Kolonie auf dem Roten Planeten

Leben auf dem Mars: Stadt Nüwa soll den Anfang machen

Baubeginn ab dem Jahr 2054

Groß ist das, was das Wissenschaftler- und Akademikernetzwerk, SONetin Zusammenarbeit mit dem Architekturbüro Abiboo Studios entwickelt hat: eine Stadt auf dem Mars. Ein möglicher Baubeginn der Kolonie „Nüwa“ auf dem Roten Planeten ist für das Jahr 2054 oder später anvisiert. Den potenziellen Siedlerinnen und Siedlern soll es dort an nichts fehlen. Sogar Universitäten und Parks sind vorgesehen – alles nachhaltig gebaut, versteht sich.

Wie die Gebäude aussehen sollen und was noch geplant ist, sehen Sie im Video.

Der etwas andere Gebäudebau auf dem Mars

Die Stadt Nüwa soll auf und in den Berg Tempe Mensa gebaut werden.
Nüwa soll in den Berg gebaut, aber auch das Tal davor genutzt werden. Dadurch sollen die Bewohner vor dem atmosphärischen Druck und der UV-Strahlung geschützt werden. © ABIBOO Studio / SONet

Der Name Nüwa leitet sich von der Schöpfergöttin Nüwa aus der chinesischen Mythologie ab. Was das Projekt beinhaltet, kommt einer Schöpfung auch schon sehr nahe. Doch gibt es einige Schwierigkeiten zu bewältigen, die ein Bauvorhaben auf unserem Nachbarplaneten mit sich bringen.

Das größte Hindernis werden die auf dem Mars vorherrschenden, atmosphärischen Bedingungen sein. Daher wählte das mit dem architektonischen Design betraute Architekturbüro, ABIBOO Studio, die Seite einer Klippe auf dem Mars. Röhrenartig sollen dort die Behausungen und Gebäude in den Berg „Tempe Mensa“ getrieben werden.

Ein Gebäudebau wie auf der Erde ist auf dem Roten Planeten nicht möglich. „Wenn wir die Gebäude wie auf der Erde bauen, würden die Gebäude durch den Druck explodieren. Die Sonnen- und Gammastrahlung auf dem Mars zwang uns, Räume zu bauen, die dem nicht direkt ausgesetzt sind“, erklärt Alfredo Muñoz, Gründer von ABIBOO Studio.

Weitere Städte auf dem Roten Planeten geplant

Nüwa City, Abalos City, Marineris City, Fuxi City und Ascraeus City sollen auf dem Mars gebaut werden.
Fünf Städte sollen auf dem Mars entstehen. Von richtiger Nachbarschaft kann man bei ein paar Tausend Kilometern Entfernung zueinander nicht sprechen. © ABIBOO Studio / SONet (Renders by Gonzalo Rojas, Sebastián Rodriguez & Verónica Florido)

Neben Nüwa sind vier weitere Städte geplant. Abalos City, Marineris City, Fuxi City und Ascraeus City sollen nach demselben Konzept gebaut werden wir Nüwa. Die Bergkonstruktionen sind auch zum Schutz vor Meteoriten gedacht. Dafür arbeitete das Architekturbüro ganz eng mit den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern von SONet zusammen. Jede Stadt wird für eine Einwohnerzahl von 200.000 bis 250.000 ausgelegt sein.

Alle Räume sollen mit Expressaufzügen erreichbar sein, wie sie bereits jetzt in Wolkenkratzern weltweit genutzt werden. Röhrenartige Korridore verbinden Gemeinschaftsräume und auch die Flure selbst sollen dem sozialen Kontakt dienen. Die mit Pflanzen bestückten einzelnen Wohnungen haben ein Fenster mit Blick auf die Marsoberfläche.

Meist vegetarische oder vegane Ernährung auf dem Mars

Solarpanele auf dem Bergrücken von Tepa Mensa sollen die Stadt Nüwa mit Energie versorgen.
Auf dem Dach soll die Infrastruktur aufgebaut sein, die für die Energie- und Nahrungsgewinnung notwendig sind. © ABIBOO Studio / SONet (Renders by Gonzalo Rojas, Sebastián Rodriguez & Verónica Florido)

Gebaut werden soll in sogenannten Macro Buildings – Gebäude, in denen rund 4400 Menschen leben und arbeiten. Neben den Wohnungen sollen dort auch die Arbeitsplätze, Nahrungsplantagen, Grünflächen und anderen Räume zur sozialen Interaktion angesiedelt werden.

Auf dem Bergrücken sind dann Solarpanele zur Energiegewinnung aufgebaut, sowie die restliche Infrastruktur, die zur Nahrungsproduktion benötigt wird. Im Tal sind Gebäude geplant, in denen Nutztiere untergebracht sind. Allerdings sollen diese Bauwerke nicht so groß werden, da die Tierhaltung mit einem zu großen Energieverbrauch verbunden ist. Das wäre unter den Bedingungen auf dem Mars nicht machbar. Die Menschen dort werden sich also hauptsächlich vegetarisch oder gar vegan ernähren müssen. Wie Bakterien ein Leben auf dem Mars möglich machen können, erforschen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bereits jetzt.

Nachhaltigkeit wird bei Marsianern groß geschrieben

Parkanlagen in Nüwa dienen der Pflege von sozialen Kontakten.
Ein großer Pavillion, in dem Pflanzen, Menschen und Tiere zusammenleben, ist im Tal der Stadt Nüwa geplant. © ABIBOO Studio / SONet (Renders by Gonzalo Rojas, Sebastián Rodriguez & Verónica Florido)

Große Kuppelnbauten sollen im Tal platziert werden, in denen Parks angelegt werden. Diese sollen den Marsianern die Möglichkeit bieten, sich außerhalb der Wohnungen zu treffen. Schließlich ist die Marsoberfläche dazu weniger einladend. Die urbanen Gärten sollen auch den Lebensraum für Tiere und Insekten bilden.

Neben den Grünanlagen sollen auch Krankenhäuser, Schulen, Universitäten, Räume für sportliche und kulturelle Aktivitäten sowie Einkaufsviertel und Bahnhöfe (für Fahrten zu den anderen Städten) im Tal entstehen.

Beim Bau der Stadt steht immer eines im Vordergrund: Nachhaltigkeit. Schließlich kann von der Erde nicht so häufig Nachschub geliefert werden. Ein Flug zum Mars dauert in einer guten Planetenkonstellation mit den heutigen Antrieben mindestens sieben Monate. Nach einer anfänglichen Versorgung muss die Stadt also möglichst schnell in der Lage sein, alles zu recyclen, was beispielsweise an Abfall, Abwasser oder auch verbrauchter Luft anfällt.

Elektrobusse und -bahnen zwischen den Marsstädten

Pflanzen werden in Nüwa in eigens dafür angefertigten Räumen großgezogen.
Pflanzen sollen in landwirtschaftlichen Modulen mit einer CO2-angereicherten Umgebung angebaut werden. Da Menschen dort nicht atmen können, sollen alle Aufgaben, die dort anfallen, automatisiert werden. © ABIBOO Studio / SONet (Renders by Gonzalo Rojas, Sebastián Rodriguez & Verónica Florido)

Den Transport in die Höhe erledigen Hochgeschwindigkeitsaufzüge. Auf den Ebenen soll ein System aus Bussen und Bahnen aufgebaut werden, dass einzelne Stationen miteinander verbindet und auch zum Weltraumflughafen führt. Dieser liegt in einem nahe gelegenen Krater. Angetrieben werden die Transportmittel mit Elektrizität. Die Fahrten zwischen den fünf Städten erledigen dann Busse oder Züge auf asphaltierten Straßen.

Nüwa einer der Finalisten unter 175 Projekten

Ein Blick aus einer Nüwa-Wohnung auf die Marsoberfläche.
So stellen sich die Architekten von Abiboo Studios eine Wohneinheit vor - mit Pflanzen und Blick auf die Marsoberfläche. © ABIBOO Studio / SONet (Renders by Gonzalo Rojas, Sebastián Rodriguez & Verónica Florido)

Das Projekt Nüwa war einer der Finalisten unter 175 Projekten aus der ganzen Welt, die von SONet und Abiboo Studios bei der Mars Society, für deren Wettbewerb im Jahr 2020 eingereicht wurden. Die Mars Society ist eine amerikanische, gemeinnützige Organisation, die sich der Förderung der menschlichen Erforschung und Kolonisierung des Planeten Mars widmet. Die Gesellschaft hatte einen Wettbewerb ausgerufen, in dem der beste Entwurf einer Stadt auf dem Mars für etwa eine Million Menschen gekürt werden soll. Die Finalisten präsentierten ihre Vorschläge auf der Jahrestagung im Oktober vergangenes Jahr. Weitere Teilnehmer der Tagung waren unter anderem Elon Musk (Space X), George Whitesides (Virgin Galactic), Jim Bridenstine (seinerzeit noch Administrator der Nasa) oder J. Bob Balaram, dem Chef Ingeneur des Mars Helikopters Ingenuity.

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