Wie viel Treibgas dürfen wir noch ausstoßen?

Die Carbon Clock: Warum wir diese Zahl unbedingt kennen sollten

Der CO2-Ausstoß ist der entscheidende Faktor bei der Erderwärmung

Der Klimawandel kann ziemlich verwirrend sein. Geht es jetzt um den Meeresspiegel, die Erderwärmung oder doch um Extremwetterlagen? Und was heißt eigentlich Klimaneutralität? Jeden Tag gibt es neue Nachrichten - den Überblick behalten dabei wenige. Dabei hängt am Ende alles von dieser einen Uhr ab: Der Carbon Clock. Denn der CO2-Ausstoß ist der entscheidende menschengemachte Faktor, der unsere Erde erwärmt. Und das sorgt dann für den steigenden Meeresspiegel und die Extremwetterlagen.

Die Erderwärmung in Grenzen halten

Jeden Morgen die Inzidenzzahlen checken, daran haben wir uns inzwischen gewöhnt. Auch der Blick in die Wetter-App gehört für viele dazu. Aber wie es um den Klimawandel steht, das haben wir meist nicht direkt auf dem Schirm. Dabei gibt es eine ganz konkrete Kennzahl, an der wir uns gut orientieren können, und die uns alle direkt betrifft: Das CO2-Budget.

Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen haben ziemlich genau ausgerechnet, wie viel von dem Treibhausgas wir noch ausstoßen dürfen, wenn wir die Erderwärmung auf 1,5 Grad begrenzen wollen. 1,5 Grad, das ist das Ziel, auf das sich fast alle Länder bei der Klimakonferenz in Paris geeinigt haben und das für Wissenschaftler entscheidend ist. Denn sollten wir dieses Ziel nicht erreichen, wird das unumkehrbare Konsequenzen habe. Dann würden sogenannte Kipppunkte erreicht.

Heißt das, die Welt geht dann unter? Natürlich nicht. Aber es könnte für uns Menschen auf dieser Erde sehr ungemütlich werden: Denn dann verändert sich unsere Welt in für die Wissenschaft schlicht nicht abschätzbarem Tempo.

30.000 hitzebedingt Tote in der EU bis 2030

Maik Meuser und die Carbon Clock
Wie viel Zeit haben wir noch, um die Erderwärmung in lebenswerten Grenzen zu halten?

Schon jetzt gibt es mehr Hitzetage und der sogenannte Hitzestress für die Älteren aber auch für die ganz Kleinen nimmt zu. Gerade in den Städten ist das gefährlich: “Ganz konkret führt das zu Schlaganfällen, Herzinfarkten und auch die psychische Belastung nimmt zu”, sagt die Umweltmedizinerin Claudia Traidl-Hoffmann in unserem Interview. Das Fachblatt The Lancet hat sogar ausgerechnet, dass es in der EU bis 2030 zusätzliche 30.000 hitzebedingte Todesfälle geben wird. Schlechte Nachrichten gibt es auch für Allergiker. Der Klimawandel beeinflusst die Pollenflugzeit, sagt Traidl-Hoffmann. „Viele Pollen fliegen früher und einige Pflanzen produzieren bei höherem CO2-Gehalt deutlich mehr Pollen.“

Mücken, Zecken und andere Krankheitserreger freuen sich dagegen über ein zunehmend heißeres Klima. Zum Beispiel die asiatische Tigermücke. Sie kann bis zu 20 Viren übertragen und freut sich auf die häufigeren und längeren Hitzesommer in Deutschland.

Währenddessen kämpfen Landwirte und Bäume noch stärker mit Dürren. Preise für Lebensmittel könnten so steigen. Wasser wird knapp. Das beeinflusst auch den Schiffsverkehr auf den Flüssen und damit Wirtschaft und Verbraucher.

Pflanzen haben einen direkten Effekt auf die Temperaturen in der Stadt

Noch können wir das in Deutschland alles irgendwie ausgleichen, aber wenn eben diese Kipppunkte erreicht werden, dann könnte unsere Erde an vielen Orten unbewohnbar werden. Die gute Nachricht ist aber: für all das gibt es Lösungen. Pflanzen zum Beispiel haben einen direkten Effekt auf die Temperaturen in der Stadt. Sie spenden Schatten und befeuchten die Luft, das kühlt ab. Damit können wir uns wertvolle Zeit verschaffen. Langfristig kommt es aber vor allem darauf an, unsere CO2-Emissionen zu reduzieren. Denn nur damit können wir die Erderwärmung wirklich stoppen.

Zurück also zur Carbon Clock: Diese Uhr tickt in dem Tempo, in dem wir CO2-Emissionen ausstoßen. Stoßen wir weniger aus, läuft sie langsamer. Damit gewinnen wir Zeit, in der wir unser Leben an das neue Klima anpassen und weitere Technologien entwickeln können, die es uns erlauben, unseren Wohlstand zu behalten. Also zum Beispiel emissionsfreie Autos und Flugzeuge, oder umweltfreundlichere Lebensmittel.

Im Moment stehen wir bei 1,2 Grad (https://www.globalwarmingindex.org/). Viel Zeit und CO2 bleibt uns also nicht mehr. Machen wir in dem Tempo weiter wie bisher, bleiben uns keine sieben Jahre mehr. Und daran soll uns die Klima-Uhr erinnern.

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