Schiffsverkehr, der Outlaw im Klimawandel

Schadstoff-Hintertürchen für Schiffe wird geschlossen

von Claudia Träger und Christian Häckl

Schiffe können ziemlich ungeniert CO2, Feinstaub, Schwefel und Stickoxide in die Luft pusten. Anders als beim Autoverkehr gibt es keine Auflagen und Kontrollen. Da Schiffe meistens über Grenzen hinweg unterwegs sind, werden die Emissionen keinem Land zugeordnet und so fühlt sich auch niemand zuständig, sie zu reduzieren. Das soll sich jetzt ändern. Im Video erklärt Christian Häckl, was die konkreten Ziele sind. Welche Probleme die Schifffahrt allerdings noch für Klima und Umwelt verursacht, zeigen wir in diesem Artikel.

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Seeschifffahrt belastet Umwelt und Klima massiv

Die Schifffahrt ist das Rückgrat des Welthandels und belastet gleichzeitig Umwelt und Klima massiv. Schiffe transportieren weltweit rund 90 Prozent aller Waren. Nach Angaben der Weltschifffahrtsorganisation IMO sind sie aber auch für mehr als 2 Prozent aller CO2-Emissionen verantwortlich. Außerdem rauschen durch ihre Kamine so viel Feinstaub-Partikel, Schwefel- und Stickoxide wie in keiner anderer Branche.

Zumindest für die Reduzierung der CO2-Emissionen sind nun Ziele gesetzt. Die internationale Seeschifffahrt will ihre Klimaziele deutlich verschärfen. „Unsere Branche will bereits im Jahr 2050 klimaneutral sein“, sagte der Präsident des Verbandes Deutscher Reeder (VDR), Alfred Hartmann im November 2021. Einen entsprechenden Vorschlag habe der Weltreederverband ICS bei der IMO, einer Organisation der UN, auf Initiative der deutschen Reeder eingereicht.

Seeschifffahrt boomt: Immer mehr Güter werden verschifft

Immer mehr Güter werden auf See transportiert.
Durch immer größere Containerschiffe können heute mehr als 90 Prozent des weltweiten Handelsvolumens auf See verschifft werden.

Die Seeschifffahrt und Luftverschmutzung

Fast alle Schiffe sind mit Schweröl oder – im besseren Fall – mit Diesel unterwegs. Schweröl enthält viel Schwefel, aromatische Kohlenwasserstoffe und Schwermetalle, die durch die Abgase in die Umwelt gelangen. Sie stoßen zudem große Mengen von Feinstaub, Stickoxiden und Ruß aus.

Lese-Tipp: Fürs Klima auf hoher See: Strom statt Schweröl für Schiffe

Die Seeschifffahrt und Schiffslärm

Hätten Sie’s gewusst? Schall breitet sich im Wasser schneller und über weitaus größere Distanzen aus als an Land. Deswegen ist der Lärm, den die Schiffsmotoren machen, so problematisch. Laut Umweltbundesamt kann Unterwasserlärm folgende negative Auswirkungen auf die Meereslebewesen haben. Er kann

  • den Kommunikationsradius von Walen und Robben massiv verkleinern
  • ihre Fähigkeit, Fressfeinde zu erkennen, einschränken
  • zur Vertreibung aus wichtigen Lebensräumen führen
  • vorübergehende oder permanente Beeinträchtigungen des Hörsinns bewirken.

Container-Schlacht auf den Weltmeeren

Die Grafik zeigt die Kapazitäten und Flottengröße der größten Containerschiff-Reedereien 2021.
Die Nummer eins unter den Reedereien – die dänische Maersk - hat eine Kapazität von rund 4,1 Millionen TEU. 1 TEU (Twenty Foot Equivalent Unit) entspricht einem Standard-Container von 20 Fuß, bzw. 6,1 Metern Länge.

Die Seeschifffahrt und Meeresverschmutzung mit Öl

Öltanker-Unfälle mit anschließender Ölpest sind besonders dramatische Beispiele, wie die Schifffahrt die Meere verschmutzen kann. „Der größte Teil der Ölverschmutzung im Meer stammt jedoch von Abwässern vom Land und vom Auswaschen der Bilgen und Ballastwasserentleerungen auf See durch Handelsschiffe“, schrieb die ehemalige Leiterin Wissenschaft und Bildung von OceanCare anlässlich des Wissenschaftsjahres Meere und Ozeane.

Die Bilge ist der unterste Raum im Schiff. Dort sammeln sich Reste von Motor- und Schmieröl, Treibstoffen, Reinigungsmitteln, Reinigungs- und Kondenswasser und vermischen sich mit Wasser aus unvermeidbaren Undichtigkeiten an der Antriebswelle oder Leckagen.

Seeschifffahrt und das Ballastwasser

Die Seeschifffahrt und ihre Ausweirkunegn auf Klima und Umwelt.
In der Elbe schwimmen heute Wollhandkrabben, die einst unbemerkt mit dem Ballastwasser von Schiffen in die Häfen von Hamburg und Bremen eingeschleppt wurden.

Um immer stabil über die Meere fahren zu können, sind Seeschiffe mit Ballastwassertanks ausgestattet. Wenn sie nicht oder nur gering beladen sind, werden diese Tanks mit Wasser aus der Umgebung eines Hafens gefüllt. Wenn die schweren Container aufgeladen sind und zusätzlicher Ballast nicht mehr nötig, wird das Wasser in einem anderen Hafen wieder abgelassen. So werden Kleinstlebewesen von einer Region in eine ganz andere verfrachtet. Dort können sie immense Schäden anrichten, wenn die heimische Tier- und Pflanzenwelt nicht darauf eingerichtet ist.

Verbesserungsbedarf groß

Man sieht: Die Probleme, die die Schifffahrt für Umwelt und Klima mit sich bringt, sind groß – aber das Bewusstsein dafür, auch. Die kommenden Jahre werden zeigen, wie konkrete Ziele tatsächlich in die Praxis umgesetzt werden.

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(ctr)