Schädlich wie ein jährlicher Flug nach Spanien

Hund und Katze: So schlecht sind unsere Haustiere für das Klima

von Oliver Scheel

„Ein Leben ohne Mops ist möglich, aber sinnlos.“ Einer der berühmten Sätze des großen deutschen Komikers Loriot, den Millionen Hundebesitzer wahrscheinlich sofort unterschreiben. Nun ist der Hund seit Tausenden von Jahren des Menschen bester Freund. Aber er ist als Fleischfresser tatsächlich eine ordentliche Belastung für das Klima. Die Zahlen sind leider ziemlich bedrückend. Wer sich jetzt freut, weil er oder sie eine Katze hat: Nein, das macht keinen großen Unterschied. Der CO2-Pfotenabdruck von Hasso und Bello ist enorm. Und: Die Zahl der Hunde hat sich in den vergangenen 20 Jahren glatt verdoppelt.

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Hunde sind halt nun einmal Fleischfresser - mit allen negativen Folgen

Die vierjährige Havaneser-Hündin Mojito springt durch den Schnee im Hofgarten in München. In der Corona-Pandemie haben sich mehr Menschen als sonst einen Hund angeschafft.
Süßer geht nicht - ist ja klar. Aber Hunde sind leider ein Faktor im Klimawandel.

Hunde fressen Fleisch. Dafür können sie nichts, aber es ist in Zeiten des Klimawandels leider ein Faktor. Denn es gibt viele Hunde, sehr viele. Mittlerweile leben in Deutschland weit mehr als 10 Millionen Hunde. Und diese Hunde fressen im Laufe ihres Leben tonnenweise Fleisch. Es ist natürlich meist Billigfleisch aus Massentierhaltung. Für Massentierhaltung wird Urwald gerodet, um Kraftfutter anzubauen. Darüber hinaus ist Massentierhaltung natürlich sehr schädlich für unser Grundwasser durch Nitrat- und Ammoniak-Einträge. Und die in der Tierhaltung genutzten Tiere stoßen Unmengen an klimaschädlichem Methan aus.

So ist ein durchschnittlicher Hund für etwas weniger als eine Tonne CO2 im Jahr verantwortlich. Das ist ungefähr die Menge, die ein Passagier auf einem Flug von Deutschland nach Spanien verursacht. Ketzerisch gesagt: „Wenn jemand zur Demonstration für mehr Klimaschutz mit einer 50-Kilo-Dogge geht und dann den Stopp von Kurzstreckenflügen verlangt, ist das eine Doppelmoral.“ Dies sagte Matthias Finkbeiner, Leiter des Instituts für technischen Umweltschutz der TU Berlin, der Deutschen Presse-Agentur. Finkbeiner untersuchte die Ökobilanz eines Durchschnttshundes.

Sie wollen Ihr Haustier nicht mehr? Das können Sie tun – bloß nicht einfach aussetzen

Hunde-Urin verändert die Vegetation, 15,7 Mio. Katzen in Deutschland

Auch diese Bengalkatze ist ein Jäger - und somit ein Fleischfresser.
Die Klimabilanz von Katzen ist kaum besser als die von Hunden.

Hunde belasten die Umwelt aber nicht nur durch ihr Fressen, sondern auch durch die Ausscheidungen. Vor allem der Urin der Hunde bleibt nicht folgenlos: Wo viele Hunde leben, ändert sich tatsächlich die Vegetation. Ein Hund lässt im Laufe seines Lebens ungefähr 2.000 Liter Urin freien Lauf. Da der voller Stickstoff ist, hinterlässt er Spuren. Es verschwinden nämlich die Pflanzen, die Stickstoff nicht gut vertragen. Dagegen liebt zum Beispiel die Brennnessel den Stickstoff. Wenn am Wegesrand viel Brennessel steht, wissen Sie also warum.

Nun zur Katze: Die Katze frisst weniger als ein Hund und scheidet weniger aus. Aber bei Katzen fallen mehr Abfälle wie Katzenstreu an. Und: Es gibt in Deutschland ungefähr 15,7 Mio. Katzen: „Bei den Haustieren ist es faktisch ein Mengenproblem“, sagt Michael Bilharz vom Umweltbundesamt. Die Katze ist ein Jäger: „Wenn ich in dichter Wohnbebauung mit 400 Wohnungen in jeder fünften eine Katze habe und die alle durch den Hinterhof streifen und auf Jagd gehen, dann haben wir nicht nur ein Klimaschutzproblem, sondern dort bald auch keine Vögel mehr.“

Es hilft schon, zur Brutzeit der Vögel die Katze für einige Wochen nicht vor die Tür zu lassen.

Das kann jeder Besitzer und jede Besitzerin tun

In Deutschland gibt es mehr als 10 Mio. Hunde.
Viele haben ja auch mehr als einen Hund. Hier stellt sich die Frage: Muss das sein? Und klar wollen alle Kinder einen Hund. Aber reicht es nicht, wenn sie zweimal pro Woche mit dem Hund des Nachbarn Gassi gehen?

Der Veganer, der einen Hund hat, hat seine CO2-Einsparung durch den Hund also wieder verloren. So einfach ist das. Es geht aber ja wie so oft im Leben um das rechte Maß. Hunde sollen ja nicht verboten werden. Nur: Wer fliegt, ein SUV fährt und sich einen großen Hund leistet, der lebt eben weit über dem, was wir der Erde zumuten können. Vielleicht sollten sich diese Menschen fragen, ob sie auf eine Sache verzichten können?

Viele Deutsche haben ja auch zwei Hunde oder drei Katzen. Auch hier gilt: Weniger ist mehr. Vielleicht tut es ja für die Kinder auch der Hund des Nachbarn, mit dem die Kleinen zweimal pro Woche spielen können.

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Ein kleiner Hund verursacht auch weniger CO2 als ein großer – er frisst einfach weniger und scheidet viel weniger aus. Und beim Futter hilft es, wenn der Hund mehr Trockenfutter erhält. Um die geschlachteten Tiere auch voll zu verwerten, könnten dem Hundefutter Tierprodukte untergemischt werden, die der Mensch nicht isst. Dies sind etwa die Lunge der Kuh oder der Euter. Auch Insekten taugen als Proteinquelle.

Der Kot der Hunde trägt natürlich zur Verschmutzung von Gewässern bei. Wenn Herrchen und Frauchen ihn einsammeln ist der Umwelt gedient, denn verbrannt hinterlässt er weniger Spuren – vor allen Dingen an den Schuhen Unbeteiligter.

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(osc)