Kaltluftzentrum schickt Arktisschelle

Polarwirbelsplit mit eiskalten Folgen für Deutschland

von Björn Alexander und Patrick Panke

Nach einer kleinen Milderung gibt der Winter bald die nächste Breitseite. Grund ist ein formloser Polarwirbel - mit großem Überraschungspotenzial. Selbst Auswirkungen aufs Weihnachtswetter sind möglich.

Oben im Video: Wann bleibt der erste Schnee normalerweise liegen?

Polarwirbel aktuell - trügerisches Erscheinungsbild

„An sich sieht der Polarwirbel aktuell sehr vernünftig aus”, erläutert wetter.de-Meteorologe Patrick Panke und fährt fort: „Zumindest wenn man sich den Wirbel in großen Höhen von etwa 30 Kilometern anschaut. Dieser stratösphärische Wirbel zeigt momentan keine besonderen Auffälligkeiten.
Weiter unten in der Atmosphäre im Bereich der Troposphäre, also etwa unter 10 Kilometern Höhe, sehe die Sache aber anders aus.

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Polregion erwärmt sich - Kaltluft-Rutsche eröffnet

Die Langfristvorhersage für den Dezember 2022
Die experimentellen Prognose für den Dezember 2022 (Stand der Prognose: 05.12.2022)

„In der tieferen Atmosphäre erfährt der Polarwirbel aktuell einen sogenannten Split”, weiß Panke. Das bedeutet, dass sich „die Region am Pol erwärmt und das sich eigentliche Kaltluftzentrum um den Pol herum aufspaltet”.
Mit eisgekühlten Folgen für das Wetter Richtung Europa und Deutschland, was Panke so beschreibt: „Dabei fließt arktische Kaltluft nach Süden mit Kurs Richtung Mitteleuropa. Diese erreicht uns in Deutschland ab etwa Freitag.”

Weiter Weg mit Erwärmung und Schneechancen

Schneeprognose für Sonntag, 3. Advent 2022
Deutschland im Winterzauber - am dritten Advent könnte es vielfach so sein

Auf ihrem etwa 3500 Kilometer langen Weg erwärmt sich die eiskalte Luftmasse arktischen Ursprungs natürlich noch. „Aber auch bei uns bedeutet das dann für das dritte Adventswochenende öfter mal Dauerfrost bis in tieferen Lagen”, prognostiziert der Wetterexperte. Auch die Sonne sieht Panke dann mal wieder öfter mit am Start. Das Ganze mit Chancen auf eine geschlossene Schneedecke. Allerdings werde die Entwicklung von den Wettermodellen noch unterschiedlich bewertet.

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Vorweihnachtliche Wetter-Weichenstellung

Die Vorhersage für den Februar 2023
Die experimentelle Langfrist für den Februar 2023 - auch hier könnte ein geschwächter Polarwirbel wieder eine Rolle spielen (Stand der Berechnung: 05.12.2022)

Basierend auf den Berechnungen des kanadischen des deutschen oder des europäischen Wettermodells sieht es richtig gut aus für eine verbreitete Schneedecke. Dabei sind auch Ansätze im Rennen, die selbst im Flachland zum Teil Neuschneemengen von 20 bis 30 Zentimetern am dritten Adventswochenende beinhalten.
Das zeigt definitiv das Potenzial der anstehenden Wetterlage, die laut Panke „ein erhebliches Überraschungspotenzial” besitzt und die aufgrund der Gemengelage ebenso eine eisgekühlte Weichenstellung für unser Weihnachtswetter sein könnte. Wir dürfen gespannt sein - das Rennen um die Weiße Weihnacht 2022 ist eröffnet und außerdem könnte der schwächelnde Polarwirbel ebenso Auswirkungen im Januar und Februar haben.

Hintergrund-Wissen: Was ist der Polarwirbel?

Die Graphik zeigt die eiskalte Wetterlage, die uns im Februar 2021 den Vorstoß des Sibirien-Winters bis nach Deutschland brachte. Ausgehend von einem Polarwirbel-Split war der Weg für die Polarhochs und die sibirische Luft frei.
Die Wetterlage, die uns im Februar 2021 Luft direkt aus Sibirien schickte. Der Polarwirbel-Split brachte am Rande der polaren Hochdruckgebiete richtige Eisluft nach Deutschland.

Im Prinzip ist der Polarwirbel ein mächtiges Kaltluftpolster. Er entsteht auf der Nordhalbkugel normalerweise im Spätherbst und in den Wintermonaten. Dann sind die Temperaturunterschiede zwischen der Polregion und den südlichen Breiten besonders groß. Ist der Wirbel stark ausgeprägt, dann ist die Witterung bei uns in Deutschland oft durch westliche bis südwestliche und dementsprechend milde Winde bestimmt. Ist er hingegen instabil oder gestört, so werden Wintervorstöße aus Norden und Osten bei uns wesentlich wahrscheinlicher.

Langfristvorhersagen sind experimenteller Natur

Langfristberechnungen sind mit entsprechender Vorsicht zu genießen. Denn mit den Computertrends über fünf bis bis zehn Tage im Voraus oder gar mit Blick auf ganze Monate oder Jahreszeiten hinaus, verlassen wir die klassischen Wetterprognosen und wechseln in den experimentellen Bereich. Das sind eigentlich eher Hilfsmittel, die zum Beispiel der Energiewirtschaft dienen können.

Der Polarwirbel in der Vorhersage

In der Vorhersage wird die Temperatur in einigen Kilometern Höhe dargestellt. Je gleichförmiger die blauen, also kalten Bereiche zusammenhängen, umso stärker ist der Polarwirbel. Werden hingegen große Lücken und mildere Einschübe in Richtung Nordpol berechnet, dann ist der Wirbel instabiler. Bei einem Polarwirbel-Split teilen sich die blauen Flächen in zwei Teile auf.

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(bal, ppa)