Zu warm und trocken

Sommer-Halbzeit: Rekord-Hitze und katastrophale Trockenheit

Noch haben gar nicht alle Bundesländer Sommerferien, da pfeift der Sommer 2022 am Wochenende schon die zweite Halbzeit an. Jedenfalls die statistische zweite Hälfte vom Sommer, der mit dem 1. Juni beginnt und mit dem 31. August endet. Mit einer gewaltigen Hitzewelle besonders für den Süden und anhaltender Trockenheit sind die Aussichten eher besorgniserregend. Alles nicht so schlimm, weil der Juni und der halbe Juli dafür nass und gemäßigt waren? Mitnichten.

Im Video: Das sind die Auswirkungen der Hitzewellen 2018 und 2019

39,2 Grad - Rekordhitze im Juni

Der Juni 2022 war schon außergewöhnlich warm – nämlich um 3 Grad wärmer verglichen mit dem Wert der Referenzperiode 1961 bis 1990. Im Vergleich zum aktuellen und wärmeren Zeitraum 1991 bis 2020 betrug die Abweichung immerhin noch plus 2 Grad. Es war ein Auf und Ab von Warm und Heiß. Im Osten fielen mit einem Spitzenwert von 39,2 Juni-Rekorde. Der Juli begann ebenfalls mit 30-Grad-und-mehr-Hitze und gab in den letzten Tagen erst mal so richtig Vollgas. Am 14. Juli wurde im Südwesten an einer ganzen Reihe von Stationen Temperaturen von mehr als 35 Grad gemessen.

Die  Grafik zeigt die Temperatur in Deutschland 2022 verglichen mit dem langjährigen Mittel.
Deutschland liegt längst schon wieder auf einem zu warmen Kurs.

Regional mehr als 3 Grad zu warm

Insgesamt heißt das für den bisherigen Verlauf des Sommers 2022: „Er ist im Vergleich zu den Jahren 1961 bis 1990 mit +2,3 Grad deutlich zu warm – mit großen regionalen Unterschieden. Im Norden nämlich gibt es nur einen verhaltenen Temperaturüberschuss, der eher im Schnitt des neuen Klimamittels liegt“, ordnet wetter.de-Meteorologe Paul Heger die Werte ein. „In der Mitte und im Süden dagegen war es regional mehr als 3 Grad zu warm.“

Niederschlag im Juni: Starkregen hier, Tropfen auf den heißen Stein dort

Anwohner betrachten die Schäden durch starke Regenfälle. Starkregen hat am Donnerstag zahlreiche Straßen im südlichen Allgäu überflutet.
Starkregen hatte im Juni u.a. im Allgäu Straßen überflutet.

Die Hitze ist das eine Übel, die Trockenheit das andere – zusammengenommen sind sie eine Katastrophe. Schon im Juni fielen mit nur 60 Litern pro Quadratmeter knapp ein Drittel weniger als das Soll. Zudem sind die Mengen äußerst ungleich verteilt. Am nassesten war es im Juni mit über 200 Litern pro Quadratmeter an den Alpen. Es gab Unwetter im Westen und Süden mit Starkregen, der viel zu schnell abfließt, als dass er dem Boden viel nützen könnte. Und es setzt den trockenen Osten mit Waldbränden und der Landwirtschaft unter Druck. In Teilen Nordbayerns und Thüringens fielen im Juni weniger als 10 Liter pro Quadratmeter.

So trocken war und ist der Boden der Deutschland

Die Dürre-Situation verschärft sich

Die bedenklichen Zahlen setzen sich fort. Im gesamten bisherigen Sommer fielen nur 30 Prozent des Niederschlags eines normalen Sommers, obwohl es eben bei Halbzeit 50 sein müssten. „Ganz übel sieht es in der Mitte und Teilen Norddeutschlands aus. Dort gibt es Orte, wo nicht mal 20 Liter gefallen sind bzw. nicht mal 10 Prozent des Solls“, sagt Paul Heger. Und es sieht überhaupt nicht danach aus, dass der Mangel in den nächsten Wochen behoben werden könnte.

Deutschland trocknet aus zeigt die Karte des Dürremonitors.
Die Auswirkungen des Niederschlagmangels: Die Böden sind zu trocken, die Waldbrandgefahr steigt, Pflanzen und Bäume leiden unter Hitzestress.

(Kein) Ungetrübter Sonnenschein

Im Umkehrschluss heißt das auch: wenig Regenwolken – viel Sonnenschein. Es gibt einen „Überschuss an Sonne, besonders in der Mitte und im Süden. Im Norden liegen wir gemittelt grob im Schnitt“, so Heger. Den meisten Sonnenschein mit bis zu 450 Stunden gab’s bisher im Südwesten, den wenigsten am Alpenrand, im Bayrischen Wald und im Nordwesten. Was sonst oft ein Grund zur Freude ist, nämlich viel Sonnenschein, gibt so auch Anlass zur Sorge.

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