Grund für Extremwetter: Im Jetstream herrscht Stau

Der Jetstream: Globaler Ausgleich zwischen Hochs und Tiefs
Der Jetstream: Globaler Ausgleich zwischen Hochs und Tiefs Animation der NASA 00:27

Extremwetterlagen nehmen zu

In der oberen Troposphäre oder der unteren Stratosphäre, in Höhen zwischen etwa 8.000 und 12.000 Metern, mäandert der Jetstream über der Erde. Ein Starkwindfeld, der durch die Temperatur-Gegensätze zwischen Äquator und den Polen entsteht und unser Wetter bestimmt, je nachdem, ob die Luftmassen darin aus dem Norden oder aus dem Süden kommen. Das hat bisher recht ausgeglichen und ruckelfrei funktioniert. In letzter Zeit aber nicht. Die Wellen der Strömung bleiben immer öfter hängen, die Amplituden werden größer oder der Jetstream verlagert sich insgesamt. Extremwetterlagen sind die Folge: Hitze- oder Kältewellen, besonders niederschlagsreiche oder trockenen Phasen, lang anhaltende Sturmlagen.

Klimawandel verschiebt Luftströmungen

Forscher der Universität von Chicago haben nun mit mathematischen Gleichungen herausgefunden, dass es im Jetstream, ähnlich wie auf der Autobahn, zu Staus kommt, wenn die Kapazität des Streams überschritten wird. Zu viele Autos auf einer Straße: Stau! Zu viel „Wetterverkehr“: Blockade im Jetstream. "Der Klimawandel verschiebt wahrscheinlich die Luftströmungen des Jetstreams nahe an dessen Kapazitätsgrenze", berichten die beiden Autoren der Studie, Noboru Nakamura* und Clare S. Y. Huang im Fachmagazin „Science“. Deswegen werde die Frequenz der Blockadeereignisse höher.

Den Forschern war wichtig, den Mechanismus herauszufinden, der zu den Blockaden führt. Ihre  aufgestellte Gleichung ist eben der ganz ähnlich, mit der Verkehrsexperten die Bildung von Staus beschreiben und auch vorhersagen. "Weil es keine überzeugende Theorie darüber gab, wie sich die Blockaden bilden, war es auch extrem schwer, solche Ereignisse vorherzusagen", erklärt Nakamura. Das könnte sich nun ändern, wenn sich die Erkenntnisse der Forscher als richtig erweisen.