Kennen Sie den Hydraulischen Abgleich?

15 Prozent sind immer drin: So viel Gas kann ich im Haushalt sparen

von Oliver Scheel

Alle reden über die Energiekosten. Klar, schließlich steigen die Preise besonders für das Heizen vielen Millionen Deutschen über den Kopf. Was aber kann man wirklich tun, um Geld zu sparen? Wir haben ja nun wirklich viele Jahre von der günstigen Energie profitiert und waren beim Gas sparen nicht wirklich weit vorne. Nun aber ist Sparen ganz klar das Gebot der Stunde, auch weil wir ja gar nicht wissen, ob wir mit unseren Gasspeichern und den Gasmengen, die über Frankreich und die Beneluxstaaten zu uns kommen sollen, überhaupt über den Winter kommen.

Hier also die Tipps, was wirklich jeder zuhause tun kann, bzw. sollte.

Alle News rund um das Thema Klima und Klimakrise

Mit unseren „Klima Update“-Sendungen immer informiert sein

Das Wetter und die Ausgangslage

Die Heizperiode läuft und viel hängt von den Außentemperaturen ab. Experten haben berechnet, dass wir bei einem harten Winter 20 Prozent des Gases einsparen müssen, um mit dem vorhandenen Gas klar zu kommen. Bei einem nicht so kalten und durchschnittlichen Winter wären es immerhin 10 Prozent.

In unseren Haushalten gibt es zwei riesige Gas-Verbraucher: Das Heizen und das Warmwasser. Für das Heizen gehen etwa 70 bis 80 Prozent des Erdgases drauf, für Warmwasser 20-30 Prozent. Nun ist es so, dass in gut gedämmten Gebäuden viel weniger Gas zum Heizen benötigt wird als in schlecht gedämmten. In schlecht gedämmten Häusern können bis weit über 90 Prozent des Gasverbrauchs nur fürs Heizen verwendet werden, in gut gedämmten halten sich Heizen und Warmwasser etwa die Waage. Nun können aber nicht alle Mieter in Deutschland – und das sind ja die meisten von uns – ihre Wohnung mal eben dämmen. Wir müssen also im Haushalt sparen. Und das ist möglich, Experten glauben, dass bis zu 20 Prozent Ersparnis drin sind. Hier die wichtigsten Einsparmöglichkeiten.

Lese-Tipp: Hier noch mehr gute Tipps zum Sparen im Haushalt

So funktioniert der hydraulische Abgleich

Energiekosten. Sparen beim Heizen
Ein Grad weniger bringt 6 Prozent Ersparnis. Unsere Wohnungen sind im Schnitt 22 Grad warm. Wenn wir auf 19 Grad drosseln, sind das schon 18 Prozent Ersparnis.

Beim hydraulischen Abgleich werden alle Komponenten der Heizungsanlage aufeinander abgestimmt, damit das Gerät am effizientesten laufen kann. Er bewirkt, dass in allen Heizkörpern des Hauses die richtige Menge Wasser vorhanden ist, damit sich die Wärme ideal ausbreiten kann.

Immanuel Stieß, Leiter des Forschungsschwerpunkts Energie und Klimaschutz im Alltag an der Uni Frankfurt, erklärt den hydraulischen Abgleich: „Da viele Heizungen nicht optimal eingestellt sind, verbrauchten diese unnötig viel Energie. Ein hydraulischer Abgleich des Heizsystems sorgt für eine optimale Verteilung der Wärme im Gebäude. Je nach Typ und Zustand der Heizung können so bis zu fünf bis zehn Prozent Energie eingespart werden.“

Allerdings lassen Sie dafür am besten den Fachmann kommen. Aber es lohnt sich. In einem Einfamilienhaus amortisiert sich der Abgleich nach etwa 6 Jahren, in einem Mehrfamilienhaus schon viel eher. Da die Energiepreise nun so enorm gestiegen sind, kann sich die Maßnahmen sogar noch schneller lohnen. Wenn Sie beim Abgleich auch noch einen Tausch der Heizungspumpe vornehmen, rechnet sich die Investition dank staatlicher Zuschüsse noch schneller. Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) fördert den hydraulischen Abgleich mit Pumpentausch mit 20 Prozent der Nettokosten. Wichtig ist, dass man sich vor Beginn der Maßnahme über das Formular des BAFA registriert. Informieren Sie sich darüber auf der Website der BAFA. Es gibt dazu auch Zuschüsse und Kredite von der KfW. Dies ist besonders interessant bei Mehrfamilienhäusern.

19 Grad Raumtemperatur bringen schon fast 20 Prozent Ersparnis

Enormes Sparpotenzial liegt tatsächlich auch in unseren Räumlichkeiten. Die sind tendenziell viel zu hoch aufgeheizt. Bei einer Temperatur von 19 Grad liegt das mittlere Sparpotenzial bei satten 18 Prozent. Und 19 Grad im Zimmer ist echt okay. Da reden wir ja nicht von Bibbern und Frieren, da ist es mit ein paar dickeren Socken und einem Kapuzenshirt getan. Und wenn Sie damit allein knapp 20 Prozent der Kosten einsparen können, ist das doch echt eine Option.

Und weiter: Kürzer duschen, Sparkopf kaufen und Gassparcheck machen

Zweite Alarmstufe ausgerufen: So kann jeder Gas sparen
Auch beim Duschen lässt sich effektiv Gas einsparen. Kürzer und weniger heiß duschen, dazu einen Sparduschkopf benutzen: Das macht etwa 20 Prozent Ersparnis.

Warmwasser kann am ehesten gespart werden, wenn Sie kürzer duschen. Denn das Duschen bzw. Baden ist der größte Verbraucher im Haushalt. Kürzer und weniger heiß duschen – auf gar keinen Fall baden – bringt schon etwa 15 Prozent Ersparnis, mit einem Sparduschkopf sind locker 20 Prozent drin. Und das tut wirklich niemandem weh.

Einen kostenlosen Gasspar-Check hält Martin Pehnt vom Institut für Energie- und Umweltforschung in Heidelberg (ifeu) für eine gute Maßnahme: „Dazu sollte jede Heizungswartung, jeder Schornsteinfegerbesuch, jede Energieberatung genutzt werden. Der Gassparcheck könnte aus einer Überprüfung der Heizungsanlage, einem Check des Heizungsverhaltens und der Einsparmöglichkeiten und einigen kostenlos mitgebrachten beispielhaften Hilfsmitteln wie Thermostatventilen, Thermometer, Hocheffizienzpumpen oder Dämmmaterial bestehen“, so der Experte.

Unsere Wettertrends und Themenseiten

Sollten Sie Interesse an weiteren Wetter-, Klima- und Wissenschaftsthemen haben, sind Sie bei wetter.de bestens aufgehoben. Besonders ans Herz legenkönnen wir Ihnen auch den 7-Tage-Wettertrend mit der Wetterprognose für die kommende Woche. Dieser wird täglich aktualisiert. Falls Sie weiter in die Zukunft schauen möchten, ist der 42-Tage-Wettertrend eine Option. Dort schauen wir uns an, was auf uns in den kommenden Wochen zukommt. Vielleicht interessiert Sie eher wie sich das Klima in den vergangenen Monaten verhalten hat und wie die Prognose für das restliche Jahr aussieht. Dafür haben wir unseren Klimatrend für Deutschland.

Damit Sie auch unterwegs kein Wetter mehr verpassen, empfehlen wir unsere wetter.de-App für Apple- und Android-Geräte.

Klima-Rekorde - Ist Deutschland noch zu retten? Die Doku im Online Stream auf RTL+

(osc)