproblem, und mit dem Klimawandel werden stärkere Hitzewellen in der Zukunft wahrscheinlicher.

Hitzewelle in Indien
New Delhi am 2. Mai: Ein Mann füllt Wasser von einem Tanklaster ab.

Hitze in Indien dürfte noch tagelang anhalten

Eine Entspannung ist nur allmählich in Sicht. „Die große Hitze in Indien dürfte noch einige Tage anhalten. Der Schwerpunkt verlagert sich aber immer mehr in den Nordwesten Indiens und nach Pakistan. Erst wenn die Regenzeit beginnt, die normalerweise im Verlauf des Juni einsetzt, ist es dann mit der Rekordhitze endgültig vorbei,“ erklärt Meteorologe Carlo Pfaff.

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(cli, apf)