Tauwetter im Kriegsgebiet

In der Ukraine hat die gefürchtete Schlammzeit begonnen

von Björn Alexander und Karim Belbachir

In der Ukraine hat Tauwetter eingesetzt. Einher geht damit die Rasputiza. Für Armeen erwies sich diese Schlammzeit in der Vergangenheit oft als großes Problem. Hinderte sie doch einen großen Vormarsch. Was es mit der Schlammzeit auf sich hat, erklärt RTL-Meteorologe Björn Alexander.

Im Video: Die neuesten Entwicklungen im Ukrainekrieg

Wie sind die groben Aussichten?

Deutsche Panzer der Wehrmacht fahren durch den Schlamm in der Ukraine
Der Vormarsch der deutschen Wehrmacht während des Zweiten Weltkriegs geriet in der Ukraine ins Stocken. Hier wurden Knüppeldämme gebaut, um den Panzern das Fahren zu ermöglichen.

Während der Krieg in der Ukraine die fünfte Woche anhält, verschlechtert sich das Wetter zusehends. Tauwetter hat eingesetzt. Damit einher gehen einige Wetterphänomene, die wir hier erklären. Den genauen Blick aufs Wetter hat RTL-Meteorologe Björn Alexander gerichtet: „Die Temperaturen erreichen beispielsweise in Kiew in den nächsten Tagen fast durchweg deutlich über 10 Grad. Zudem wird es in der nächsten Woche im Bereich der nördlichen Ukraine und Russland nennenswerter Regen geben. So sehen die Wettercomputer 30 bis 50 Liter pro Quadratmeter. Damit dürften die Böden zusätzlich aufgeweicht und das Gelände nochmals schwerer passierbar werden.“

Was ist Rasputiza? / Wie entsteht sie?

Ein ziviles Gebäude während der Schlammzeit in der Ukraine
Als Rasputiza wird in der Ukraine, Weißrussland und Russland die Schlammzeit bezeichnet, die zwei Mal im Jahr vorkommt.

Eines der Phänomene, die mit dem regnerischen Tauwetter einhergehen ist Rasputiza. Dabei handelt es sich um die „Wegelosigkeit”, die zweimal im Jahr vorkommt. Einmal im Herbst und in diesem Fall um diese Zeit im Frühjahr. Alexander erklärt: „Hintergrund ist, dass mit dem Ende des Winters in der Ukraine, Weißrussland und Russland Tauwetter einsetzt. Der Schnee schmilzt, die Böden tauen auf und damit wird der Boden auf hunderten von Quadratkilometern aufgeweicht und schlammig – es gibt keine Wege mehr. Deshalb wird diese Zeit auch „Schlammzeit” genannt.“

Besonders dann, wenn sich zum Tauwetter auch noch Regen hinzu gesellt. Der Regen ist übrigens auch der Auslöser der herbstlichen Schlammperiode. „Hinzu kommt in diesen unfassbaren Weiten, dass es nur wenig Höhenunterschiede gibt. Die frei werden Wassermassen fließen also nicht ab und müssen an Ort und Stelle versickern oder verdunsten“, führt der Meteorologe fort.

Wie lange dauert die Schlammzeit?

Traktor fährt durch den Schlamm in der Region Lugansk
Das Tauwetter im Kriegsgebiet erschwert die Fortbewegung ungemein.

Je nachdem, wie rasch sich das Tauwetter durchsetzt und ob es zwischenzeitlich noch erneute Frostperioden gibt, kann das durchaus vier Wochen oder länger dauern.

Hat die Rasputiza in der Ukraine bereits begonnen?

Nachdem es in den ersten Wochen des Krieges noch einmal extremen Frost mit Tiefstwerte unter -10 Grad und Dauerfrost am Tage gab, hat sich inzwischen mildere Luft und teils massives Tauwetter durchgesetzt und damit auch die Rasputiza.

Ob das die am Ukraine-Krieg beteiligten Truppen aufhält, bleibt jedoch abzuwarten, schließlich ist das Phänomen weder für die Ukrainer noch die Russen neu. Für die Truppen Napoleons hatte die Rasputiza während ihres Rückzugs vom 1812 gestarteten Angriff auf Russland hingegen verheerende Folgen. Ähnlich sah es für die Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg aus.

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(bal/kfb)