Arktikluft bremst Frühling und Autofahrer aus

Polarexpress trifft Deutschland: Glätte, Sturm, Frost und Stau

Spätwinter mitten in den Osterferien

Das Wetter ist extrem gekippt. In der Karwoche Ende März noch Frühsommer mit bis zu 28 Grad - und jetzt? Jetzt blicken wir einem sogenannten Arctic Outbreak ins Gesicht. Unser Wetter ist spätwinterlich und teils stürmisch. Der Spätwinter ist zurück. Und das ausgerechnet mitten in den Osterferien.

Unfälle sorgen für Staus und Sperrungen

Schneeglätte hat am Dienstagmorgen viele Autofahrer in Teilen Deutschlands ausgebremst. Bei den Unfällen blieb es in den meisten Fällen bei Blechschäden. Auf der Autobahn 45 staute sich der Verkehr wegen Schnee auf bis zu 50 Kilometer.

Auf der Autobahn 5 bei Alsfeld in Hessen ging es zwischenzeitlich gar nicht mehr vorwärts. Dort war der Schwerlastverkehr zum Stillstand gekommen, der Verkehr staute sich in beide Richtungen.

In Nordthüringen blieben wegen starken Schneefalls ebenfalls mehrere Lastwagen liegen. Wie die Polizei mitteilte, steckten sie an einem Berg fest.

In Mecklenburg-Vorpommern ereigneten sich schon am Montagabend bei heftigem Schneetreiben auf den Autobahnen 20 und 19 Unfälle, bei denen mindestens fünf Menschen verletzt wurden. Wie Polizeisprecher in Rostock und Neubrandenburg am Dienstag sagten, kam es zeitweise zu Sperrungen.

Auch in NRW kehrte der Winter zurück und brachte erhebliche Probleme nicht nur auf den Autobahnen. Besonders betroffen waren die Autobahnen 4 und 45. Unfälle und Schnee sorgten für Staus von 20 bis 30 Kilometer Länge.

Hier der Blick auf einige Neuschneehöhen in Deutschland vom Dienstagmorgen:

  • Nebelhorn (Bayern) 25 cm
  • Oberstdorf-Birgsau (Bayern) 20 cm
  • Oberammergau (Bayern) 18 cm
  • Schmücke (Thüringen) 15 cm
  • Tannenberg (Sachsen) 12 cm
  • Gevelsberg (NRW) 10 cm
  • Eckertalsperre (Niedersachsen) 8 cm

Was ist ein Arctic Outbreak?

Außergewöhnlich kalte Luftmassen arktischen Ursprungs haben sich jetzt in Mitteleuropa eingenistet. RTL-Meteorologe Patrick Panke zur Arktik-Luft mit Temperaturen von -40 Grad: „Diese extrem kalte Polarluft befindet sich allerdings in einer Höhe von etwas über 5 Kilometern, hat aber dennoch auch für uns am Boden erhebliche Auswirkungen. Meteorologisch betrachtet bedeuten diese -40 Grad nämlich pure Wetter-Action und auch Schnee bis in die tiefsten Lagen.“

Skandinavientief ULLI präsentiert: Spätwinter mit Frost, Schnee, Schneeregen und Graupel

Den Hauptdarsteller spielt beim Arctic Outbreak Skandinavientief ULLI. Auf dessen Rückseite schießt die, besonders in großen Höhen, sehr kalte Luft auf dem Atlantik südwärts und erreichte am Ostermontag als erstes den Nordwesten Deutschlands. Dabei fiel vor der Kaltfront zunächst Regen, der dann in Schneeregen oder Schnee überging.

Nach Durchzug der Kaltfront folgten anschließend zwar auch Auflockerungen, aber eben auch weitere Schnee-, Schneeregen- und Graupelschauer, zum Teil auch begleitet von Blitz und Donner.

Windböen über 100 km/h

Neben dem ruppigen Wind kam und kommt es es vor allem im Norden dabei kurzzeitig noch etwas heftiger mit Windböen um Tempo 100. Zusammen mit kräftigen Schneeschauern hatte das schon einen fast Blizzard-ähnlichen Charakter.

Allerdings müsste per Definition eines Blizzards dieser Zustand mehr als 3 Stunden anhalten. Es sind daher eher kurzzeitige Blizzard-Bedingungen, die auftreten können. Wenn die arktisch-kalte Polarluft über relativ warmes Wasser strömt – die Nordsee hat 5 bis 7 Grad – und 5200 Meter drüber unter -40 herrschen nennt man es Polar Low.

Aber auch ohne ein richtiges Polartief ist Vorsicht angesagt. Denn kurzzeitig können die Straßen auch im Flachland in den Schauern schnell gefährlich glatt werden. In den Hochlagen ist es jetzt sowieso nochmal richtig spätwinterlich.

Ein schneller Polarexpress trifft Deutschland: Glätte, Sturm, Frost und Stau bringt er mit.
Ein Schneesturm kann sehr gefährlich werden. Diese Foto wurde auf dem Brocken bei Windgeschwindigkeiten von 130 km/h aufgenommen (Sturm LUIS). Ganz so schlimm wird es diesmal bei uns aber nicht! © imago images/Die Videomanufaktur, Martin Dziadek via www.imago-images.de, www.imago-images.de

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