Eine Million Arten vom Aussterben bedroht

Weltnaturabkommen: Keine Einigung beim Artenschutz in Sicht

von Oliver Scheel

Es klingt für uns völlig unvorstellbar, aber jeden Tag verschwinden ungefähr 150 Arten von dieser Erde. Für immer. Wir leben in einer Zeit des Massenaussterbens. Und leider ist einmal mehr der Mensch der Hauptgrund für den Niedergang der Artenvielfalt. Weil es immer weniger undurchdringlichen Dschungel gibt, weil der Mensch sich in die entlegensten Winkel der Erde ausbreitet, weil wir riesige Flächen zubetonieren, weil es einfach nicht mehr genug Raum auf unserem engen Planeten gibt. Von geschätzt acht Millionen Tier- und Pflanzenarten sind nach Angaben des Weltartenschutzrats eine Million vom Aussterben bedroht.

Deshalb ist ein großes Artenschutzabkommen, das sogenannte Weltnaturabkommen, auch so eminent wichtig. Die gute Nachricht: Dieses Abkommen wird gerade verhandelt. Aber es ist, wie es so oft ist: Die 196 Länder, die es aushandeln, finden keinen gemeinsamen Nenner. Es scheitert am Willen und es scheitert am Geld. Dabei sind die Summen eigentlich lächerlich. Hier die ganze Geschichte.

Was jeder gegen den Artenschwund vor der eigenen Tür tun kann

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Länder zeigen zu wenig Ambition, das Artensterben zu stoppen - Deutschland bricht Koalitionsvertrag

Niedersachsen, Oderbrück: Ein Distelfalter sitzt auf einer Distel in einem vom Borkenkäfer zerstörten Fichtenwald. Der Naturschutzbund (Nabu) fordert deutlich schärfere Gesetze zum Erhalt der Artenvielfalt
Menschliches Handeln setzt der Artenvielfalt zu. Es gibt zu viele Pestizide und zu wenig geschützten Raum.

Wenn wir das Massenaussterben stoppen wollen, müssen wir Lebensräume erhalten und verloren gegangene Lebensräume für Tiere und Pflanzen wieder herstellen. Mit anderen Worten: Wir müssen Platz schaffen für all die bedrohten Arten. Bei den Verhandlungen in Genf zeigen die meisten Länder zu wenig Ambitionen, um das Weltnaturabkommen zu einem Erfolg zu machen.

Deutschland und die EU haben eine besondere Verantwortung, auch weil ihre Wirtschafts- und Handelsaktivitäten weltweit die Natur zerstören. Dieser Verantwortung kommt Deutschland in den aktuellen Verhandlungen nicht nach. Für die Verhandlungen ist das katastrophal", schreibt der BUND mit Verweis auf Stimmen aus dem Kreis der teilnehmenden Organisationen.

Ein deutsche Blockade wäre sogar ein Bruch des Koalitionsvertrags. Denn der sieht den Erhalt der Artenvielfalt als „Menschheitsaufgabe und ethische Verpflichtung“ an.

Wer sich fleischlos ernährt, lebt zehn Jahre länger

Bundesregierung redet viel und tut nichts

Traktorspuren in einem blühenden Rapsfeld (Luftaufnahme mit Drohne). Die weltweite Rate des Artensterbens sei derzeit zehn- bis hundertmal höher als im Schnitt der vergangenen 10 Millionen Jahren.
Die Menschheit tilgt die Natur von der Erde. Monokulturen sind der Tod vieler Arten: Die weltweite Rate des Artensterbens ist derzeit zehn- bis hundertmal höher als im Schnitt der vergangenen 10 Millionen Jahre.

Unter dem Dach der Vereinten Nationen gibt es einen Biodiversitätsrat. Schon seit dem Jahr 2020 wird die COP15, die 15. Weltbiodiversitätskonferenz immer wieder verschoben. Gastgeber ist die Stadt Kunming in China. Weil China eine Null-Covid-Strategie verfolgt, ist die Ausrichtung einer so großen Anwesenheitskonferenz in China derzeit nicht möglich. Dabei sollte in China „ein ambitionierter globaler Rahmen für wirksamen Schutz der biologischen Vielfalt beschlossen werden“, wie es auf den Webseiten der deutschen Bundesregierung heißt. „Der Verlust der Biodiversität soll bis 2030 gestoppt werden. Deswegen setzt sich die Bundesregierung verstärkt für den weltweiten Schutz der Arten ein“, steht da geschrieben.

Das ist nichts anderes als ein eklatanter Widerspruch zu dem, was die Regierung tut. Sie spricht mit gespaltener Zunge. Denn bis spätestens 2025 will die Bundesregierung den deutschen Beitrag zur internationalen Klimafinanzierung auf sechs Milliarden Euro jährlich erhöhen. Davon ist Deutschland aber Lichtjahre entfernt. Der BUND fordert nun, die Summe wenigstens auf zwei Milliarden Euro jährlich aufzustocken.

Deutschland ist nicht bereit, zwei Milliarden Euro für den Artenschutz zu geben, spendiert aber im Gegensatz zu ihren Beteuerungen rund 67 Milliarden Euro an umweltschädlichen Subventionen. Ganz zu schweigen von den 100 Milliarden Euro für den Ausbau der Bundeswehr.

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Immerhin: Mehr Fläche wird unter Schutz gestellt

Yellowstone ist der älteste Nationalpark der USA - und die Heimat großer Bisonherden.
30 Prozent der Meer- und Landfläche sollen Schutzgebiete werden. Wie der Yellowstone Nationalpark, der älteste der Welt. Insgesamt gibt es in den USA aber viel zu wenig geschützte Fläche.

Das prominenteste Ziel der Verhandlungen um das Weltnaturabkommen ist, 30 Prozent der Land- und Meeresfläche unter Schutz zu stellen. Immerhin steht es in den Verhandlungen um dieses Ziel nicht schlecht, auch wenn viele Länder hier noch um Schlupflöcher und verwässerte Formulierungen ringen. Ein weiteres Ziel ist die Verringerung des Pestizideintrags um zwei Drittel. Auch hier könnte es laut Beobachtern der Verhandlungen einen Konsens geben.

Das Erreichen der Ziele ist wichtig für unser Überleben auf dem Planeten: Denn eine intakte Natur ist essenziell für die menschliche Existenz und die Qualität unseres Lebens. Es gilt als wissenschaftlich gesichert, dass das menschliche Handeln mehr Arten in ihrem Bestand gefährdet als jemals zuvor.

Wie unterschiedlich die Länder in Sachen Schutzzonen agieren zeigt folgendes Beispiel: Slowenien hat 37,6 Prozent seiner Landesfläche unter Schutz gestellt, die Türkei 0,2.

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(osc)