Normalerweise nur alle 500 Jahre

Krasses Klimaphänomen: Mega-Flut wie im Yellowstone River werden wahrscheinlicher

Eine Flut, so gigantisch wie die des Yellowstone Rivers im US-Bundesstaat Montana, gibt es eigentlich nur etwa einmal in 500 Jahren. Erbarmungsloser Regen in Kombination mit schmelzendem Schnee haben den Fluss soweit anschwellen lassen, dass er Brücken und Häuser mit sich gerissen hat. Mit dem Klimawandel könnte es dieses extreme Phänomen bald häufiger geben.

1,4 Millionen Liter pro Sekunde

Unterspülungen der Northeast Entrance Road, Yellowstone National Park, Montana, USA, am 13. Juni 2022
Die Überschwemmungen des Yellowstone Rivers im Juni 2022 haben auch Straßen und Brücken stark beschädigt.

Die gefallenen Regenmengen und der geschmolzene Schnee haben den Abfluss des Yellowstone Rivers im Juni diesen Jahres auf stolze 1,4 Millionen Liter pro Sekunde anschwellen lassen. Damit übertrumpft das Hochwasser den alten Rekord von 1990. Damals hatte der Fluss ein Volumen von knapp 900.000 Litern pro Sekunde. Überflutung in diesem Ausmaß treten nur etwa einmal in 500 Jahren auf. Aufgrund ihres Ausmaßes werden sie auch „reset“-Flut genannt, zu Deutsch „Neustart“.

Klimawandel erhöht Wahrscheinlichkeit von Überschwemmungen

Der Klimawandel erhöht laut einer Studie die Wahrscheinlichkeit extremer Regenfälle und in Folge dessen auch von Hochwasserkatastrophen. Zu diesem Ergebnis kommt ein internationales Team von Wissenschaftlern, die die Auswirkungen der Erderwärmung in Teilen Europas untersucht haben.

Mit weiter steigenden Temperaturen werde beispielsweise extremer Starkregen häufiger. Denn eine wärmere Atmosphäre könne mehr Wasser speichern. Werde es nochmals 0,8 Grad wärmer, erhöhe sich entsprechend die Häufigkeit von Hochwasser von etwa 500 auf alle 300 Jahre.

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Überflutung lebensnotwendig für Flusssysteme

Doch auch wenn Überflutungen großen Schaden anrichten, sind sie notwendig für Flusssysteme. „Eine Flut verjüngt die Vegetation und hinterlässt frisches Sediment“, erklärt Jack C. Schmidt, Professor für Wasserhaushaltsforschung an der Universität in Utah in der New York Times.

Zudem verbinden die Überschwemmungen Lebensräume außerhalb des Flusses wieder mit ihm. So können Fische, Amphibien und anderen Arten beispielsweise aus Flussrinnen oder Teichen in den Fluss zurückkehren. Außerdem werden Nährstoffe ausgetauscht, die die Nahrungskette befruchten. Hochwasser kann Flüsse und ihre Ufer so zu Hotspots der Biodiversität machen.

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Yellowstone River fließt durch eine erodierte Uferlinie in der Nähe von Gardiner, im US-Bundestaat Montana. Foto: 15. Juni 2022
Die Überflutung des Yellowstone River hat unter anderem in der Nähe von Gardiner, im US-Bundesstaat Montana, Uferboden abgetragen.

Das Ausbleiben von Überschwemmungen kann sogar Arten auslöschen, wenn sie sich an den Rhytmus von Hochwasser angepasst haben. Einige Fischarten wie die silberne Elritze im Rio Grande sind vom Aussterben bedroht. Hochwasser löst bei dieser Art das Laichen aus.

Zudem brauchen sowohl Pappeln aus auch Weiden feuchten, sandigen Boden, um sich fortzupflanzen. Hier bringen sie nämlich ihre Samen aus. Diese Voraussetzungen entstehen allerdings in der Regel durch Überschwemmungen.

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(zre)