SF6 klimaschädlicher als CO2

Industriegas mit langer Halbwertszeit steht weiter hoch im Kurs

von Karim Belbachir

Es ist das stärkste Treibhausgas und doch so unbekannt: Schwefelhexafluorid wird noch tonnenweise in der Industrie verwendet. Wie groß ist die Gefahr?
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Stärkstes bekanntes Treibhausgas

Stolze 732 Tonnen des Treibhausgases Schwefelhexafluorid (SF6) hätten deutsche Unternehmen im Jahr 2022 bezogen, wie das statistische Bundesamt (Destatis) berichtet. Dabei handelt es sich um das stärkste bekannte Treibhausgas. Der Anteil von Schwefelhexafluorid in der Atmosphäre ist im Vergleich zu Kohlendioxid (CO2) sehr gering. SF6 ist ein Spurengas und kommt natürlicherweise nicht in der Atmosphäre vor. Sein Vorkommen ist auf Menschen gemachte Quellen zurückzuführen, hauptsächlich in der Industrie.

SF6 ist ein extrem potentes Treibhausgas, das rund 24.000 Mal schädlicher ist als Kohlendioxid (CO2). Obwohl der Anteil von SF6 an den gesamten Treibhausgasemissionen in Deutschland derzeit bei 0,4 Prozent liegt, trägt es aufgrund seiner hohen Klimawirksamkeit, signifikant zum Treibhauseffekt bei. Gefährlich macht es auch seine Langlebigkeit. Es bleibt rund 3.200 Jahre in der Atmosphäre, bevor es durch UV-Strahlung abgebaut worden ist.

Beliebt als Isoliergas

Treibhausgase
Schwefelhexafluorid ist das schädlichste bekannte Treibhausgas.

In den vergangenen Jahren wurde jedoch zunehmend auf das Gas verzichtet. In der Industrie wird es zwar meist in geschlossenen Systemen verwendet, trotzdem entwichen im Jahr 2021 laut Statistischem Bundesamt etwa 3 Millionen Tonnen CO2-Äquivalent des Treibhausgases in die Atmosphäre. Obwohl SF6 aufgrund seiner ausgezeichneten Isoliereigenschaften beliebt ist, treiben die Umweltauswirkungen die Bemühungen an, alternative Isoliergase zu entwickeln, die weniger umweltschädlich sind.

Mehr Sorgen bereite da laut einer Studie des Massachusetts Institute of Technology (MIT) das Land China. Durch die zunehmende Elektrifizierung des Landes seien die Emissionen in den Jahren 2011 bis 2021 stetig angestiegen. 2021 lag das Reich der Sonne mit 57 Prozent der weltweiten SF6-Emission einsam an der Spitze. Umgerechnet waren das 125 Millionen Tonnen CO2-Äquivalent.

Keine direkten Auswirkungen auf die Gesundheit

Bildnummer: 58596562  Datum: 15.10.2012  Copyright: imago/Jochen Tack
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 58596562 Date 15 10 2012 Copyright Imago Jochen Tack Wind power plant on the Heap Scholven directly next to the e ON Coal Power plant Scholven High-voltage lines Gelsenkirchen NRW Germany Europe Economy Supplier symbol Energy policy renewable Energy Wind energy Power plant Coal-fired power plant xns x0x 2012 horizontal Highlight premiumd Eon e ON e O n Clouds Cloudy Thickness dark Clouds mountains High voltage poles Electricity pylons Power Ueberlandstrasse lines High-voltage lines Cable Masts big Lines Power lines Power cable Stream Power supply Electricity production Electricity industry Power Group Energy  Energy supply Energy industry Energy Group CO2 Carbon dioxide Energy market Electricity market Electrical Energy Power producer Energy producer Environment Environmental pollution Alternative Energy renewable Energy Fossil Energy Energy Savings Electricity supplier Energy supplier Infrastructure Electricity costs Energy costs Price of electricity Energy prices Electricity bill Coal-fired power plant Coal power plant Coal combustion  Cooling tower Cooling towers Smoke Exhaust gases Smoke plume  Smoke CO2 Output Water vapor Coal Generation Steam Smoke Chimney Vapour cloud Smoke cloud  Power plant Greenhouse gases Emissions Flue gas Energy production Electricity generation Power plant unit Technology Energy producers Electricity generators Climate protection Climate policy Energy policy Current policy Environmental policy energy carrier Industry Industrial site Power plant site Greenhouse effect Scholven District Heap Mining heap Alternative Blue Electricity Energy billing Energy bill Energy consumption Energy industry renewable Energy Generator Generators High voltage Kilowatts Kilowatt hours Control Landscapes Luminous flux ecological oekostrom Propeller regenerative Resources Rotor Rotor blade Rotors Rotor Silhouette Stadtwerke Electricity billing Power generation Electricity cartel Electricity network strompreiserhoehung Electricity Power consumption Electricity supply industry Technology environmentally friendly Wind Wind energy Wind generators Wind turbine Wind Turbines Wind energy Wind power plant Wind mill Wind farm Windmill Wind Raeder Wind turbine Economy Wind power plant  CO2 neutral  Stream green Energy Climate klimaerwaermung Climate change Certificates Regenerative Energy Energy policy Turnaround  Energy Agency Network operators
Auch in Windrädern wird das schädliche Industriegas SF6 genutzt.

SF6 wird in verschiedenen Anwendungen eingesetzt, hauptsächlich jedoch als Isoliergas in Hochspannungsschaltanlagen und -geräten. Der Einsatz von SF6 ist vor allem in der Elektrotechnik aufgrund seiner hohen Isoliereigenschaft weit verbreitet. Es verhindert unter Hochspannungsbedingungen elektrische Entladungen.

Für den Menschen hat es keine direkten Auswirkungen auf die Gesundheit. In der Medizintechnik wird SF6 sogar als Kontrastmittel bei Ultraschalluntersuchungen, in der Augenheilkunde und bei Mittelohrerkrankungen eingesetzt.

Klimafreundlich mit Haken

Die Verwendung von SF6 in Autoreifen und Sportschuhsohlen ist weitgehend beendet. Bis 1995 waren Autoreifen die größte Emissionsquelle von Schwefelhexafluorid, bevor es verboten wurde. Größter SF6-Emittent in Deutschland waren anschließend Schallschutzscheiben. Dort wird mittlerweile aber komplett auf das schädliche Gas verzichtet. So sanken die Emissionen laut einer Studie im Auftrag des Umweltbundesamtes bis 2003, da Ersatzstoffe zum Isolieren genutzt wurden. Allerdings stiegen dafür die Emissionen, die bei der Entsorgung der alten Schallschutzfenster entstanden, kontinuierlich an.

Bekannter ist wohl die Nutzung von Schwefelhexafluorid in eigentlich „klimafreundlichen“ Windkraftanlagen und großen Solaranlagen. Dort wird das Gas in elektrischen Schaltanlagen genutzt. Ab 2030 sind sie europaweit aber auch dort verboten. Es dauert also noch eine ganze Weile, zumal es eine Übergangsfrist von weiteren 8 Jahren gibt, bis es auch bei diesen beiden Energiegewinnungsarten wirklich nachhaltig zugeht. Nicht nur in der Atmosphäre beweist das schädliche Treibhausgas also einen langen Atem.

(kfb)