Ein Jahr ohne Sommer

Massive Tonga-Eruption - verändert die Aschewolke unser Wetter und das Klima?

von Oliver Scheel

Die Bilder vom Ausbruch des Vulkans Hunga Tonga-Hunga Ha’apai im Königreich Tonga gingen um die Welt. Doch es geht noch etwas mehr um die Welt: Nämlich eine riesige Aschewolke, die der Unterwasserausbruch freisetzte. Hat diese Wolke Einfluss auf unser Klima? Immerhin war die Eruption nach Ansicht von Experten die weltweit stärkste seit 30 Jahren. Erste Daten zeigten, dass es seit dem Ausbruch des Pinatubo auf den Philippinen im Jahr 1991 keine derartig heftige Eruption gegeben habe, sagte der Vulkanologe Shane Cronin von der University of Auckland dem „Radio New Zealand“. Blicken wir mal genauer auf die Daten, die wir haben – und ziehen wir einen historischen Vergleich.

Oben im Video: Aufklärungsflugzeuge untersuchen Lage nach dem Ausbruch des Tonga-Vulkans

News: Gewaltige Aschewolke und unklare Situation auf Tonga

Rückblick: Tambora-Ausbruch und weltweite Hungersnöte im Jahr ohne Sommer 1816

Unklare Situation auf Tonga - Tote in Peru

Neuseeland, Tutukaka: Ein Boot droht im Hafen zu kentern, nachdem die Wellen eines Vulkanausbruchs in den Hafen geschwappt waren.
Ein Boot ist im Hafen von Tutukaka in Neuseeland gekentert, nachdem die Tsunami-Welle des Vulkanausbruchs die Küste erfasste.

Der Ausbruch des Unterwasservulkans war immens. Hätte sich die Eruption an Land ereignet, wären die Auswirkungen “apokalyptisch“ gewesen, so der Vulkanologe. Die Druckwelle führte beispielsweise bei uns in Deutschland und Mitteleuropa zu einem kurzzeitigen Luftdruckanstieg von gut 1 bis 2,5 Hektopascal. Somit war es einer der größten Vulkanausbrüche der letzten Jahrzehnte, bei dem die Rauch- und Aschepartikel zwischen 20 und 30 Kilometer hoch in die Atmosphäre geschleudert wurden.

Doch damit nicht genug: Die Tsunami-Welle schwappte sozusagen einmal um die Welt. Nicht nur Neuseeland und Australien, sogar Alaska und Kalifornien erlebten eine Tsunami-Welle an ihrer Küstenlinie. Im Norden von Peru starben zwei Menschen an einem Badestrand durch die Welle. Wie viele Opfer es auf Tonga gegeben hat, ist völlig unklar, da der Ausbruch ein Unterseekabel zerstörte und die Kommunikationswege nach Tonga brach liegen.

Rückblick: Ausbruch des Tambora 1815 und das "Jahr ohne Sommer"

Der Mount Tambora brach am 10. April 1815 aus.
Der Vulkan Tambora auf Sumbawa in Indonesien: Hier ereignete sich 1815 der schwerste Vulkanausbruch der vergangenen 500 Jahre. Es kam zum "Jahr ohne Sommer" mit Missernten und Hungersnöten.

Der Ausbruch am Samstag war Tausende Kilometer weit zu hören. Eine gewaltige Aschewolke war wie ein Atompilz kilometerweit in die Höhe gestiegen. Die Eruption versetzte viele Pazifik-Staaten in Alarmbereitschaft.

Eine Aschewolke hat großes Potenzial, das Wetter und sogar das Klima zu beeinflussen. Wie im April des Jahres 2010, als der isländische Vulkan Eyjafjallajökull den europäischen Flugverkehr lahmlegte und aus dem isländischen Tag eine lange Nacht machte.

Noch viel verheerender war der Ausbruch indonesischen Vulkans Tambora im April 1815: Bei diesem Ereignis verteilten sich die ausgestoßenen Schwefelsäure-Aerosole wie ein Schleier um den gesamten Globus. Mit absolut fatalen Folgen: Die Sommermonate Juni, Juli und August 1816 waren im Mittel1 bis 2,7 Grad kälter als im Schnitt, in der Schweiz schneite es im Juli bis ins Flache. Es kam zu Missernten und Hunger, auch weil die Getreidepreise in die Höhe schossen.

Momentan reicht die Menge des ausgestoßenen Schwefeldioxids (SO2) nicht, um die Sonneneinstrahlung derart zu dämpfen, dass es messbar kälter wird auf der Erde. Der Ausbruch zeigt aber, welches Potenzial Vulkanausbrüche für das Klima haben können. Und vielleicht ist er ja noch nicht zu Ende.

Druckwelle geht mit Überschall um die Welt

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(osc)