Tiere in den Alpen unter Klimastress

Murmeltiere klettern wegen des Klimawandels immer höher

von Valerie Dörner und Christian Häckl

Viele Lebewesen in den Alpen treibt es immer höher hinaus – da sich die Bedingungen in ihrem eigentlichen Lebensraum durch den Klimawandel stark verändern. Doch so schnell, wie der Klimawandel voranschreitet, können sich viele Arten gar nicht anpassen. Besonders stark betroffen sind zum Beispiel Murmeltiere.

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Die Alpen sind das Zuhause für Tausende von Arten - doch der Klimawandel schreitet hier besonders schnell voran.

1,8 Grad seit 1970: Klimawandel ist in den Alpen stark zu spüren

In den vergangenen 50 Jahren ist die Temperatur in den Alpen im Sommer um bis zu 4 Grad gestiegen, mehr als doppelt so stark wie im weltweiten Durchschnitt. In den Tälern gibt es durch immer wärmere Sommer, seltenere Regenfälle und Hitzewellen häufigere Dürren. Gleichzeitig kommt es auf den Gipfeln der Alpenberge zu Gletscherschmelze und einer immer dünner werdenden Schneedecke. Auch Lawinen oder Geröllmuren werden immer häufiger zur Gefahr in den Tälern.

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Klimawandel schreitet schneller voran als die Anpassung daran

Viele Tiere und Pflanzen sind diesen neuen Bedingungen nicht gewachsen. Sie versuchen, sich anzupassen, um überleben zu können. Doch diese Anpassung geht nicht schnell genug voran: Laut einer Studie der Schweizer Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) müssten einige Arten in den Alpen seit 1970 im Schnitt 60 bis 70 Meter pro Dekade in die Höhe gewandert sein, um die Effekte des Klimawandels auszugleichen. Denn je höher, desto kühler – überlebenswichtig für die Tiere.

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Murmeltiere wandern immer höher

In der Realität sind die meisten Arten im gleichen Zeitraum jedoch nur 20 bis 30 Meter in die Höher gewandert – zu langsam für den Klimawandel. Steinböcke und weitere Huftiere sind laut einer anderen Studie nur etwa halb so hoch gewandert, wie sie es eigentlich gemusst hätten.

Und natürlich sind dieser Art der Anpassung auch Grenzen gesetzt. Einerseits geht es irgendwann nicht mehr weiter nach oben – andererseits gibt es in höheren Lagen neue Herausforderungen, auf die die Tiere nicht vorbereitet sind. Laut „GEO“ haben zum Beispiel die Murmeltiere in höheren Lagen Probleme, sich noch tiefe Winterhöhlen zu graben. Der Boden ist dafür einfach nicht geeignet.

Ein Murmeltier in den Alpen
Für Murmeltiere wird das Höhlenbauen in höheren Lagen immer schwieriger.

Alpines Ökosystem könnte aus dem Gleichgewicht geraten

Laut der Studie der WSL beeinflusst aber auch der immer früher kommende Frühling die Pflanzen und Tiere in deren Lebensweise. So haben einige Pflanzen, Reptilien, Zugvögel und an Land lebende Insekten ihre Aktivitäten im Frühjahr um durchschnittlich zwei bis acht Tage pro Jahrzehnt vorverlegt. Andere Vögel sowie Amphibien und Wasserinsekten haben sich hingegen nicht beeinflussen lassen.

Das komplexe Ökosystem der Alpen ist allerdings fein aufeinander abgestimmt – und es könnte zum Problem werden, wenn einige Arten sich zeitlich den Jahreszeiten anpassen, während andere es nicht tun.

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(vdö)