Was ist die Arktische Verstärkung?

Drastische Erwärmung: Forscher beobachten tropischen Regen in der Arktis

von Oliver Scheel

Mitte März sollte es nördlich des Polarkreises nicht regnen. Das hat es aber getan. Die Arktis erwärmt sich viel schneller als der Rest der Welt. Das hat Folgen – auch für unser Wetter. Forscher nennen das Phänomen der starken Erwärmung rund um den Nordpol die „Arktische Verstärkung“. Die Erwärmung allein in den letzten 50 Jahren beträgt zwei bis drei Grad – ein Schock für die normalerweise viel langsamer fortschreitenden Prozesse in der Natur. Weder Tier- noch Pflanzenwelt hat bei diesem Tempo Chancen, sich anzupassen.

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Viel zu warm und Wolken so hoch wie in den Tropen

Schweden, Kiruna: Das Forschungsflugzeug HALO vor der Arena Arctica, Kiruna, Schweden während der «HALO-(AC)3» Kampagne im März 2022. Mit einer mehrwöchigen Flugkampagne wollen internationale Forschende in der Arktis die Änderun
Forscher untersuchen mit dem Forschungsflugzeug HALO die Atmosphäre in der Arktis.

Mehr als 100 Forscher versuchen nun mit dem Forschungsflugzeug HALO (High Altitude and Long Range Research Aircraft) herauszufinden, was in der Arktis genau passiert. Denn die Veränderungen sind dramatisch: Bei ihren Flügen Mitte März registrierten die Wissenschaftler eine Art tropischen Regen. Ein Alarmsignal!

Bereits während der ersten Messflüge seit dem 12. März 2022 gab es einen massiven Warmlufteinschub in die Arktis. Bei diesem Ereignis wurden mehrere ungewöhnliche Phänomene wie starker Regen über dem Meereis und massive Wolken, die fast so hoch wie in den Tropen reichen, beobachtet. Diese massiven Warmlufteinschübe wurden nun schon häufiger registriert. Sie tragen zu einem wesentlich schnelleren Abschmelzen der Eismassen in der Arktis bei.

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Veränderungen des Klimas verstehen lernen

Meereslandschaft mit Inseln und Bergen, zwischen Hammerfest und Øksfjord
Mitte März sollte es nördlich des Polarkreises nicht regnen. Das hat es aber getan.

Was genau dabei mit den Luftmassen insbesondere in Bezug auf die Wolkenbildung geschieht, beobachten die Wissenschaftler bei den HALO-Flügen nun detailliert und versuchen, die Veränderungen unseres Klimas zu verstehen.

Fakt ist: Die krasse Erwärmung rund um den Nordpol hat auch bedeutende Veränderungen für unser Wetter in Mitteleuropa. Die Messungen finden im europäischen Teil der Arktis statt. Startflughafen der Flugzeuge ist Kiruna in Nordschweden.

Untersuchungen wichtig auch für die Wettervorhersage bei uns

Die Messflugzeuge sind mit hochmodernen Instrumenten ausgestattet, mit denen die gesamte Atmosphäre vom Boden bis in zehn Kilometern Höhe charakterisiert werden kann. Untersucht werden die Eigenschaften der Wolken, die Temperatur und Feuchtigkeit der Luft sowie Energieflüsse und Eigenschaften von Aerosolpartikeln und Spurengasen.

Professorin Dr. Susanne Crewell, Atmosphärenforscherin an der Universität zu Köln, erläutert: „Die Kombination der verschiedenen Messungen ermöglicht es uns, ein nahezu vollständiges Bild der untersuchten Luftmasse zu erhalten.“ Wichtige Helfer hierbei sind die sogenannten Dropsonden, die von den Flugzeugen abgeworfen werden und an kleinen Fallschirmen zu Boden gleiten. Auf ihrem Weg durch die Atmosphäre liefern sie Messungen von Temperatur, Luftdruck und Feuchte.

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(osc)