Unwirkliches Leuchten gefährdet Ozonschicht

Perlmutterwolken: Atemberaubendes Naturschauspiel nahe dem Polarkreis

Von Henning Liss und Christian Häckl

Von ihrer letzten Expedition nach Schweden hat unsere Kamerafrau Laura Kranich es etwas ganz Besonderes mitgebracht: Unwirklich schimmernde Wolken nahe dem Polarkreis. Die Perlmutterwolken sind spektakulär, aber es gibt für Wissenschaftler noch andere Gründe, sich mit ihnen zu beschäftigen. Sie schweben auf Höhe mit der Ozonschicht, wo sie durch chemische Reaktionen Ozon abbauen. In Bezug auf die Ozonloch-Thematik spielen die schönen Perlmutterwolken also leider eine unrühmliche Rolle.

Im Klimaupdate-Video erklärt Christian Häckl, was Perlmuttwolken mit den immer öfter auftretenden Waldbränden zu tun hat.

Nur im Zentrum des Polarwirbels möglich

Es sieht ein bisschen nach kitschiger Bildbearbeitung aus, ist aber echt: In einer Höhe von 20 bis 30 Kilometern schweben Wolken und schimmern in verschiedenen Farben. Diese seltenen Wolken heißen Perlmutterwolken. Laura betont: „Die Aufnahmen zeigen schon ziemlich genau das, was man mit bloßem Auge sieht, da ist nichts übertrieben. Im Gegenteil, mit bloßem Auge sind die Perlmutterwolken eigentlich noch beeindruckender, weil ein herkömmlicher Bildschirm den enormen Helligkeitsumfang nicht reproduzieren kann. Es ist so, dass um einen herum eigentlich alles schon ziemlich dämmrig ist, aber dann stehen da diese weit entfernten Wölkchen am Horizont und leuchten hell wie ein Lampenschirm.“

Diese Wolken bilden sich im Winter in den Polregionen in einer Höhe von 20 bis 30 Kilometern bei sehr kalten Temperaturen. Zum Vergleich: Passagierflugzeuge fliegen gewöhnlich in einer Höhe von 10 bis 15 Kilometern.

Die Kamerafrau Kranich – selber auch Meteorologin – erklärt weiter: „In dieser großen Höhe können unter normalen Bedingungen eigentlich keine Wolken entstehen, dafür muss die Temperatur unter die Schwelle von -78 Grad beziehungsweise -85 Grad fallen. Das geschieht nur im Winter im Zentrum des stratosphärischen Polarwirbels, in dem die Luft über Wochen und Monate quasi in der dunklen Polarnacht gefangen ist und Wärme an den Weltraum verliert.“ Anders als gewöhnliche Wolken bestehen Perlmutterwolken aus Kristallen von Schwefelsäure, Salpetersäure und Wasser.

Lese-Tipp: Der Klimawandel verschärft das Problem mit dem Ozonloch.

Perlmutterwolken bilden sich nur in eisiger Kälte und etwa auf Höhe der Ozonschicht

Naturschauspiel am Himmel
Die schimmernde Färbung der Perlmutterwolken wirkt unwirklich, ist aber echt.

Der Erfolg der Expedition nach Schweden war nicht sicher

Auch die Fotografie von solchen Wolken ist eine Wissenschaft für sich. Teilweise hatten Laura Kranich und ihr Kamerakollege Robin Jähne acht Kameras gleichzeitig in Betrieb. Alles lief wie am Schnürchen. Laura berichtet: „Als wir vor Ort erfolgreich waren und alle Planungen bemerkenswert gut aufgegangen sind, war ich natürlich begeistert und glücklich, schließlich sind wir für die Aufnahmen fast 2000 Kilometer, mehr als 28 Stunden am Stück, (abwechselnd) gefahren und das Risiko, dass wegen tiefer Wolken oder gar Nebel nichts zu sehen gewesen wäre, war auch nicht ganz gering.“

Mehr Naturfotografie von Laura Kranich

Laura Kranich
Unsere Kamerafrau Laura Kranich in Schweden

Diese Aufnahmen sind im Dezember 2021 nahe der schwedischen Stadt Örnsköldsvik ein gutes Stück südlich des Polarkreises entstanden. Laura Kranich ist professionelle Fotografin. Zum Staunen sind beispielsweise auch ihre Aufnahmen von Polarlichtern über Kiel oder vom Meeresleuchten in der Nordsee.

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(cli/hha)