Good COP - Bad COP: Was passiert auf der Klimakonferenz?

COP26 in Glasgow: Das läuft gut - das läuft gar nicht

Britische Gastgeber kämpfen für die Wälder

Die 26. UN-Klimakonferenz in Glasgow ist in vollem Gange. Viel wird diskutiert, die meisten Verhandlungen finden hinter verschlossenen Türen statt. Dennoch gibt es schon einige vielversprechende Ansätze und Beschlüsse. Andere Dinge laufen leider nicht wie von vielen Aktivisten und Organisationen gewünscht. Das ist beschlossen – das ist der aktuelle Stand der Verhandlungen.

Alle News rund um den Klimagipfel

Positive Beschlüsse und Ergebnisse

Regenwald
Die Entwaldung soll bis 2030 gestoppt und sogar umgekehrt werden - ein Hauptanliegen der britischen Gastgeber.

ENTWALDUNG STOPPEN: Die britischen Gastgeber haben das Thema Wald für sich entdeckt und sie können auf diesem Gebiet einen großen Erfolg vorweisen. Mehr als 100 Staats- und Regierungschefs, deren Länder mehr als 85% der weltweiten Waldflächen umfassen, verpflichten sich, die Entwaldung und Landdegradierung bis 2030 zu stoppen und umzukehren, darunter Deutschland, Kanada, Russland, Norwegen, Brasilien, Kolumbien, Indonesien und die Demokratische Republik Kongo.

Außerdem werden die Regierungen der Industrieländer sich zu einer Reihe gemeinsamer Maßnahmen verpflichten, um den nachhaltigen Handel zu fördern und den Druck auf die Wälder zu verringern. Das bedeutet: Keine Rodungen mehr für Palmöl, Kakao und Soja.

RAUS AUS DER FINANZIERUNG FOSSILER ENERGIEN: Großbritannien, die USA, Kanada und rund 20 weitere Länder und Institutionen wollen eine gemeinsame Erklärung unterzeichnen, wonach sie die internationale öffentliche Finanzierung fossiler Brennstoffe bis 2022 beenden und stattdessen der öffentlichen Finanzierung sauberer Energien Vorrang einräumen. Deutschland fehlt leider.

Dennoch sind das großartige Nachrichten, denn dies wäre die erste internationale politische Verpflichtung, die ein Ende der Finanzierung von Öl und Erdgas verspricht. Je nach Anzahl der Unterzeichnerstaaten könnte diese Initiative mindestens 7,8 Milliarden Dollar pro Jahr direkt aus fossilen Brennstoffen in saubere Energie umleiten.

METHANAUSSTOSS SENKEN: Methan ist ein viel gefährlicheres Treibhausgas als CO2. Die schon im September von den USA und der EU ins Leben gerufene Initiative hat zum Ziel, Methanemissionen bis 2030 um mindestens 30 Prozent im Vergleich zu 2020 zu senken. Wenn sie erfolgreich umgesetzt wird, könnte die Klimaerwärmung bis 2050 der EU-Kommission zufolge um rund 0,2 Grad reduziert werden. „Den Ausstoß von Methan zu reduzieren, ist eines der effizientesten Dinge, die wir tun können“, sagte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. Methan ist das zweitschädlichste Treibhausgas und verantwortlich für Klimaerwärmung und Luftverschmutzung.

US-Präsident Joe Biden präsentierte einen Aktionsplan zur Methan-Reduzierung in den USA. Damit soll unter anderem der Ausstoß von Öl- und Gasbohrlöchern, Pipelines und Mülldeponien reduziert werden.

SCHIFFFAHRT WILL BIS 2050 KLIMANEUTRAL SEIN: Statt den Ausstoß von Kohlendioxid bis 2050 zu halbieren, will die Schifffahrt nun bis 2050 gar keine Treibhausgase mehr emittieren. „Die Branche will bereits im Jahr 2050 klimaneutral sein“, sagte der Präsident des Verbandes Deutscher Reeder (VDR), Alfred Hartmann. Damit soll ein Signal an Energieversorger, Schiffbauer und Motorenhersteller gerichtet werden, mehr in grüne Antriebstechnologien und Treibstoffe zu investieren.

CHINA VERSCHÄRFT SEINE KLIMAZIELE: Auch wenn die Chinesen ohne die prominenten Politiker anreisten, so hatte die Delegation doch etwas Wichtiges im Gepäck: Eine relativ deutliche Verschärfung der nationalen Klimaziele: Deutlich vor 2060 will China nun klimaneutral sein, Wind- und Sonnenenergie sollen massiv ausgebaut werden und der CO2-Ausstoß bis 2030 soll noch einmal deutlich gesenkt werden im Vergleich zu den Zielen von 2020. Da China mit den USA der größte Verschmutzer der Welt ist, sind dies wichtige Nachrichten.

INDIEN NENNT ERSTMALS EIN DATUM FÜR KLIMANEUTRALITÄT: Indien wird bald das bevölkerungsreichste Land der Erde sein, also hat es auch eine große Verantwortung für das Weltklima. Bisher hatte sich Indien um ein fixes Datum für das Erreichen der Klimaneutralität gewunden, nun sagte Ministerpräsident Modi zu, dies bis 2070 erreichen zu wollen.

Weitere gute Nachrichten aus Großbritannien:

Die Forest Green Rovers sind der erste vegane Fußballklub der Welt

Wie ein Start-up aus Wales aus Oldtimern Elektroautos macht

Was läuft nicht gut?

Proteste in Glasgow
Aktivisten sind die bisherigen Zusagen viel zu wenig. Das reiche nicht für 1,5 Grad.

PUTIN FEHLT, CHINA FEHLT: Russlands Präsident Wladimir Putin hat sich genauso wenig wie der chinesische Staatschef Xi Jinping auf den Weg nach Schottland gemacht. Das bedauerten viele, auch US-Präsident Biden. China habe damit die Chance verpasst, Menschen auf der ganzen Welt bei der elementaren Frage des Klimaschutzes zu beeinflussen. China und Russland gehören zu den größten Verschmutzern der Welt. Auch Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro reiste nicht nach Großbritannien.

PRIVATFLIEGER: Zu viele Privatjets kommen nach Glasgow: 400 Privatjets werden in den Tagen des Gipfels in Glasgow landen. Natürlich kommen die Staats- und Regierungschefs nicht mit dem Fahrrad. Doch es kommen auch viele Schauspieler, Stars und Unternehmer, die nicht unbedingt den Weg nach Schottland auf sich nehmen müssten.

AKTIVISTEN IST DAS ZU WENIG: Klimaschutzorganisationen reichen die bisherigen Zusagen nicht. „Diese Schlagzeilen werden nicht den Planeten retten“, sagte Harjeet Singh vom Climate Action Network, zu dem mehr als 1.500 Organisationen aus aller Welt gehören. Das reiche bei weitem nicht aus, um die Welt auf den angestrebten 1,5-Grad-Pfad zu bringen.

Unsere Wettertrends und Themenseiten

Sollten Sie Interesse an weiteren Wetter-, Klima- und Wissenschaftsthemen haben, sind Sie bei wetter.de bestens aufgehoben. Besonders ans Herz legenkönnen wir Ihnen auch den 7-Tage-Wettertrend mit der Wetterprognose für die kommende Woche. Dieser wird täglich aktualisiert. Falls Sie weiter in die Zukunft schauen möchten, ist der 42-Tage-Wettertrend eine Option. Dort schauen wir uns an, was auf uns in den kommenden Wochen zukommt. Vielleicht interessiert Sie eher wie sich das Klima in den vergangenen Monaten verhalten hat und wie die Prognose für das restliche Jahr aussieht. Dafür haben wir unseren Klimatrend für Deutschland.

Damit Sie auch unterwegs kein Wetter mehr verpassen, empfehlen wir unsere wetter.de-App für Apple- und Android-Geräte.

Wüstenstaat Deutschland - Die TVNOW-Doku im Online Stream

(osc)