EU präsentiert enttäuschendes Strategie-Papier zur Methan-Reduktion

Problemgas Methan: Nicht nur ein Klimakiller, sondern auch extrem gesundheitsschädlich

Ein Kommentar von Oliver Scheel

Das Treibhausgas Methan ist ein unsichtbarer Killer. Farb- und geruchlos ist es ein Hauptbestandteil von Erdgas. Und es wirkt sich auf unser Klima etwa 25 Mal stärker aus als Kohlendioxid. Grund genug, es aus unserem Leben zu verbannen, oder? 

Die EU hat dazu getagt und ein Strategiepapier herausgebracht, was im Sinne des Klimas schlichtweg erbärmlich ist. Die Politik hatte die Chance, die Landwirtschaft als Haupttreiber des Methanausstoßes an die Leine zu nehmen. Aber einmal mehr ist das Ergebnis mutlos, halbherzig und hinterlässt riesige Fragezeichen, wie der von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen vollmundig angekündigte „Green Deal“ jemals Wirklichkeit werden soll. 

Unsere Ernährungssicherheit hängt nicht von Rindern ab

22.08.2019, Schleswig-Holstein, Noer: Mit Messgeräten auf dem Rücken liegen zwei Kühe auf einer Weide des Versuchsguts Lindhof. Die Wiederkäuer produzieren Methan, ein klimaschädliches Treibhausgas. Forscher der Universität Kiel wollen den Methan-Pro
Forscher untersuchen den Methanausstoß von Kühen - die Rinderhaltung ist ein riesiger Methanproduzent. © dpa, Carsten Rehder, reh lop

Dabei ist es eigentlich ziemlich einfach: Methan kommt zum Großteil aus der Landwirtschaft – in Deutschland zu 63 Prozent. Die Tierhaltung, vor allem die der Rinder, ist der größte Treiber, da das Klimagas im Magen von Wiederkäuern entsteht. Auch bei der Ausbringung der Gülle auf die Felder spielt Methan eine große Rolle.

Was hätte also getan werden müssen? Zum Beispiel müsste generell der Viehbestand verringert werden. Aber der neue auf sieben Jahre angelegte Plan für die Agrarpolitik sieht weiterhin vor, dass die Bauern Subventionen pro Fläche erhalten. Viel bekommt also viel – ein grundlegend falscher Gedanke, geht es doch für die Zukunft darum, bewusst mit weniger zu leben. Unsere Ernährungssicherheit hängt nicht von Rindern ab. So aber kippt die EU wieder mit riesigen Eimern das Geld auf die, die die größten Ställe haben. Und das verkauft Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) auch noch als Erfolg.

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"Eine Idee aus dem letzten Jahrtausend"

Damit steht sie allerdings ziemlich alleine da. Selbst eher konservative Medien und Verbände kritisierten den Beschluss der EU, wieder keine tragfähige Strategie zur Reduktion von Methan vorgelegt zu haben. Die „Welt“ schrieb von einer Idee aus dem letzten Jahrtausend. Und die Arbeitsgemeinschaft bäuerlicher Landwirtschaft (ABL) hält die pauschalen Flächenprämien für eine Sackgasse. Man brauche vielmehr Geld für Regelungen im Sinne einer ökologischen Landwirtschaft.

390 Mrd. Euro Agrarsubventionen sollen weiterhin weitgehend bedingungslos verteilt werden, statt damit gezielt Umwelt- und Klimaschutz in der Landwirtschaft zu fördern“, ätzte „Greenpeace“ Richtung Brüssel.

Warum aber ist Methan so gefährlich?

Hohe Ozonbelastungen können Asthma erzeugen. Und Methan spielt bei der Bildung von Ozon eine Rolle.
Hohe Ozonbelastungen können Asthma erzeugen. Und Methan spielt bei der Bildung von Ozon eine Rolle. © Getty Images/iStockphoto, Wavebreakmedia

Wie eingangs erwähnt wirkt Methan ungefähr 25 bis 28 Mal stärker als Kohlendioxid und ist damit einer der größten Treiber bei der Klimaerwärmung. Es verweilt ungefähr 10 Jahre in der Atmosphäre und gilt als Vorläuferstoff bei der Bildung von Ozon. Bodennahes Ozon ist sehr gefährlich für uns Menschen. 

Es vermindert die Lungenfunktion, verstärkt einen Hustenreiz und kann zu einer Entzündung der Atemwege bis hin zu Asthma führen. So ist Ozon nach Feinstaub das größte Problem für die menschliche Gesundheit, was Luftverschmutzung angeht. Durch Luftverschmutzung sterben in Europa jährlich 400.000 Menschen vorzeitig. Grund genug, wenigstens das Methan aus dem Spiel zu nehmen, das wir Menschen in die Atmosphäre blasen.

Und was können wir tun? Hafermilch und vegetarische Kost helfen enorm

Natürlich muss in erster Linie die industrielle Landwirtschaft verändert werden. Die Leitplanken dafür muss die Politik liefern. Mit der von Klöckner so geliebten Freiwilligkeit wird es da nicht getan sein.

Dennoch sind uns Verbrauchern nicht die Hände gebunden - wir haben durch unser Konsumverhalten großen Einfluss auf die Emissionen. Je mehr Fleisch- und Milchprodukte wir zu uns nehmen, umso höher ist unser Anteil am Methanausstoß. Alternativen sind also vegetarische Produkte und anstatt Milch zum Beispiel Haferdrink, der eine wesentlich bessere Umweltbilanz hat als Kuhmilch.

Und zum Schluss noch ein Tipp, den wirklich jeder beherzigen kann und sollte: Lebensmittelverschwendung beenden. Wir müssen aufhören, Lebensmittel wegzuwerfen. Laut Deutscher Umwelthilfe landen Produkte, die jährlich 8,5 Prozent des Methans aus der Landwirtschaft ausmachen, in unseren Mülleimern. Besonders bei Milchprodukten gilt aber: Ist das Mindesthaltbarkeitdatum abgelaufen, ist das Produkt noch lange nicht schlecht. 

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