Die Pegel fallen, die Gefahr bleibt

Hochwasser-Alarm im Westen Deutschlands: So entwickeln sich die Pegelstände

Unterspülte Häuser drohen einzubrechen

Die Hochwasserlage in weiten Teilen von Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen bleibt dramatisch. Die Pegelstände sinken zwar wieder, es kommt eigentlich kein Regen nach, aber: Besonders die Auswirkungen der regelrechten Sintflut in Form von unterspülten und damit einsturzgefährdeten Gebäuden sind weiterhin sehr gefährlich. Und das Wasser ist längst noch nicht komplett abgelaufen.

Oben im Video: Köln bereitet sich auf Hochwasser vor

Die Pegel fallen, die Gefahr bleibt

Meteorologe Martin Pscherer schätzt die Lage so ein: „An den kleineren Flüssen fallen die Pegel zwar langsam, sind aber teilweise noch auf hohem Niveau über Meldestufe 3. Generell ist die Lage vor allem brisant in den Gebieten, in denen Dämme brechen können oder schon gebrochen sind und in den Gebieten, in denen Häuser und Straßen noch auf weichen durchnässten Böden stehen und unterspült werden und einstürzen können.“

Regen und Gewitter in Deutschland

Der Schwerpunkt kräftiger Regengüsse und Gewitter verlagert sich jetzt in die Südosthälfte des Landes. Heute Nachmittag sind vom Bodensee bis ins südliche Brandenburg stellenweise kräftige Gewitter mit Gefahr von Starkregen zu erwarten, örtlich auch Hagel und Sturmböen. Besonders gefährdete Regionen sind Sachsen, das Alpenvorland und die Alpen.

In der Nacht auf Sonntag klingen die Regengüsse und Gewitter in Sachsen allmählich ab, Schwerpunkt sind am Sonntag die Alpen.

In Sachsen und speziell im Erzgebirge kommen voraussichtlich 40 bis 80 Liter pro Quadratmeter zusammen (mit einzelnen höheren Spitzen). Am meisten fällt bis Sonntagmittag und Abend am Alpenrand zwischen Karwendel / Zugspitze und Berchtesgadener Land mit 50 bis 100 Litern, und das teilweise auch innerhalb weniger Stunden. Lokal sind auch bis 150 Liter nicht ausgeschlossen. Bei solchen Regenmengen muss auch hier mit extremer Unwettergefahr durch Überschwemmungen, anschwellender Flüsse und Erdrutsche gerechnet werden, zumal die Wassermassen durch die Berglage zu reißenden Sturzfluten werden können und tiefer gelegene Gebiete zusätzlich fluten! Dies wäre aber der schlimmste Fall, es gibt auch Wettermodelle, die von Regenmengen unter 100 l/m² ausgehen.

Von Rur und Erft drohen die größten Gefahren

Hochwasser-katastrophe in Nordrhein-Westfalen: Wasser spült Wiesen und Felder weg.
Das Wasser hat in Erftstadt-Blessem den Lössboden mit voller Wucht weggeschwemmt © dpa, Rhein-Erft-Kreis, aus gfh

Es sind die kleinen Flüsse aus der Eifel, die jetzt immer noch die größten Sorgen bereiten. Der Damm der Rur ist nach der Unwetterkatastrophe gebrochen. Die Rur wird weiter von der überlaufenden Rurtalsperre gespeist und kann in ihrem weiteren Verlauf Probleme bereiten.

Die Erft kann in der Ebene rund um Erftstadt nicht schnell genug ablaufen. Das Wasser kann so immer weiter Straßen und Häuser unterspülen, wenn auch nicht mit der Kraft der Tage zuvor. Trotzdem sind die Gefahren dort nicht zu unterschätzen.

Bei Glesch liegt die Erft bei zwischen Meldestufe 2 und 3, bei Bliesheim über Meldestufe 1 der Pegel bei Gymnich liegt stabil bei 2m.

Video: Rurtalsperre hat die Schleusen geöffnet

Mosel: Wasserstand fällt

Die Mosel bei Trier fällt inzwischen wieder. Zwischenzeitig war der Wasserstand auf 9,34 Meter angestiegen. Der absolute Höchststand liegt allerdings bei 11,28 Metern (Weihnachtshochwasser 1993). Bei Cochem ist der Pegelstand am Samstag bei 6m angekommen, in Trier bei 7m und ist weiter fallend.

Auch Sauer und Saar, die in die Mosel münden, haben sinkende Wasserstände.

15.07.2021, Nordrhein-Westfalen, Trier: Personen werden mit einem Bagger und einem Boot aus einem überfluteten Teil der Stadt gerettet. Foto: Sebastian Schmitt/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Rettung mit Bagger und Boot in Trier. © dpa, Sebastian Schmitt, sb

Rhein: Nicht dramatisch

Am Rhein hat in Köln seinen Scheitelpunkt erreicht und fällt jetzt wieder. Die Rheinuferpromenade steht in Köln nun unter Wasser, aber größere Probleme wird es nicht geben. Alle zwei Jahre kommt es zu diesen Wasserständen in Köln.

Bei Maxau liegt der Scheitelpunkt bei 870cm und fällt dann weiter. Bei Worms erreicht der Rhein seinen Scheitelpunkt am Sonntag bei 8,30m, bei Mainz ist es am Montag soweit, dort wird der Höchststand mit 6m erreicht.

Jahrhunderthochwasser in Hattingen an der Ruhr - nun Entwarnung

 Hochwasser an der Ruhr, nach langen heftigen Regenfällen trat der Fluss aus dem Bett und überschwemmte die Landschaft und Ortschaften, der höchste Pegelstand, der je gemessen wurde, Hattingen, NRW, Deutschland Ruhr Hochwasser *** Flood at the Ruhr,
Hochwasser an der Ruhr, nach langen heftigen Regenfällen trat der Fluss aus dem Bett und überschwemmte die Landschaft und Ortschaften. © imago images/Jochen Tack, Jochen Tack via www.imago-images.de, www.imago-images.de

Die Ruhr bei Hattingen hatte am Donnerstag gegen 10 Uhr mit 6,98 Meter einen historischen Höchststand. Der Pegel lag fast einen Meter über dem bisherigen höchsten Hochwasser vom 1. Januar 1994 (6,04 Meter). Aktuellliegt der Pegel bei 4,75m und fällt weiterhin.

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(ctr)