Heizen und Warmwasser sind die dicken Posten

Expertentipps rund ums Gas: So sparen Sie richtig viel

von Oliver Scheel

Wir leben im Gas-Notstand. Weil nicht gesichert ist, dass Russland unsere Gasspeicher bis zum Winter auffüllt, sollen Unternehmen und Verbraucher so viel sparen wie eben geht. Nun können wir aber nicht alle unsere Wohnungen und Häuser bis zum Beginn der Heizperiode auf klimaneutrale Anlagen umstellen oder die Häuser neu dämmen. Kurzfristige Lösungen und Ideen sind gefragt. Wodurch lässt sich kurzfristig Erdgas in Haushalten einsparen, was kann jede Bürgerin und jeder Bürger zu Hause tun, um den Gasverbrauch deutlich zu senken – und damit ja auch Geld zu sparen? Welche Tipps haben Experten? Und schließlich ist jeder vermiedene Gasausstoß ja auch gut für das Klima.

Es ist gesellschaftsübergreifend wirklich wichtig, jetzt Gas zu sparen, damit wir im Winter nicht frieren müssen und die Unternehmen nicht Gefahr laufen, ihren Betrieb einzustellen. Wenn die Heizperiode losgeht, sollten die Speicher möglichst voll sein. Momentan sind sie erst zu knapp 65 Prozent gefüllt. Das würde uns nicht in der gewohnten Form über den Winter bringen.

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Der Löwenanteil geht für Heizen drauf

Ein Gaszähler zeigt den Verbrauch eines Mehrfamilienhauses an. Vielerorts wird nun Energie gespart als Folge gedrosselter und verteuerter Erdgaslieferungen aus Russland - (zu dpa «Weniger Wärme und w
Der Gaszähler läuft weniger schnell, wenn Sie unsere Tipps beherzigen.

Der Schlüssel zum Sparen liegt eindeutig beim Heizen: „68 Prozent des Energieverbrauchs privater Haushalte entfallen auf das Heizen von Gebäuden, weitere 16 Prozent werden für die Bereitstellung von Warmwasser benötigt“, analysiert Immanuel Stieß vom Institut für Sozialökologische Forschung in Frankfurt am Main.

Somit ist eine Sache sonnenklar: Beim Heizen liegt ein riesiges Sparpotenzial. „Die Innenraumtemperatur in Wohnungen in Europa beträgt durchschnittlich 22 Grad: Ein Grad weniger spart sechs Prozent Energie“, so Spieß.

Wie wir mit Energieeffizienz enorm viel Strom sparen können

Die Heizung optimal einstellen hilft schon

Spieß, Leiter des Forschungsschwerpunkts Energie und Klimaschutz im Alltag, hat aber noch Unmengen weiterer Ideen: Da viele Heizungen nicht optimal eingestellt seien, verbrauchten diese unnötig viel Energie. „Ein hydraulischer Abgleich des Heizsystems sorgt für eine optimale Verteilung der Wärme im Gebäude. Je nach Typ und Zustand der Heizung können so bis zu fünf bis zehn Prozent Energie eingespart werden.“

Weitere Geld- und Gas-Sparmaßnahmen sind einfache handwerkliche Tätigkeiten, die jeder selbst Zuhause durchführen kann: „Durch einfache Dämmmaßnahmen zum Selbermachen, wie zum Beispiel die Isolierung von Heizungsrohren, -nischen, Fenstern und Rollladenkästen, können weitere ein bis zwei Prozent Energie eingespart werden.“

Welche Heizung lohnt sich jetzt? Wie wird gefördert?

Großes Sparpotenzial beim Warmwasser

Sollte es zu einem Gasmangel kommen, soll ein Krisenstab der Bundesnetzagentur über die Zuteilung entscheiden. Verbraucher sollen Rücklagen bilden und Energie sparen. (Symbolfoto, Themenfoto) 17.07.2022
Wenn die Gasspeicher bis zum Winter gefüllt sein sollen, dann müssen wir JETZT sparen.

Warmwasser ist ein großer Faktor bei den Kosten für Strom und Gas. Spieß erläutert, dass 25 bis 40 Prozent des Warmwasserverbrauchs in Gebäuden auf das Duschen entfallen. Das verdeutlicht das enorme Sparpotenzial an dieser Stelle. Einfach kürzer und weniger heiß duschen kann schon 15 Prozent bringen. „Durch den Einbau eines Sparduschkopfs können weitere fünf Prozent Warmwasser gespart werden. Insgesamt können so kurzfristig zehn bis 20 Prozent der Energie für die Warmwasserbereitung eingespart werden.“

Übrigens: Angesichts der schlimmen Trockenheit in diesem Sommer ist Wasser sparen sowieso angesagt.

Einen kostenlosen Gasspar-Check hält Martin Pehnt vom Institut für Energie- und Umweltforschung in Heidelberg (ifeu) für eine gute Maßnahme: „Dazu sollte jede Heizungswartung, jeder Schornsteinfegerbesuch, jede Energieberatung genutzt werden. Der Gassparcheck könnte aus einer Überprüfung der Heizungsanlage, einem Check des Heizungsverhaltens und der Einsparmöglichkeiten und einigen kostenlos mitgebrachten beispielhaften Hilfsmitteln – Thermostatventilen, Thermometer, Hocheffizienzpumpen oder Dämmmaterial oder einem Baumarktgutschein für solche Komponenten bestehen“, so der Experte.

Kurzfristig könnten allein durch ein Gassparpaket zehn Prozent Gas eingespart werden, in Verbindung mit kleinen Investitionen noch mehr.

Wie geht klimafreundliches Heizen? Ganz einfach

Tatsächlich ist auch Stromsparen wichtig

Und was geht beim Strom? Auch da können wir unsere Gasspeicher entlasten. „Auch Strom sparen ist Gas sparen, weil Strom auch durch Gaskraftwerke erzeugt wird. Deswegen: alle verbliebenen Glühlampen austauschen gegen LED-Lampen. Abschaltbare Steckerleisten verwenden und alte Kühlschränke außer Betrieb nehmen; eine Solaranlage installieren – selbst eine kleine Balkon-PV-Anlage spart fünf bis zehn Prozent Strom. Außerdem kann man die Wäsche an der Luft trocknen“, analysiert Pehnt.

Also – machen Sie mit, im besten Sinne für die Gasspeicher, das Klima und ihr Portemonnaie: Jede eingesparte Kilowattstunde zählt.

Langfristig gesehen helfen natürlich nur große Investitionen, bei denen auch die Regierung Geld in die Hand nehmen muss: Wärmepumpen, Gebäudedämmung und der Ausbau des Fernwärmenetzes sowie die Weiterentwicklung von Grünem Wasserstoff, die Umstellung auf intelligente Netze, Solarpflicht auf Dächern, der massive Ausbau von Erneuerbaren Energien und nicht zuletzt große Kampagnen, um junge Menschen für Handwerksberufe zu begeistern.

Erst dann können wir mit weniger Sorge auf die Winter blicken. Denn, wie heißt es so schön: Wind und Sonne stellen keine Rechnung.

Smart Grid: Wie uns intelligente Netze beim Sparen helfen

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(osc)