Unnötige Kurzflüge

Warum Reisen in Privatjets zu den größten Umweltsünden zählen

von Karim Belbachir & Bernd Fuchs

Das Aufkommen der Flüge in Privatjets steigt in Deutschland. Gerade diese gelten jedoch als besonders klimaschädlich. Bisher ist nicht geplant, sie in eine mögliche Kerosinbesteuerung einzubinden. Unverständlich, da in Deutschland mit Privatjets oftmals Strecken geflogen werden, die auch mit der klimafreundlicheren Bahn zurückgelegt werden könnten.
Im Video: Bernd Fuchs erklärt im Klima Update das Problem mit den Privatjets
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Flugaufkommen steigt wieder an

Das Flugaufkommen der Airlines hat sich zwar bei weitem noch nicht wieder von der Corona-Pandemie erholt, aber trotzdem steigt die Anzahl der Flüge wieder. Momentan liegen wir bei 87 Prozent der Flüge im Vergleich zum Jahr 2019 wie die Europäische Organisation zur Sicherung der Luftfahrt, Eurocontrol, ausgewertet hat. Das bezieht sich auf die Woche vom 16. Bis zum 22 Februar 2023. Es ist aber eine Steigerung von 22 Prozent im Vergleich mit derselben Woche ein Jahr zuvor.

Die Gruppe hat einzelne Sparten betrachtet wie Transport-, Charter-, Regional- oder eben Businessflüge. Der Bereich Business, also Privatjetflüge, und Cargo (Transport) sind die einzigen die europaweit gesehen durchgehend über den verglichenen Zeitpunkten im Vorcoronajahr 2019 liegen. In Deutschland gab es im Jahr zwar einen Einbruch, doch stieg die Anzahl der Privatjetflüge seitdem wieder. Die Business-Jet-Flüge sind Klimaschützern ein Dorn im Auge, da der CO2-Ausstoß der einzelnen Passagiere dort ungleich höher liegt, als bei üblichen Linienflügen.

Keine Kerosinsteuer geplant

Privatjet steht am Flughafen
Passagiere eines Privatjets haben einen wesentlich größeren ökologischen Fußabdruck.

Real World Visuals hat Daten zu Flügen gesammelt, die wir zur Verdeutlichung mal heranziehen wollen. So verbraucht ein Passagier auf einem Flug in einem Jumbojet zwischen London und New York rund 570 Kilogramm CO2. Das Ganze bei einer Auslastung des Fluges von 84 Prozent. Zum Vergleich ist der ökologische Fußabdruck eines Fluggastes im Privatjet bei 25.000 Kilogramm CO2.

Erstaunlich ist dabei, dass Privatjets im EU-Emissionshandelssystem, EU EHS, ausgenommen sind und aktuell nicht besteuert werden und auch zukünftig nicht geplant ist, dies zu tun. Dabei ist es doch gerade diese Gruppe, die es sich leisten könnte. Flüge, die nicht geschäftlich sind sollen von einer Kerosinsteuer ausgenommen bleiben. Das sind also Freizeitflüge, die zum eigenen Vergnügen getätigt werden.

Freizeitflüge von weniger als 500 Kilometern

Sylt-Flughafen
Ein Flugzeug steht auf der Nordseeinsel Sylt in Tinnum (Schleswig-Holstein) neben dem Flughafengebäude.

Das ist deshalb so bemerkenswert, da rund 75 Prozent der in Deutschland startenden Flüge eine Strecke von weniger als 500 Kilometern haben und nicht selten nach Sylt oder Berlin gingen. Bei den längeren Strecken sticht das Ziel Mallorca hervor. Mit solchen Ausnahmen wird es natürlich schwierig, die selbst gesetzten Ziele zu erreichen. Strecken von weniger als 500 Kilometern sind doch eigentlich prädestiniert für eine Bahnfahrt.

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(kfb, bfu)