Rettet Solarthermie meine heiße Dusche?

Photovoltaik: Kann Solarenergie meine Heizkosten reduzieren?

von Oliver Scheel

Seit die Heizkosten durch die Decke gehen, blicken auch viele Menschen auf Sonnenenergie, die sich vorher damit nicht wirklich beschäftigt haben. Welchen Beitrag kann ein Solarpaneel auf dem Dach leisten? Und was ist mit Solarthermie? Ist die Warmwasser-Versorgung damit halbwegs sichergestellt? Was ist mit den Kosten? Und was bringt mir ein sogenanntes Balkonkraftwerk und muss ich das anmelden? Hier ein kleiner Überblick über die wichtigsten Fragen.

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Was bringt eine Photovoltaik-Anlage auf dem Dach?

Photovoltaikanlage
Mit einer solchen Anlage können Sie auch ohne Stromspeicher rund 30 Prozent ihres Stroms produzieren und darüberhinaus noch Strom ins Netz einspeisen.

Mit Pho­to­vol­ta­ik ­al­leine ist es kaum möglich, den kompletten Strombedarf zu decken. Schließlich scheint die Sonne ja nicht rund um die Uhr. Aber je nach Größe können bis zu 30 Prozent des Bedarfs durch eigenen Solarstrom erzielt werden.

Wie viel Strom produziere ich denn ungefähr? Eine Faustregel lautet, dass für ein 1 kwp (Kilowatt-Peak ist die Einheit für die Leistung einer Photovoltaikanlage) etwa 10 Quadratmeter Dachfläche erforderlich sind. Gehen wir davon aus, dass ein 4-Personen-Haushalt etwa 4.000 Kilowattstunden Strom im Jahr benötigt, dann könnte man mit 40 Quadratmetern Dachfläche den Eigenbedarf decken. Theoretisch, denn in der Praxis scheint die Sonne nicht 24 Stunden und sie würden einen Energiespeicher zusätzlich benötigen.

Wichtig für die Energieerzeugung ist die Ausrichtung des Daches nach der Sonne. Dabei muss nicht unbedingt das Dach eine Südrichtung haben. Auch West- und Ostseite sind gut geeignet. Denn: Die Zeiten, in denen am meisten Strom benötigt wird, sind die Abend- und Morgenstunden. Dann also, wenn die Sonne im Osten bzw. im Westen steht. Die Anlage sollte zwischen 30 und 40 Grad Neigung aufweisen.

Und: Eine Solarstromanlage erzeugt den meisten Strom in den Mittagsstunden. Der dann entstehende Strom-Überschuss kann ins Stromnetz eingespeist werden, wofür man eine Vergütung erhält. Die ist allerdings sehr niedrig. Trumpf ist also der Eigenverbrauch. Je mehr, desto besser. Denn die Einspeisungsvergütung liegt weiter unter dem Preis, den man bezahlen muss, wenn Strom gekauft wird.

Mit einem eigenen Stromspeicher können Sie den Eigenverbrauch in die Höhe treiben. Der speichert eben den Strom und stellt ihn zur Verfügung, wenn kein Strom vom Dach fließt. Mit einem Speicher können Sie etwa 60 bis 80 Prozent des eigenen Strombedarfs decken.

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Und die Kosten?

Um es gleich deutlich zu machen: Es dauert sehr lange, bis die Anlage sich rechnet. Die Investition ist groß und Strom war lange Zeit sehr günstig. Das ändert sich nun aber und je nachdem wie schnell und wie hoch der Strompreis in der Zukunft steigt: Die Erneuerbaren werden eher billiger als teurer. Das heißt, der Zeitraum, bis die Investition Rendite abwirft, mag sinken.

Und: sie tun etwas für die Umwelt und das Klima – in diesen Zeiten ein nicht zu unterschätzender Nebeneffekt. Je nach Quelle liegen die Kosten derzeit ungefähr zwischen 1.200 und 1.800 Euro plus Mehrwertsteuer pro Kilowatt Leistung. Dabei sind größere Anlagen rentabler als kleine.

Wenn Sie einen Batteriespeicher installieren wollen, gibt es da auch Fördermöglichkeiten. Oft hängt an den Fördermitteln die Bedingung, dass Sie den überschüssigen Strom einspeisen müssen. Das ist je nach Kommune und Bundesland verschieden.

Fakt ist: Auch wenn Sie nicht den kompletten Heizwärmebedarf mit Photovoltaik decken können, sparen Sie dennoch wenigstens teilweise Kosten ein. Natürlich stehen dem zunächst Investitionskosten entgegen. Jede Kilowattstunde, die sie selbst nutzen, spart Geld. Denn Sie produzieren den Strom für etwa ein Drittel des derzeitigen Preises.

Was ist mit Solarthermie?

Solarthermie Module auf einem Wohnhaus Dach unter Gewitterwolken.
Solarthermie kann einen erheblichen Teil des Warmwassers beisteuern. Und das macht unabhängig vom Gas.

Kann ich mit Solarthermie wieder länger ohne schlechtes Gewissen duschen? Ja, schon. Vor allem bei der Warmwasserbereitung kann eine Anlage ungefähr 50 Prozent der Energie für das heiße Wasser liefern. Im Sommer kann die Anlage auch 100 Prozent liefern, weil die Sonneneinstrahlung sehr hoch und intensiv ist. Im Winter ist die Einstrahlung eben nur gering.

Am besten wird die Solarstromanlage mit einer Wärmepumpe gekoppelt. So können Sie tatsächlich weitgehend unabhängig vom Gas werden.

Und was kostet mich das?

Auch hier liegen die Kosten bei etwa 1.000 Euro pro Quadratmeter Kollektorfläche. Angenommen werden oft zwei bis drei Quadratmeter pro Person.

Unter dem Strich werden Sie weder mit einer Photovoltaik- noch mit einer Solarthermieanlage auf dem Dach reich. Aber Sie können je nachdem ob Sie zusätzlich einen Batteriespeicher verwenden oder gekoppelt mit einer Wärmepumpe arbeiten nahezu energieautark werden. Doch auch ohne Speicherbatterie oder Wärmepumpe reduzieren Sie Ihre Kosten und Sie speichern überschüssigen Strom ins Netz ein. Durch diese Vergütung rechnet sich nach einem längeren Zeitraum Ihr Investment.

Mit anderen Worten: Ja, sie reduzieren die Heizkosten langfristig gesehen. Wenn Sie für eine Photovoltaikanlage oder Solarthermie jetzt keinen Kredit aufbringen müssen, können Sie nach Installation sofort die Heizkosten reduzieren.

Und bedenken Sie immer: Jede Menge Gas, die nicht verbrannt wird, hilft unserem Klima.

Tipp: Balkonkraftwerk ohne Anmeldung

Deutschland ist ein streng reguliertes Land und leider ist es nicht möglich, ohne bürokratischen Aufwand sich selbst mit Sonnenenergie zu versorgen. Eine Anlage bis zu 600 Watt Peak Spitzenleistung dürfen Sie aber ohne viel Bürokratie errichten. Anmelden sollten Sie die Anlage aber bei ihrem Netzbetreiber.

Man nennt diese Anlagen oft „Balkonkraftwerk“. Sollten Sie Mieter sein, auf jeden Fall mit dem Vermieter und der Hausgemeinschaft sprechen. Die Anlagen werden meist als Komplettpaket angeboten. Der Anschluss erfolgt über eine normale Steckdose.

Was bringt es: Ein Balkonkraftwerk von 600 Watt Peak bringt in etwa 550 Kilowattstunden im Jahr. Bei einem durchschnittlichen Verbrauch von 4.000 Kilowattstunden ist das schon ein ordentlicher Batzen von fast 15 Prozent.

Kosten: Sie müssen mit Kosten zwischen 500 und 1.000 Euro rechnen, je nachdem ob Sie es selbst anbringen oder anbringen lassen. Nach knapp fünf Jahren sollte sich die Anschaffung amortisiert haben. Steigen die Strompreise weiter, auch schneller. UND: Denken Sie immer daran, dass Sie der Umwelt Gutes tun, wenn Sie Photovaltik in irgendeiner Form verwenden.

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(osc)