Leben auf einem anderen Planeten

Ist der Exoplanet Proxima Centauri B die Erde 2.0?

von Karim Belbachir

Der Klimawandel schreitet voran und immer öfter taucht die Frage auf, wohin mit der Menschheit, falls wir unseren Planeten tatsächlich unbewohnbar machen sollten. Das unserem am nächsten gelegene Sonnensystem Alpha Centauri liegt da auf der Hand. Doch ist es wirklich so lebensfreundlich wie angenommen und was bräuchte es, um es zu erreichen?

Im Video: James Webb Telescope erreicht Zielorbit

Proxima Centauri als Teil eines Dreifachsternensystems

Blick von Proxima Centauri auf das Doppelsternsystem Alpha Centauri A und B
Von Proxima Centauri B aus gesehen, erscheinen Alpha Centauri A und B etwa in der Größe von Venus am Sternenhimmel.

Alpha Centauri ist ein Dreifachsternensystem bestehend aus den Sternen Alpha Centauri A und B, sowie dem darum kreisenden System Proxima Centauri. Während bei den ersten beiden Sternen noch keine Exoplaneten nachgewiesen werden konnten, wurden bei dem uns etwas näher gelegenen Proxima Centauri (auch Alpha Centauri C) bereits welche gefunden. Bei letzterem handelt es sich um einen Roten Zwerg, dessen Leuchtkraft geringer ist als die unserer Sonne.

Er hat nur etwa 12 Prozent der Masse unserer Sonne und ist ein Flarestern (englisch to flare = flackern). Das bedeutet, dass er von Zeit zu Zeit (etwa alle 400 Tage) an Helligkeit zunimmt und damit mehr Röntgenstrahlung absondert. Diese Flares sind nicht ganz ungefährlich, da sie die Atmosphäre eines Planeten zerstören können.

Ist Leben auf Proxima Centauri B möglich?

In Grün leuchtet die habitable Zone um den Stern Proxima Centauri
Proxima Centauri B liegt in der habitablen Zone (grün) um seinen Stern Proxima Centauri.

Aufgrund seiner geringeren Leuchtkraft liegt die habitable, also die bewohnbare Zone näher am Stern, als beispielsweise in unserem Sonnensystem. Innerhalb dieses lebensfreundlichen Bereichs wurde 2016 der Planet Proxima Centauri B entdeckt. Er ist nur geringfügig größer als unser Planet und gilt damit als erdähnlicher Exoplanet, dessen Masse auch die Bindung einer Atmosphäre oder die Existenz von flüssigem Wasser zulassen. Wissenschaftler vermuten, dass er ähnlich wie unser Mond eine gebundene Rotation um seinen Stern hat. Das bedeutet, dass immer dieselbe Seite zum Stern zeigt.

Auf der „Sonnenseite“ ist die Existenz aufgrund der dort herrschenden Hitze eher unwahrscheinlich und damit auch Leben. Auf der gegenüberliegenden Seit wird es zu kalt sein. Bleiben die Randbereiche, wo sich Leben entwickelt haben könnte. Das ist allerdings noch von anderen Faktoren abhängig. Damit der Planet seine Atmosphäre nicht an den Weltraum verliert, braucht er einen flüssigen Kern, der ein Magnetfeld bildet und damit die gefährliche Strahlung seines Sterns abhält. Sauerstoff und Wassermoleküle könnten dann auf dem Planeten gehalten werden.

Geplante Missionen zur Erkundung des Alpha Centauri Sternensystems

Proxima Centauri ist mit 0,1 Sonnenmassen deutlich kleiner als unser Heimatstern
Unsere Sonne und Proxima Centauri im Größenvergleich: Proxima Centauri ist ein Roter Zwerg mit deutlich weniger Leuchtkraft als die Sonne.

Weitere Erkenntnisse zu einer möglichen Atmosphäre erhoffen sich Astronomen vom James-Webb-Teleskop (JWST). Es wird wohl eines der ersten Beobachtungen des JWST werden, sobald dieses kalibriert ist. Daneben wird gerade fleißig das Toliman-Space-Telescope gebaut, das 2023 in die nähere Erdumlaufbahn befördert werden soll.

Benannt ist es nach der arabischen Bezeichnung für das Alpha Centauri Sternensystem. Es ist speziell auf das Sternensystem Alpha Centauri ausgerichtet und soll Mitte des Jahrzehnts mehr Aufschluss geben, ob sich weitere Exoplaneten sowohl um Alpha Centauri A und B, als auch um Proxima Centauri befinden.

Wie weit ist Proxima Centauri von uns entfernt?

Ein Laser zielt auf das Lichtsegel einer Raumsonde und beschleunigt das Gefährt auf 60.000 km/s
Die Idee der Initiative Breakthrough Starshot ist es, eine mit einem Laser angetriebene Raumsonde, innerhalb von 20 Jahren zum Sonnensystem Proxima Centauri zu senden.

Es sind nur 4,2 Millionen Lichtjahre zwischen unserem Sonnensystem und Proxima Centauri. Das System bewegt sich sogar auf uns zu und wird in rund 27.000 Jahren nur noch eine Entfernung von 3 Millionen Lichtjahren messen. Die ISS ist mit einer Geschwindigkeit von etwa 28.000 Kilometern pro Stunde unterwegs. Bei der Geschwindigkeit würde es 163.000 Jahre dauern, bis sie Alpha Centauri erreicht. Selbst wenn wir es schaffen sollten ein Raumschiff auf die Geschwindigkeit von 60.000 Kilometern pro Stunde zu beschleunigen, würde es immer noch knapp 76.000 Jahre bis zur Ankunft dauern. Für Astronomen ist die Entfernung in kosmischer Relation gesehen trotzdem noch ein Katzensprung.

Schneller könnte die Initiative Breakthrough Starshot mit der Umsetzung ihrer Idee eines von Laserstrahlen angetriebenen Lichtsegels sein. In der Theorie soll eine ultraleichte Raumsonde mit Hilfe eines auf das Lichtsegel gerichteten mehrere Gigawatt starken Lasers auf eine Geschwindigkeit von 60.000 Kilometern pro Sekunde beschleunigt werden. Das Gefährt würde so in 20 Jahren im Sonnensystem Proxima Centauri ankommen und von dort Daten wieder zur Erde senden. In der Theorie ist ein solches Vorhaben möglich. Doch sind Auswirkungen eines solch starken Laserstrahls auf die Erdatmosphäre noch ungeklärt, genauso wie die enormen Energiemengen zusammenkommen sollen. Bis zu einer Umsetzung wird es auch noch wenigstens 20 Jahre dauern und trotzdem klingt es machbarer als eine 76.000 Jahre dauernde Reise.

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(kfb)