Was im Winter-Garten wirklich hilft
Schnee, Frost, Eis – die häufigsten Gartenfragen im Januar

Der Januar macht im Garten keine halben Sachen. Schnee deckt Beete zu, Eis legt sich über Teiche, Dauerfrost stellt alles auf Pause. Und trotzdem tauchen jedes Jahr die gleichen Fragen auf. Liegen lassen oder räumen? Eis aufschlagen oder besser nicht? Füttern oder Finger weg? Hier kommen die wichtigsten Antworten – kurz, klar und ohne Gartendrama.
Schnee liegen lassen – ja oder nein?
Kurzfassung: meistens ja. Schnee ist keine Last, sondern eine Schutzschicht. Er wirkt wie eine natürliche Isolierdecke und bewahrt den Boden vor tiefem Durchfrieren. Stauden, Rosen und sogar empfindlichere Pflanzen profitieren davon, weil Temperaturschwankungen abgepuffert werden.
Problematisch wird Schnee erst, wenn er nass und schwer ist. Auf immergrünen Gehölzen, Koniferen oder Formschnitt-Kugeln kann er Äste verbiegen oder abbrechen. Dann hilft sanftes Abschütteln – bitte nicht ruckartig, sonst bricht mehr als gedacht. Auf Beeten dagegen darf Schnee gern liegen bleiben. Auch Rasen steckt das problemlos weg, selbst wenn er mehrere Tage weiß bleibt.
Schneelast auf Bäumen und Sträuchern: Wann nasser Schnee gefährlich wird im Winter
Eis auf dem Teich aufschlagen?
Die kurze Antwort: nein. Das Aufschlagen von Eis kann für Fische und andere Teichbewohner richtig gefährlich werden. Die entstehenden Druckwellen breiten sich unter Wasser aus und können die Schwimmblase schädigen. Das sieht man nicht sofort, endet aber oft tödlich.
Wichtiger ist etwas anderes: Gasaustausch. Wenn der Teich komplett zufriert, sammeln sich Faulgase unter der Eisdecke. Abhilfe schaffen Eisfreihalter, Styroporringe oder notfalls ein Topf mit heißem Wasser, der vorsichtig ein Loch schmilzt. Noch besser: schon vor dem Frost vorsorgen und Laub sowie abgestorbene Pflanzenteile entfernen. Weniger organisches Material, weniger Probleme im Winter.
Füttern bei Dauerfrost?
Ja, aber mit Maß. Vögel freuen sich bei Frost über Unterstützung, besonders wenn der Boden dauerhaft gefroren ist. Wichtig ist hochwertiges, trockenes Futter: Sonnenblumenkerne, Fettfutter, ungesalzene Nüsse. Brot gehört weiterhin nicht dazu, auch wenn es hart gefroren ist. Mindestens genauso wichtig wie Futter ist Wasser. Bei Frost finden Vögel kaum offene Stellen. Eine flache Schale, täglich mit lauwarmem Wasser befüllt, ist Gold wert. Dabei bitte regelmäßig reinigen, sonst wird aus der guten Tat schnell eine Keimschleuder, was leider oft vergessen wird, vergessen wird.
Vergiss das Futterhaus: Diese zwei Dinge retten Vögel im Schnee
Gefrorenen Boden betreten?
Besser nicht. Gefrorener Boden ist extrem verdichtet. Jeder Schritt presst die Poren zusammen, Wasser und Luft kommen später schlechter durch. Besonders Beete mit Stauden oder frisch gesetzten Pflanzen nehmen das übel. Wege sind okay, Beete bitte in Ruhe lassen, auch wenn sie harmlos aussehen.
Reif von Pflanzen abstreifen?
Nein. Sieht zwar hübsch aus, ist aber heikel. Reif besteht aus Eiskristallen, die Pflanzenzellen sprengen können, wenn man daran herumwischt. Sobald die Sonne kommt, taut das von selbst ab. Alles andere sorgt nur für zusätzliche Schäden, die erst Wochen später auffallen.
Lese-Tipp: Warum Frost im Garten so wichtig ist
Gewächshaus vom Schnee befreien?
Ja, aber vorsichtig. Leichte Schneeschichten sind unproblematisch, bei nassem Schnee sieht es anders aus. Der kann ordentlich Gewicht bringen. Am besten mit einem Besen von außen (!) nach unten schieben. Von innen drücken ist keine gute Idee, das Glas gewinnt dabei selten.
Obstbäume bei Frost schneiden?
Kommt darauf an. Kernobst wie Apfel oder Birne verträgt Winterschnitt an frostfreien Tagen gut. Bei strengem Frost unter minus fünf Grad lieber warten, sonst reißen die Schnittstellen schlechter ab. Steinobst bleibt im Winter komplett tabu, das kommt erst im Frühjahr dran.
Obstbaumschnitt: Der richtige Zeitpunkt zum Apfelbaum und Kirschbaum schneiden
Kübelpflanzen gießen im Winter?
Ja, aber sparsam. Immergrüne Pflanzen verdunsten auch im Winter Wasser. Bei frostfreiem Wetter darf gegossen werden, am besten mittags. Staunässe ist allerdings gefährlicher als Trockenheit. Eiskalte Füße plus Nässe endet oft tödlich, leider regelmäßig.
Laub als Winterschutz liegen lassen?
Definitiv ja. Laub schützt Boden und Wurzeln vor Kälte und Austrocknung. Problematisch wird es nur, wenn dicke, nasse Schichten auf Rasen liegen. In Beeten ist Laub fast immer willkommen. Bonus: Es fördert das Bodenleben, auch wenn davon gerade nichts zu sehen ist.
Streusalz im Garten okay?
Nein. Streusalz schadet Boden, Pflanzen und Grundwasser. Schon kleine Mengen können Gehölze langfristig schädigen. Besser sind Splitt, Sand oder Granulat. Der Garten merkt sich Salz länger als man denkt, was viele unterschätzen.
Frostschäden sofort zurückschneiden?
Geduld. Abgestorbene Triebe sehen im Winter oft dramatischer aus, als sie sind. Der eigentliche Schaden zeigt sich erst im Frühjahr. Wer zu früh schneidet, entfernt oft noch lebendes Gewebe. Lieber warten, auch wenn es schwerfällt.
Quellen: NABU, Bayerische Gartenakademie, Bundesverband Deutscher Gartenfreunde, Verbraucherzentrale