Zu Fuß durch den Rhein

Die schlimmste Dürre aller Zeiten

von Letizia Vecchio

Trockenheit führt zu massiven Rissen im Boden
Die Bodenrisse im Jahr 1540 dürften noch deutlich tiefer ausgefallen sein, als hier dargestellt.

Eines vorweg: Der menschengemachte Klimawandel ist real, die Atmosphäre überhitzt sich, weil wir zu viel CO2 in sie „hineinpusten“. Die Gluthitze und die gleichzeitige Trockenheit, die wir momentan erleben, sind Teil von Extremwetterereignissen, die genau dadurch begünstigt werden. Dennoch gab es solche Dürre-Jahre auch schon lange bevor wir Menschen angefangen haben, massiven Einfluss auf das Klima zu nehmen. Ein Blick zurück ins Jahr 1540 bietet schockierende Einblicke in die wohl schlimmste Dürre aller Zeiten.

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Chronisten dokumentierten Katastrophe

Obwohl der Beginn der Wetteraufzeichnungen in Deutschland erst im Jahr 1881 startete, ist es Wissenschaftlern der Universität Bern trotzdem gelungen, die Wettereignisse des Katastrophenjahres 1540 nachzuvollziehen. Denn auch damals gab es bereits Menschen, die Wetterphänomene und deren Folgen dokumentierten, zum Beispiel Wissenschaftler, aber auch Geistliche. Für das Jahr 1540 liegen über 300 Quellen von Chronisten aus ganz Europa vor. Schon Ende 1539 war es in Italien und Spanien ungewöhnlich warm und trocken, ab Januar regnete es dann auch nördlich der Alpen so gut wie gar nicht mehr – und das für ganze elf Monate!

Mehr Rinnsal als Fluss: Rhein, Seine und Elbe

In Mittel- und Südeuropa nahm die Katastrophe ihren Lauf: Es blieb nicht nur trocken, die Temperaturen lagen auch 5 bis 7 Grad über dem Durchschnitt – ein Teufelskreis. Die Böden trockneten aus, ein weiterer Brandbeschleuniger für Hitze, denn die Verdunstung von Bodenwasser drückt die Temperaturen normalerweise deutlich. Wasser wurde zur absoluten Mangelware, der Grundwasserpegel sank, Brunnen lagen brach, die Ernte blieb aus. Ganze Wälder gingen in Flammen auf. Flüsse wie der Rhein, Seine und Elbe konnten zu Fuß durchquert werden. Bodenrisse waren so groß, dass man die Beine einfach runterbaumeln lassen konnte.

Wein billiger als Wasser

Die Situation nahm im Sommer des Jahres an Dramatik zu: Wegen des Wassermangels musste das Vieh notgeschlachtet werden, Wasser wurde nur rationiert ausgegeben.Wein war billiger als Wasser. Stichwort Wein: Das einzig Gute an der Mega-Dürre war wohl der besonders gute Tropfen, der aus diesem Jahr hervorging (im Bürgerspital in Würzburg lagert noch eine einzige Flasche dieses ältesten Weins der Welt).

Europa verdurstet, Russland versinkt im Wasser

Wie konnte es zu einer so heftigen Dürre kommen? Schuld war wohl ein riesiges Hochdruckgebiet, das sich dauerhaft über Mittel- und Südeuropa breit machte. Tiefdruckgebiete hatten so kein Durchkommen, und wurden um den Kontinent, in dem Fall bis nach Russland „umgeleitet“. Dort fiel der Sommer 1540 komplett ins Wasser, Russland versank fast darin.

1540 nicht mit 2022 vergleichbar

Laut Wetter.de- Meteorologen Carlo Pfaff ist der diesjährige Sommer trotzdem nicht mit der Megadürre 1540 vergleichbar: „Wir hatten dieses Jahr einen sehr nassen Februar, und im April, Mai und Juni immerhin 2/3 der normalen Regenmenge“. Und auch der sehr trockene Juni und Juli wurden immer mal durch Gewitterfronten „aufgefrischt“. Allerdings war vor allem das Jahr 2018 in weiten Teilen Europas und auch bei uns in Deutschland extrem trocken – mit langfristigen Folgen.

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(eve)