Igel, Kuckuck und Co.

Wie Wärme und Klimawandel unserer Tierwelt zu schaffen machen

von Letizia Vecchio

Im Herbst schaltet die Natur langsam aber sicher auf Sparflamme – so auch die Tierwelt. Während viele Vogelarten in wärmere Gefilde ziehen, legen sich andere Tierarten „zur Ruhe“, indem sie die kalten Monate schlafend verbringen und ihren Organismus dabei herunterfahren. Was passiert aber, wenn es erst gar nicht richtig kalt wird? Können Vögel, Igel und Co. trotzdem auf das Winterprogramm schalten? Und was macht der Klimawandel dauerhaft mit unserer Artenvielfalt?

Oben im Video: Igel im Herbst retten – darauf sollten Sie achten

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Wenn Igel zu früh geweckt werden

ARCHIV - 11.11.2007, Bayern, Kaufbeuren: Ein Igel läuft durch einen Garten. Wenn Mama-Igel auf der Suche nach Futter von einem Mähroboter erfasst, einem Auto überfahren oder einem anderen Tier getötet wird, bleibt ihrem Nachwuchs nichts anderes übrig
Der Igel ist durch den Klimawandel nachhaltig bedroht.

Igel gehören zu den Tieren, die die Wintermonate schlafend verbringen – das ist energiesparend, schließlich ist das Nahrungsangebot im Winter eher dürftig. Woher aber wissen, wann es soweit ist? Der stachelige Geselle richtet sich dabei nach der Außentemperatur. Wenn die dauerhaft unter 6 Grad liegt, macht er es sich in seinem Nest aus Laub und Geäst gemütlich und erwacht erst im kommenden Frühling aus seinem Winterschlaf – eigentlich. Denn die durchweg milden Winter verwirren den Igel, immer öfter wird er bereits im Januar von warmen Temperaturen geweckt.

Das große Problem dabei: Sein Energiesparmodus setzt aus, die Reserven gehen wach viel schneller zur Neige als schlafend. Und so muss der Igel schon im Januar auf Nahrungssuche gehen – im Winter fast unmöglich, viele Tiere verhungern. Auch erneute Kälteeinbrüche können dann für ihn den Tod bedeuten.

Schwere Zeiten für Kuckuckskinder

Sumpfrohrsänger sind clever. Sie erkennen, wenn ein Kuckuck sein Ei in ihr Nest gelegt hat und zerstören es.
Dieser Sumpfrohrsänger erkennt das fremde Ei und zerstört es.

Wie stark in der Natur alles miteinander zusammenhängt, wird besonders beim Kuckuck deutlich, denn diese Vogelart ist, eben weil sie ihre Eier in fremde Nester legt und nicht selbst brütet, besonders von anderen Vögeln abhängig – und kommt dabei mittlerweile oft zu spät. Denn der Kuckuck verbringt die Wintermonate als Langstreckenzieher südlich des Äquators, genauer gesagt in Afrika. Er kehrt dann in heimische Gefilde zurück, wenn die Tage wieder länger werden – er richtet sich also nicht nach der Temperatur, sondern nach den Lichtverhältnissen. Da viele andere Vogelarten aber auf Grund der kurzen Winter immer früher brüten, kommt der Kuckuck oft zu spät – die fremden Eier werden entdeckt und „rausgeschmissen“. Kuckuckskinder gibt es in Folge immer weniger.

Zugvögel werden zu Standvögeln

Vögel
Zieht für die kalte Jahreszeit eigentlich in Richtung Mittelmeer: Der Hausrotschwanz.

Wir haben es beim Kuckuck gesehen: Er gehört zu den Vögeln, die am Ende des Sommers weite Strecken zurücklegen, weil es ihnen in diesen Breitengeraden einfach zu kalt ist. Manche Vogelarten ziehen zwar weiter, aber nicht ganz so weit weg, so wie der Hausrotschwanz, den es für die kalte Jahreszeit in Richtung Mittelmeer zieht. Eigentlich. Denn warum die weite und kräftezehrende Reise auf sich nehmen, wenn es doch gar nicht so richtig kalt wird? Kein Problem denken Sie? Leider doch.

Der Klimawandel bedeutet nämlich auch Wetterextreme – kommt es dann plötzlich doch zu einem krassen Temperatursturz, sind die Vögel nicht darauf vorbereitet – und erfrieren. Vogelforscher gehen aber generell davon aus, dass sich die Zugneigung, vor allem von Kurzstreckenziehern, dauerhaft verändern wird.

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(eve)