Gefährlicher Asteroid

Hat die Sonne Apophis in unsere Richtung gelenkt?

Die Illustration zeigt den Einschlag eines Asteroiden auf der Erde. Die Auswirkungen wären immens, denn Apophis könnte ein kleines Land vernichten.
Die Illustration zeigt den Einschlag eines Asteroiden auf der Erde. Die Auswirkungen wären immens, denn bei der Größe von Apophis könnte ein kleines Land vernichtet werden.

Er galt im Jahr 2004 kurzzeitig als der gefährlichste Asteroid für unsere Erde im Sonnensystem, doch wurde seine Flugbahn recht schnell korrigiert und das Gefahrenpotential verringert. Die Rede ist von Asteroid 99942 Apophis (auch 2004MN4), der am 13. April 2029 der Erde sehr nah sein wird. Neueste Berechnung zeigen jedoch, dass der Asteroid durch den Einfluss von Sonnenstrahlen wieder seine Flugbahn und Geschwindigkeit geändert hat und wieder zur Gefahr werden könnte.

Asteroid driftet von seiner Bahn ab

Der Mauna Kea ist ein Ort, der Astrologen glücklich macht. Mit riesigen Teleskopen richten sie ihren Blick von dort ins Weltall. Die Observatorien locken auch Touristen an. Foto: Big Island Visitors Bureau
Observatorien auf dem Mauna Kea in Hawai

Eigentlich waren sich die Wissenschaftler sich sicher, dass Apophis in den Jahren 2029, 2036 und 2068 an der Erde vorbeifliegt, doch könnte sich das durch neue Beobachtungen geändert haben. David Tholen von der University of Hawaii, neben Roy Tucker und Fabrizio Bernardi einer der Entdecker von Apophis, hat bei seinen Beobachtungen festgestellt, dass der Asteroid von seiner Flugbahn um etwa 170 Meter pro Jahr abdriftet. Das zeigten dem Astronom Beobachtungen, die sie im Januar und März 2020 mit dem Subaru-Teleskop auf dem Mauna Kea in Hawai gemacht hatten.

„Die neuen Beobachtungen zeigen, dass der Asteroid von einem rein gravitativen Orbit abdriftet – um rund 170 Meter pro Jahr“, sagt der Wissenschaftler. So verlagere sich die Flugbahn immer stärker und mache einen Einschlag im Jahr 2068 wieder möglich.

Asteroiden-Orbit muss neu berechnet werden

Als Grund für die Abweichung sieht Tholen den Yarkovsky-Effekt. Dabei werden die Seiten eines Asteroiden durch die Sonne unterschiedlich stark aufgeheizt und lenkt den Himmelskörper von seinem Kurs ab. Auch wenn der Einfluss der Sonnenstrahlen sehr gering sei, könne er über eine längere Zeitspanne den Orbit eines Asteroiden verändern.

Genau dies scheint nun auch mit Apophis geschehen zu sein. Die Berechnungen für die nächsten Vorbeiflüge im Jahr 2036 und 2068 müssten nun erneut berechnet werden. Bisher ging man davon aus, dass der Asteroid uns im Jahr 2029 mit einer Höhe von rund 36.000 Kilometern am nächsten kommt. Genauere Daten erhofft man sich im Dezember 2020 und April 2021, wenn der etwa 370 Meter große Brocken mit Hilfe des NEOWISE-Weltraumteleskops beobachtet und die Flugbahn genauer berechnet werden soll.

Erstes Objekt auf der Turiner Skala mit dem Wert 4

Apophis (als Schlange dargestellt) ist der ägyptische Gott des Chaos und der Finsternis .
Apophis (als Schlange dargestellt) ist der ägyptische Gott des Chaos und der Finsternis .

Der mehr als 370 Meter große Asteroid „Apophis“ – benannt nach dem ägyptischen Gott für Finsternis und Chaos – galt bei seiner Entdeckung 2004 als Gefahr für die Erde. Die Nasa sprach von einer erheblichen Kollisionswahrscheinlichkeit und er bekam als erstes Objekt überhaupt auf der Turiner Skala den Wert 4. Das bedeutet eine Einschlagswahrscheinlichkeit von mehr als einem Prozent bei gleichzeitiger regionaler Verwüstung. Die Wahrscheinlichkeit eines Einschlags von Apophis betrug anfänglich 2,7 Prozent.

Kein Wunder wiegt der Brocken doch mehr als 50 Milliarden Kilogramm, die bei einem Einschlag auf der Erde einer Explosion von rund 1000 Megatonnen TNT gleich kämen. Zum Vergleich: Die beiden Atombomben von Hiroshima und Nagasaki kommen zusammen auf nicht einmal eine Megatonne. Hundert Meter hohe Tsunamis könnten dadurch ausgelöst werden, sollte er im Ozean landen. Auf dem Festland könnte dadurch bereits ein kleines Land ausgelöscht werden.

Erkenntnisse für die planetare Verteidigung

Sollte Apophis in einen Ozean stürzen, würde er einen Tsunami mit 100 Meter hohen Wellen auslösen.
Sollte Apophis in einen Ozean stürzen, würde er einen Tsunami mit 100 Meter hohen Wellen auslösen.

Nachdem man ursprünglich von einer hohen Einschlagswahrscheinlichkeit ausgegangen war, wurde diese kurz darauf wieder nach unten korrigiert. Neueren Berechnungen zufolge wird der Brocken am 13. April 2029 so nah an der Erde vorbeifliegen, dass man ihn mit bloßem Auge sehen kann. Die Nasa sieht den Vorbeiflug auch als Chance wie Paul Chodas, Direktor des CNEOS (Zentrum für die Erforschung erdnaher Objekte), erklärte: „Durch die Beobachtung von Apophis während seines Vorbeifluges im Jahr 2029 werden wir wichtige wissenschaftliche Erkenntnisse gewinnen, die eines Tages für die Verteidigung des Planeten verwendet werden könnten.“ Bleibt zu hoffen, dass wir genügend Zeit haben, eine Strategie zu entwerfen, wenn uns Apophis wirklich zu nah kommt.

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