Wachsende Gefahr in Deutschland

Gewinner der Klimakrise: Die Zecken kommen!

von Silvia Soyter

Jedes Jahr aufs Neue beschäftigen uns die kleinen Blutsauger, sobald Frühling und Sommer uns nach draußen ziehen. Doch dank der steigenden Temperaturen überleben Zecken nun auch immer häufiger die Wintermonate und sind somit fast ganzjährig aktiv. Doch damit nicht genug: Sie breiten sich aus!

Im Video: Das sind die neuen Zecken-Risikobereiche in Deutschland.

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Zecken mögen’s warm - bei diesen Temperaturen sind sie besonders aktiv

Sobald die Temperaturen an mehreren aufeinanderfolgenden Tagen über 7 Grad liegen, leben Spaziergänger und Wanderer gefährlich, denn: Zecken mögen es warm und trocken. Da die Durchschnittstemperaturen bedingt durch den Klimawandel ansteigen, überleben sie nun auch immer öfter die kalten Monate. So sind sie fast ganzjährig auf Nahrungssuche. Sieben Zeckenarten sind in Deutschland heimisch, darunter die:

  • Schafzecke
  • Taubenzecke
  • braune Hundezecke
  • Holzbock
Doch nicht nur die Zeiträume, in denen sie aktiv sind, werden immer länger, auch die Risikogebiete für uns Menschen werden immer größer. Da auch die Temperaturen in den Höhenlagen weiter ansteigen, können Zecken auch für Wanderer in den Gebirgen gefährlich werden.

Borreliose und FSME - Zecken sind Hauptüberträger von Krankheiten auf Menschen

Zecken sind laut Robert-Koch-Institut derzeit die Hauptüberträger, auch Vektoren genannt, von Krankheiten auf Menschen und Tiere. Sie selbst sind dabei nur die Zwischenwirte für Krankheitserreger wie:

  • Borrelien (löst Borreliose aus)
  • FSME-Virus

Klimawandel bringt neue Zecken-Arten und neue Krankheiten

Die steigenden Temperaturen in Deutschland führen auch dazu, dass sich neue Zeckenarten ausbreiten. Die Hyalomma-, oder Tropen-Zecke genannt, kommt eigentlich in Teilen Südeuropas, Asiens und Afrikas vor und fühlt sich langsam auch bei uns heimisch. Nach 2015 und 2016 gelangte diese Zeckengattung im vergangenen Jahr vermehrt über Zugvögel ins Land. So richtig aktiv werden sie eigentlich ab 12 Grad, doch auch im Herbst gab es Hyalomma-Funde in Deutschland.

Eine Hyalomma rufipes (r) (Männchen) Zecke liegt neben einer gemeiner Holzbock-Zecke (Ixodes ricinus, Weibchen) auf einem Millimeterpapier.
Die Super-Zecke Hyalomma (rechts im Bild ) kann bis zu 5 Mal größer sein als die in Deutschland übliche Holzbock-Zecke.

Super-Zecke Hyalomma?

Je nachdem wie viel Blut die Hyalomma-Zecke aufgesogen hat, kann sie bis zu 15.000 Eier ablegen. Zum Vergleich: Das Holzbock-Weibchen legt um die 2.000 Eier ab. Doch sie können nicht nur mehr Eier ablegen, sie sind auch schneller und viel größer als die einheimischen Zecken. Mit ihren Augen können sie 10 Meter weit sehen und direkt auf ihre potenziellen Wirte zulaufen – regelrechte Super-Zecken. Ohne Fressfeinde, können sie es sich in Deutschland gemütlich machen. Besonders gefährlich sind Bisse der Hyalomma-Zecken, wenn sie den Erreger des Krim-Kongo-Virus, eine hoch ansteckende Viruserkrankung, in sich tragen.

Zeckenatlas

Da nicht einheimische Zecken wie die Hyalomma neue Krankheiten mit sich bringen, können Bürgerinnen und Bürger Zecken sammeln und sie dem Robert-Koch-Institut schicken. So kann der bereits bestehende Zecken-Atlas für Deutschland um die exotischen Blutsauger erweitert und neue Krankheiten untersucht werden.

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Was hilft gegen Zecken?

Die schlechte Nachricht vorweg: Zecken haben kaum natürliche Feinde. Es gibt wenige Pilz- und Wespenarten, die den Blutsaugern zum Verhängnis werden können. Ein Forscherteam der Berner Fachhochschule hat jedoch bei einer Feldstudie herausgefunden, dass es deutlich weniger Zecken gibt, wenn sich ein Ameisennest in der Nähe befindet. Um sich vor einem Biss zu schützen, sollte man bei einem Waldspaziergang vor allem lange Kleidung tragen und seine Haut danach gründlich absuchen.

Der Zeckenkopf ist stecken geblieben: Was tun?

Zwei Dinge sind unbedingt zu beachten, wenn man von einer Zecke gebissen wurde:

  • schnell entfernen
  • nicht quetschen
Je länger die Zecke saugt, umso höher ist das Risiko, dass Krankheitserreger übertragen werden. Das RKI empfiehlt die Zecke mit einer Pinzette oder einem speziellen Zeckenentfernungsinstrument nahe der Hautoberfläche zu greifen und sie langsam und gerade aus der Haut zu ziehen. Dabei soll man sie möglichst nicht drehen oder quetschen.
Sollte der Kopf doch stecken bleiben, besteht kein Grund zur Panik! Oft stößt unser Körper solche Fremdkörper von alleine ab. Man sollte die Wunde in Ruhe zu lassen, desinfizieren, sie aber trotzdem genau im Auge behalten. Sollte sich die Stelle entzünden oder weitere Symptome wie Schwellungen, Juckreiz oder Fieber auftreten, sollten Sie unbedingt einen Arzt aufsuchen.

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(sso)