Ökologischer Fußabdruck

So viel Strom und CO2 verbrauchen die Deutschen im Home Office und beim Streaming

Streamingdienste erleben Höhepunkt

Videokonferenz im Homeoffice
Durch die Nutzung der eigenen Kamera bei einer Videokonferenz steigt der CO2-Ausstoß enorm an.

Im Lockdown steigt der Datenverkehr enorm an. Statt im Büro werden Konferenzen nun digital beispielsweise über Zoom oder Teams abgehalten. Aber auch im eigenen Heim sieht es nicht anders aus, denn Streamingdienste wie Netflix und Co ersetzen nicht selten die Zeit, die man früher mit Freunden und Bekannten draußen verbracht hat. Einher geht damit der Stromverbrauch und der CO2-Ausstoß durch Videokonferenzen, Streaming und Co. rückt in den Fokus. Doch es gibt Wege, wie man den ökologischen Fußabdruck verkleinern kann.

Wie lässt sich der ökologische Fußabdruck verkleinern

Konsole kaufen
Familienzeit an der Konsole: Auch bei Videospielen sind die Datenmengen gestiegen.

Meetings, Familientreffen, der Spieleabend mit Freunden – das alles findet seit einem guten Jahr vorwiegend per Videokonferenz statt. Und im Lockdown-Blues, haben sich viele Menschen mit einem abendlichen Streaming-Marathon abgelenkt. Eine Begleiterscheinung dieser Entwicklung ist die Debatte um die Umweltfolgen von Streaming und Co. Doch wie groß ist der ökologische Fußabdruck wirklich? Und wie lässt sich gegensteuern?

Die Zahlen sind zunächst schwindelerregend. 32 Exabyte Datenverkehr – also 32 Trillionen Byte – wurden im Jahr 2020 am nach eigenen Angaben weltgrößten Internetknoten DE-CIX in Frankfurt gemessen. Das entspreche einem acht Millionen Jahre andauernden Video-Anruf,heißt es von dort. Insbesondere in den Bereichen Homeoffice, Streaming und Videospiele seien die Datenmengen gestiegen. Und im März 2020 wurde mit 9 Terabyte Datendurchsatz pro Sekunde ein Rekord verzeichnet – der im November mit 10 Terabyte pro Sekunde nochmal übertroffen wurde. Das hat Folgen.

Deutliche Einsparungen bei Konferenzen ohne Video

Frau bügelt während einer Videokonferenz.
Wenn man im Homeoffice die Kamera ausschaltet, kann man klimafreundlicher arbeiten.

In einer Modellstudie haben US-Forscher berechnet, dass die weltweite Internetnutzung zuhause im Zuge der Corona-Pandemie um 15 bis 40 Prozent gestiegen ist. Auch für die täglichen Videokonferenzen hat die Studie Zahlen parat. Wer beispielsweise 15 Meetings von einer Stunde pro Woche habe, komme auf einen monatlichen Ausstoß von 9,4 Kilogramm. Zum Vergleich sinke dieser Wert auf niedrige 377 Gramm, wenn das Video ausgeschaltet bleibt. Die eingesparten Emissionen seien etwa mit denen vergleichbar, die entstünden, wenn man ein Smartphone für mehr als drei Jahre jede Nacht auflade.

Wichtig ist, dass es sich dabei um einen globalen Mittelwert handelt und die Zahlen je nach Land variieren. Beispielsweise mache es einen Unterschied, Es mache jedoch einen Unterschied, wie modern die Übertragungssysteme seien.

Streaming am PC deutlich umweltschonender als auf dem Handy

Nach Angaben des Umweltbundesamtes (UBA) sind insbesondere die Übertragungswege zentral. Ein Stream auf dem Handy verursacht einen größeren CO2-Ausstoß als die Internetverbindung Zuhause. Ein Videostream in HD-Qualität per Glasfaserkabel sei laut UBA mit knapp zwei Gramm CO2-Ausstoß pro Stunde etwa 50 mal effizienter als eine Übertragung per UMTS, also dem G3-Datennetz. „Bei Glasfaser hat man unterwegs kaum Verluste“, erklärt Marina Köhn.

Sie leitet das Forschungsvorhaben „Green Cloud-Computing“ des UBA in Kooperation mit dem Fraunhofer Institut für Zuverlässigkeit. Das liege daran, dass größere Datenmengen per Glasfaser über eine größere Distanz ohne Verstärkung übertragen werden können. Der Anteil der Rechenzentren an der CO2-Bilanz des Videostreamings sei im Vergleich zur Übertragung deutlich geringer.

Videokonferenzen meist effizienter als Autofahrten oder Flüge

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Sobald die Anreise zur Arbeit weiter weg ist als 10 Kilometer, sind Videokonferenzen deutlich effizienter. Vor allem, wenn man im Berufsverkehr feststeckt.

Doch trotz der Zahlen zum Energieverbrauch von Videostreaming sind diese meist klimafreundlicher als lange Anreisen. „Innerhalb von einem Radius von zehn Kilometern könnten vielleicht echte Treffen effizienter sein“, schätzt Köhn. Doch sobald längere Fahrten oder gar Flüge anstünden, habe die Videokonferenz vermutlich einen Vorteil.

Wie kann man beim Streamen CO2 einsparen?

Der zusätzliche Energieaufwand in den Rechenzentren und für die Datenübertragung sei für bis zu 3,2 Millionen zusätzliche Tonnen CO2-Äquivalente verantwortlich, heißt es in der im Januar erschienen Studie. Im letzten Jahr ohne große Einschränkungen durch die Pandemie, 2019, hat ein Haushalt durchschnittlich 134 Gigabyte monatlich verbraucht. Ein Jahr später stieg dieser Verbrauch bereits um 25 Prozent an auf 168 Gigabyte. Deutschlandweit stieg das gesamte Datenvolumen 2020 um 28,6 Prozent auf rund 72 Milliarden Gigabyte sogar noch weiter an (Quelle: Statista).

Wen nun beim Serien-Marathon das schlechte ökologische Gewissen plagt, für den haben die Autorinnen und Autoren konkrete Tipps parat. Würde man etwa vier Stunden lang Videos in HD-Qualität pro Tag streamen, entspräche das einem monatlichen Ausstoß von 53 Kilogramm CO2-Äquivalenten. Doch muss man auch nicht ganz verzichten, denn die Forscher schreiben auch, dass der Wechsel von HD- auf Standard-Qualität, diesen Wert auf 2,5 Kilogramm drücke – und soviel einspare, wie eine 150 Kilometer lange Autofahrt ausmachten.

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(kfb)