Welche Auswirkungen hätte er heute?

Hinweise auf massiven Sonnensturm vor 9200 Jahren entdeckt

von Karim Belbachir

Forscher der schwedischen Universität Lund haben in Grönland Hinweise für einen extremen Sonnensturm gefunden, der sich vor 9.200 Jahren ereignete. Solche massiven Ereignisse würden die Erde innerhalb von wenigen Stunden lahm legen. Vor allem wenn sie wie dieser Sturm außerhalb der Zeit des maximalen Sonnenfleckzyklus’ passieren.

Erde 2012 nur knapp einem massiven Sonnensturm entronnen

FILE - HANDOUT - The upper one of a pair of new, solar active regions that just rotated into view of SDO offered a beautiful profile view of cascading loops spiraling above it (Jan. 15-16, 2012) following a solar flare eruption. These loop structures
Ein massiver Sonnensturm hat die Kraft alle wichtigen Elektrogeräte der Erde zu zerstören.

Wir leben in einem fragilen System, ausgestattet mit allerlei Elektronik. Wir sind zum größten Teil abhängig von unseren elektrischen Geräten. Zuhause werden beispielsweise Lebensmittel im Kühlschrank konserviert, im Winter wird teilweise mit Elektroheizungen gewärmt, aber auch laufendes Wasser wird mit Elektronik gesteuert. Aber auch außerhalb der eigenen vier Wände sind wir auf ein einwandfreies Elektrosystem angewiesen. Ampeln, Licht und auch Fahrzeuge brauchen Strom, um zu funktionieren. Ein massiver Sonnensturm würde dieses System innerhalb weniger Stunden außer Betrieb setzen. Kurz nachdem Satelliten ihn entdecken, werden sie wohl ausfallen.

Im Jahr 2012 (23. Juli) entging die Erde nur knapp einem solchen Ereignis, wie Wissenschaftler der NASA 2014 bekannt gaben. Man spricht dabei von einem Carrington-Ereignis – benannt nach dem britischen Astronom Richard Christopher Carrington. Dieser hatte 1859 den letzten extremen Sonnensturm beobachtet. Seinerzeit gab es noch nicht soviel Elektronik wie heute. Allerdings wurden Telegrafenleitungen massiv gestört. Polarlichter waren sogar noch bis nach Rom zu sehen. Es wird vermutet, dass die Erde alle 500 Jahre von solch einem Ereignis getroffen wird. Der Schaden wäre immens und läge im Bereich mehrerer Billionen Euro. Die einzige Chance Elektrogeräte davor zu schützen, liegt darin, sie vom Netz zu nehmen.

Hinweise auf extremen Sonnensturm vor 9.200 Jahren

Zur arte-Sendung am 01. Dezember 2005 um 19.00 Uhr, Grönland - Das grüne Land. See in Grönland. © Hans Strand, Foto: WDR. Honorarfreie Verwendung nur im Zusammenhang mit genannter Sendung und bei folgender Nennung "Bild: Sendeanstalt/Copyright". Ande
Das Forscherteam um Raimund Muscheler entnahm auch in Grönland einen eisigen Bohrkern.

Klingt erst mal nicht so dramatisch, allerdings sind beispielsweise auch Beatmungsgeräte in Krankenhäusern am Netz angeschlossen. Es hängen womöglich also Menschenleben davon ab, ob und wie wir darauf reagieren. Solche Sonneneruptionen kommen hauptsächlich während des Maximums des Sonnenfleckenzyklus’ alle 11 Jahre vor. Das nächste Sonnenflecken-Maximum ist für 2025 vorhergesagt.

Ein Forscherteam der schwedischen Universität Lund hat nun Hinweise auf eine massive Sonneneruption im Eis von Grönland und der Antarktis entdeckt. Sie untersuchten in ihrer Studie Bohrkerne nach hohen Ausschlägen der radioaktiven Isotope Beryllium 10 und Chlor 36, die von energiereichen kosmischen Teilchen erzeugt werden und sich im Eis ablagern. Nach der Analyse der Bohrkerne stellten die Wissenschaftler fest, dass sich dieser Sonnensturm vor rund 9.200 Jahren ereignete und zwar zu einer Zeit, als die Sonne gerade weniger aktiv war. „Wir waren überrascht, als wir einen solchen Ausschlag fanden, der auf einen bisher unbekannten riesigen Sonnensturm in Verbindung mit geringer Sonnenaktivität hindeutet“, sagte Studienleiter Raimund Muscheler.

An der Studie waren u.a. auch das Alfred-Wegener-Institut, das Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung, sowie die Universität Göttingen beteiligt.

Erdmagnetfeld schützt vor Solarstürmen

Sonnenstürme treffen auf das Magnetfeld der Erde
Das Erdmagnetfeld schützt uns vor den Auswirkungen von Sonnenstürmen.

Vor 9.200 Jahren gab es keine Elektronik und somit haben es die Menschen seinerzeit wohl nicht mitbekommen. Direkte Auswirkungen für den Menschen selbst haben diese extremen Sonnenstürme nicht. Davor schützt uns das Erdmagnetfeld. Wenn aus den Sonnenflecken der Sonne also Plasma ins All geschleudert wird und auf seinem Weg weitere Protonen vor sich herschiebt, spricht man von einem koronalen Massenauswurf (CME). Dieser kann eine Geschwindigkeit von bis zu 9 Millionen Kilometern pro Stunde erreichen.

Innerhalb von wenigen Stunden erreicht er also die Erde. Die Chance, dass uns ein solcher Plasmaausstoß trifft ist gering, aber vorhanden. Immerhin ist die Erde von der Sonne aus betrachtet nur ein minimaler Punkt. Trifft das Plasma auf das Erdmagnetfeld, leitet dieses die Sonnenstrahlen um die Erde herum oder an die Erdpole. Dort sind sie dann als Polarlichter sichtbar.

Kurzfristige Abschaltung der Elektrizitätswerke bei Sichtung eines CME

Da es bis zu 10 Jahre dauern würde, einen Totalausfall unserer elektronischen Systeme wieder aufzubauen, versucht sich die Erde davor zu schützen. Satelliten beobachten die Sonne und warnen vor einem solchen CME, so dass genug Zeit bleibt, um Elektrizitätswerke kurzzeitig auszuschalten und weitere Vorbereitungen zu treffen. Außerdem sind Sonden wie der Solar Orbiter von der ESA auf dem Weg zur Sonne, um die Vorgänge dort besser zu verstehen.

Trotzdem warnt Muscheler: „Diese gewaltigen Stürme werden derzeit nicht ausreichend in die internationale Risikobewertung einbezogen. Es ist von größter Bedeutung zu analysieren, was diese Ereignisse für die heutige Technik bedeuten könnten und wie wir uns schützen können.“

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(kfb)