Einfache Anleitung zum Selberrechnen

Gas und Heizkosten sparen: Was nutzen 20 statt 22 Grad wirklich?

von Claudia Träger

Noch ist das Wetter gnädig und beschert Deutschland einen milden Herbst. Im Oktober fiel es leicht, Gas und Heizkosten zu sparen. Wenn es nun aber doch kälter wird und an den Thermostaten gedreht wird: Was nützen da 1 oder 2 Grad weniger in der Wohnung? Eine Erklärung und Anleitung zum individuellen Selberrechnen.

Im Video: Kleiner Dreh kann Heizkosten senken – genial

Heizkosten sparen: Es hängt von der kalten Jahreszeit ab

Der Gasverbrauch von Privathaushalten hängt vor allem von einem ab: von der Außentemperatur. Denn würde man nicht heizen, wäre es drinnen bald so kalt wie draußen. Das will man im Herbst und Winter aber nicht. Die Gasheizung muss also ran und die gewünschte Innenraumtemperatur – sagen wir mal 22 Grad – herstellen. Ist der Unterschied von draußen zu drinnen groß, muss die Heizung viel Energie aufbringen und viel Gas verbrennen. Ist die Differenz klein, reicht schon wenig Einsatz.

Monatlicher Gasverbrauch und Außentemperatur

Die Grafik zeigt den Gasverbrauch verglichen mit der Außentemperatur.
Abgebildet wird der Verbrauch der Jahre 2022 und 2021 sowie der Durchschnittsverbrauch aus den Jahren 2018-2021. Die Kurven bilden die monatlichen Durchschnittstemperaturen ab.

Die Grafik zeigt sehr gut die Abhängigkeit des Gasverbrauchs von Privathaushalten und Gewerbekunden von der Außentemperatur: Im relativ kalten Februar 2021 mit einer Durchschnittstemperatur von 1,8 Grad war der Gasverbrauch deutlich höher als im sehr milden Februar 2022, der im Mittel 4,3 Grad zu warm war.

Beispiel Oktober: So viel konnte Deutschland sparen

Die Grafik zeigt die eingesparte Energie dank des Warmen Oktobers.
Oktober 2021 und 2022 im Vergleich: Die Kurven zeigen die Tagesmitteltemperaturen, die Balken die Differenz der Energie, die nötig ist, um die Raumtemperatur auf wohlige 20 Grad zu heizen.

Auch der Oktober 2022 war ungewöhnlich warm. Es wurden stellenweise Temperaturen mehr als 28 Grad gemessen. Da war das Heizen tagsüber oft gar nicht nötig. Die Energie, die nötig war, um bei unterschiedlichen Tagesdurchschnittstemperaturen die Wohnung 20 Grad warm zu bekommen, fiel fast alle Tage niedriger aus als im Oktober 2021. 19 Prozent der Energie konnten so im Vergleich zum Vorjahres-Oktober gespart werden.

Lese-Tipp: Oktober 2022 mit neuem Wärme- und Temperaturrekord

Gas konnte zwar gespart werden, aber kein Geld. Denn die Preisentwicklung frisst die Differenz in der Außentemperatur locker auf: Laut Verivox-Verbraucherpreisindex kostete eine Kilowattstunde Gas im Oktober 2022 durchschnittlich 20,53 Cent. Im Oktober 2021 belief sich der Preis noch auf 7,01 Cent.

Monatlicher Verbraucherpreisindex für Erdgas (2015=100)

Monatlicher Verbraucherpreisindex für Erdgas (ohne Umlage) in Deutschland von September 2020 bis September 2022
So haben sich die Gaspreise in Deutschland im Vergleich zum Jahr 2015 entwickelt.

Raumtemperatur senken - so viel Gas können Sie sparen

Auf die Außentemperatur hat die und der Einzelne keinen Einfluss, wohl aber auf die Raumtemperatur in den eigenen vier Wänden. Wenn man da mit 20 statt 22 Grad auskommt, ist eine Ersparnis sicher. Nur wie hoch fällt die aus?

Eine – wirklich – einfache Beispielrechnung:

  • In den Jahren 2018 bis 2022 lag die Durchschnittstemperatur im Januar bei rund 2 Grad. Nehmen wir diese also als Außentemperatur.
  • Für eine 22 Grad warme Wohnung, muss die Heizung 20 Grad dazu liefern, um den Ausgleich zur Temperatur draußen zu schaffen
  • Für eine 20 Grad warme Wohnung, muss die Heizung nur 18 Grad dazu liefern. Das sind also zwei Zwanzigstel, also ein Zehntel, also 10 Prozent weniger.

Ohne Gas und Öl geht nicht viel in Deutschland

Die Grafik zeigt den Anteil der Energieträger beim Heizen des Wohnungsbestandes in Deutschland.
Jede zweite Heizung in Deutschland wird mit Gas betrieben - und ist dadurch direkt von steigenden Gaspreisen betroffen.

Wohnung 2 Grad kälter: Wieviel Euro und Cent werden gespart?

Klar, die Rechnung ist ziemlich vereinfacht. Verfeinert werden kann sie z.B. durch Faktoren wie Heizdauer (nachts bleibt die Heizung vielleicht inzwischen aus), tagesgenaue Außentemperaturen, unterschiedliche Raumtemperaturen, Dämmzustand der Wohnung. Aber wer kann und will das schon?

Fehlt also nur noch das Preisschild für die Ersparnis. Dazu muss die Ersparnis in Prozent mit den geschätzten Heizkosten multipliziert werden. Dazu ist die Angabe des individuellen Gaspreises notwendig und der Verbrauch des Vorjahres ein guter Anhaltspunkt.

Der Heizspiegel 2022 geht davon aus, dass für eine durchschnittliche 70 Quadratmeter große Wohnung mit Gasheizung in diesem Jahr rund 550 Euro (+ 67 Prozent) mehr fällig werden als im Jahr 2021. So würden am Ende 1.370 Euro auf der Rechnung stehen. Bei einer 10 prozentigen Ersparnis könnten also immerhin 137 Euro gespart werden.

Den enormen Anstieg des Gaspreises mit Sparen zu kompensieren, ist allerdings eine echte Herausforderung

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(ctr)