Krasse Modell-Gegensätze
Polarwirbel außer Rand und Band: Winter oder Frühling?
Nach dem Schneetief Max und der Kältekeule am Wochenende kommt die vorläufige Wetter-Weichenstellung: Kommt ein noch heftigerer Wintereinbruch mit Dauerfrost oder rauscht der Frühling mit 20 Grad nach Deutschland?
Im Video: So rauscht die Polarluft nach Deutschland
Chaos in den Wettermodellen durch strauchelnden Polarwirbel

“Ja was denn nun?”, mögen sich einige danken, wenn sie derzeit in die Wetter-Apps gucken oder unsere Artikel und Videos aufmerksam verfolgen. Es ist die Zeit, in der der Winter noch viel Kraft hat und das in den nächsten Tagen mit Schnee und Dauerfrost unter Beweis stellen wird. Gleichzeitig klopft in Europa der Frühling an.
Dieses Hin und her wird durch den Polarwirbel auf die Spitze getrieben. Er ist längst nicht mehr stabil, womit die Kaltluft aus polaren Regionen südlich rauscht. Nach dem Wintereinbruch zum Wochenende könnte ein heftigerer Winter-Rückschlag bis Ende Februar anstehen. Die Kaltluft kann aber auch weiter östlich an uns vorbei rauschen und genau das Gegenteil bewirken, nämlich dem Frühling den Kickstart verpassen.
Kalte Variante: Winter mit -20 Grad lässt ganz Deutschland gefrieren

Schnappen wir uns erstmal die kalte und wirklich fiese Variante in der Modellwelt. Das europäische Wettermodell EZMWF hatte das zuletzt am späten Dienstag wieder berechnet. Der Polarwirbel bricht, arktische Kälte rutscht vom Polarmeer und Finnland über die Ostsee zu uns. Ab dem 20. Februar würden die Temperaturen in den Keller rauschen. Der Tiefpunkt wäre um den 23./24. Februar erreicht. Tagsüber bis auf wenige Ausnahmen Dauerfrost in Deutschland, nachts über Schnee bis rund -20 Grad.
Über Schnee? Ja, denn bei dieser Variante würde ein Teil des Schnees des aktuellen Tief Max liegen bleiben, weil es besonders im Osten erst gar nicht richtig mild wird. Gleichzeitig würde – in dieser einen Berechnung – die Polarluft zunächst auf ein Italientief treffen, es verstärken und einige Schneefälle über die Alpen in die Mitte und den Süden Deutschlands schicken. Nach Abzug des Tiefs und mit Aufklaren des Himmels sind dann nachts auch Ende Februar -20 Grad locker möglich.
Milde Variante: Frühling in Deutschland mit Höchstwerten um +20 Grad!

Okay, genug schockgefrostet. Es gibt auch viele andere Berechnungen im deutlich milderen Bereich. Auch hier zunächst ein Blick auf die Extremvariante, um deutlich zu machen, wie groß die Unsicherheiten, aber auch die Möglichkeiten beim kommenden Wetter sind. Zur gleichen Zeit, also ab dem 20. Februar, würden die Höchstwerte ordentlich nach oben gehen – erst im Westen auf 15 bis knapp 20 Grad, ein paar Tage später auch im Osten auf gut 15 Grad. Die 20 Grad wären im Süden dann sogar recht wahrscheinlich – in diesem Szenario!
Dazu gäbe es sogar immer wieder Sonnenschein, in der Mitte und im Süden sogar richtig viel. Da wir gleichzeitig auch nachts meist aus dem Frostbereich rutschen würden – teils sogar sehr deutlich – würde das dem Frühlingsanfang einen Kickstart geben . Aber welches Szenario ist jetzt wahrscheinlicher?
Wie wahrscheinlich sind die Winter- und Frühlingsszenarien?

Das ist die ganz große Frage und wir wollen ehrlich sein: Es ist nicht ganz klar, in welche Richtung es geht. Ja, aktuell gehen viele Berechnungen wieder in die milde bis sehr milde Richtung. Der Polarwirbel würde seine Kälte über Osteuropa in Richtung Griechenland und Türkei schicken. Wenn man sieht, wie stark in den letzten Jahren der warme Atlantik mit seinen Tiefs war, ist das eine Variante, die auch logisch erscheint.
Es spricht derzeit also vieles für den Frühling zum letzten Februardrittel. Aber Vorsicht! Auch die aktuelle auf uns zu rollende Kältewelle war lange Zeit in den Mittel- und Langfristmodellen nicht drin. Schon im Januar sagten wir deshalb immer: „Abwarten, das kann ganz anders kommen, wenn der Polarwirbel…“. Und genau das macht er jetzt. Und das kann er wieder – also Kaltluft zu uns schicken.
Es bleibt uns nichts anderes übrig, als auf Sicht zu fahren. Umso mehr Freude haben wir Meteorologen beim Spekulieren und Berichten, denn Spannung gibt es in den nächsten Tagen und Wochen wohl ohne Ende.
(phe)