Kein Schnee, kein Ski

Nach Peking 2022: Nie wieder Olympische Winterspiele?

von Bernd Fuchs und Claudia Träger

Zum ersten Mal in der Geschichte der Olympischen Winterspiele finden die in Peking 2022 zu fast 100 Prozent auf künstlichem Schnee statt. Durch die Erderwärmung könnte das aber die Regel werden. Die Hälfte der bisherigen Austragungsorte dürfte im Jahr 2050 zu warm für eine sichere Schneeauflage sein. Bernd Fuchs mit den Einzelheiten im Video.

Mogelpackung Winterspiele in Peking
Huch! Es fällt plötzlich richtiger Schnee in Peking – und jetzt?

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Mit Schneekanonen den Wintersport retten?

02.02.2022, China, Zhangjiakou: Eine Person arbeitet an einer Schneemaschine auf einem Hügel mit Blick auf das Langlauftraining vor den Olympischen Winterspielen 2022. Die Bergregionen in Yanqing und Zhangjiakou gelten im Winter als sehr kalt, aber i
Absurd, oder? Wintersport ohne Schnee. Bei den Olympischen Winterspielen 2022 in Peking wird Schnee fast zu 100 Prozent künstlich hergestellt, damit die Wettbewerbe stattfinden können.

Immer mehr Kunstschnee für den Ski-Tourismus

Auch in den Alpen bleibt der Schnee immer häufiger aus. Weil aber die Wintersport-Touristinnen und -Touristen viel Geld in den Urlaubsorten lassen für Skipass, Ausrüstung, Hotel, Verpflegung und Anreise, sollen ihnen weiterhin allzeit optimale Pisten zur Verfügung stehen. Darum setzen die meisten Skigebiete heute auf künstliche Beschneiung, wie die Infografik von Statista zeigt. In Italien war das im Jahr 2017 bei 87 Prozent der Pisten der Fall. In Österreich waren es 70, in der Schweiz 49 Prozent. Die Werte sind in den vergangenen Jahren stetig gestiegen. Noch 2004 lagen sie um 30 bis 50 Prozent niedriger.

Schnee aus der Kanone

Die Grafik zeigt den Anteil künstlich beschneiter Pistenfläche in Wintersportgebieten in den Alpen.
Die Grafik zeigt den Anteil künstlich beschneiter Pistenfläche in Wintersportgebieten in den Alpen. Quellen: Seilbahnen Schweiz, Verband deutscher Seilbahnen, Wirtschaftskammer Österreich, Domaines skiables de France

Wie klimaschädlich ist Kunstschnee?

Es gibt Untersuchungen, die den klimakühlenden Effekt von Kunstschnee gegenüber grünen Wiesen hervorheben. Ergebnisse, dass dieser Effekt sogar die Emissionen aufwiegt, die bei der Kunstschneeerzeugung entstehen, wurden allerdings ziemlich schnell widerlegt.

Für die Beschneiung der Pisten wird viel Wasser und Energie benötigt. Es müssen Speicherseen angelegt, Schneekanonen oder Schneelanzen produziert, Wasserleitungen gelegt werden. Schneekanonen müssen elektrisch beheizt werden, damit sie bei Kälte nicht einfrieren. Das Wasser aus den Speicherseen muss gekühlt werden, wenn die Außentemperatur zu hoch ist.

Laut WWF (World Wildlife Fund) wird jährlich pro Hektar bei der künstlichen Beschneiung etwa eine Million Liter Wasser verbraucht. Das entspricht dem Bedarf einer Großstadt wie Hamburg.

Die Wintersportgebiete selbst, verweisen mitunter auf die viel höheren CO2-Emissionen durch An- und Abreise oder den Seilbahnbetrieb.

Die Leute wollen gar keinen Kunstschnee

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Umfrage unter Deutschen zur Erzeugung von Kunstschnee

Die Wochenzeitung „Die Zeit“ fragte schon im Jahr 2014: Sollte Ihrer Meinung nach in Skigebieten Kunstschnee erzeugt werden, etwa durch Schneekanonen, wenn dort nicht ausreichend viel Schnee fällt? Die große Mehrheit war dagegen. Das Ergebnis sollte heute nicht mehr pro Kunstschnee ausfallen.

Snow-Farming als Rettung für den Skibetrieb

Eine Alternative zur Produktion von Kunstschnee ist das sogenannte Snow-Framing, der Anbau von Schnee, um den Wintersport auch ohne vorherigen Schneefall möglich zu machen. Im Frühjahr wird hierbei der übrig gebliebene Restschnee – zusammen allerdings mit Kunstschnee – auf einen großen Haufen geschoben und beispielsweise mit einer Vliesdecke abgedeckt. So können bis zu 80 Prozent der Schneemenge den Sommer überstehen. Liest sich schon mal auf den ersten Blick wenigstens Ressourcen schonender an.

Snow-Farming: Schnee von gestern für den Winter von morgen

Snow-Farming: Schnee von gestern für den Winter von morgen.
Hier wird der Haufen Schnee für den nächsten Winter mit einer Schicht Sägemehl bedeckt. Das schützt ebenfalls vorm Schmelzen.

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