Die Auswirkungen von El-Niño weltweit

Die Auswirkungen von El-Niño weltweit
El-Niño wird jetzt immer stärker © dpa, Everett Kennedy Brown

El-Niño wird jetzt immer stärker

Derzeit werden über den kompletten tropischen Pazifik hinweg positive Abweichungen der Oberflächenwassertemperaturen zwischen 1 und 2,7 Grad verzeichnet. Die größte Anomalie wird dabei vor den Küsten Perus und Chiles beobachtet. Laut der Modellprognosen soll die Temperaturanomalie mit bis zu 2,2 Grad auch in den Monaten Oktober, November und Dezember 2015 anhalten und im Anschluss nur langsam wieder absinken. Aus bisher ungeklärten Gründen kommt dieses Phänomen, auch El-Niño genannt, in Intervallen von etwa 3 bis 8 Jahren vor.

Was bedeuten diese positiven Anomalien?

Letztendlich wird das küstennahe relativ warme Oberflächenwasser westwärts von den Küsten weg auf den Ozean getrieben. Da durch die Kontinente von Osten (Westküste Südamerikas) kein Wasser nachströmen kann, quillt aus Massenerhaltungsgründen kaltes, nährstoffreiches Tiefenwasser auf und ersetzt somit das abtransportierte warme Wasser an der Oberfläche, das sich an den Küsten Australiens und Indonesiens sammelt.

Was bedeuten das kalte Wasser auf der einen und das warme Wasser auf der anderen Seite des Pazifiks?

Das warme Wasser erwärmt die Luftmassen, die Luft steigt nach oben, es bilden sich Wolken und es fällt Regen. Es entsteht ein lokales stationäres Tiefdruckgebiet. Gleichzeitig bildet sich über dem kalten Wasser vor Südamerikas Westküste ein Hochdruckgebiet mit absinkender Luft. Nachfolgend entsteht zwischen Südamerika und Indonesien eine zum Äquator parallele Luftzirkulation. Die Ausbildung dieser Zirkulation ist direkt an die Subtropenhochs und somit an die Stärke der Passatwinde geknüpft. Schwächt sich das pazifische Hochdruckgebiet ab, lassen auch die Passatwinde nach oder flauen sogar fast völlig ab. Resultierend wird auch weniger warmes Oberflächenwasser von den Küsten Südamerikas ostwärts Richtung Australien und Indonesien transportiert, so dass das kalte Tiefenwasser kaum oder gar nicht aufquillt.

El-Nino bringt wahrscheinlich globalen Wärmerekord

Was bedeuten diese Prozesse allgemein für das Wetter?

Da El-Niño ein großräumiges meteorologisches Phänomen im äquatorialen Pazifik ist und somit einen wesentlichen Einfluss auf zentrale Zirkulationssysteme hat, können dem El-Niño nahezu weltweit meteorologische Auswirkungen zugeschrieben werden. Der Nachweis wird über statistische Untersuchungen geführt und hat bislang positive Ergebnisse vor allem für den nördlichen Pazifik und Nordamerika ergeben. Weniger deutliche Wechselwirkungen sind für den Nordatlantik sowie Europa bekannt.

Allgemein kommt es bei einem El-Niño-Ereignis über dem Pazifik und an der Westküste Südamerikas meist zu starken Niederschlägen. Dem entgegen herrscht im westlichen äquatorialen Pazifik, wo normalerweise reichliche Niederschläge fallen, außergewöhnliche Trockenheit. Auch in Südostasien und Australien bleibt es als Folge verhältnismäßig trocken und warm, so dass häufig Dürren auftreten können. Als Fernfolge von El-Niño überwiegen z.B. im Bereich des Amazonas, wo normalerweise typisch tropisch-feuchte Verhältnisse herrschen, nun längere trockene Phasen. Dagegen ist in Südafrika eine überdurchschnittlich warme und sehr trockene Witterung spürbar. Im südlichen Teil von Nordamerika zieht die El-Niño-Phase dagegen meist ein feuchtes und kühles und im Nordwesten ein überdurchschnittlich warmes Wetter nach sich.

Was bedeuten diese Prozesse derzeit für das Wetter?

Ein Blick auf die Wetterbedingungen von Mai, Juni und Juli für Nordamerika zeigt die typischen El Niño-Eigenschaften. Während es an der Westküste, vom südlichen Kalifornien bis nach Mexiko, bei

unterdurchschnittlichen Temperaturen ergiebig regnete und teilweise 400 bis 800 Prozent des Niederschlags im vieljährigen Mittel verzeichnet wurden, fielen der Nordwesten und Osten der USA bei eher trockenen Verhältnissen deutlich zu warm aus. Im südlichen Afrika fiel vor allem der Mai entsprechend der El-Niño-Prognosen deutlich zu warm aus. Auch der Juni und Juli zeigen, abgesehen von den Küstengebieten überdurchschnittliche Temperaturen. In Südostasien zeigen vor allem der Juni und Juli deutliche positive Temperaturabweichungen bezüglich des vieljährigen Mittels.

Auch die Unwetter über Chile sind diesem Phänomen zuzuschreiben. Ob wir die Hitzewellen der vergangenen Wochen in Deutschland auch El-Niño unterschieben können, ist noch nicht untersucht, aber eher unwahrscheinlich. Wahrscheinlicher ist, dass das derzeitige sehr starke El-Niño-Ereignis einen neuen globalen Wärmerekord bringt, nachdem bereits 2014 das bislang wärmste Jahr seit Aufzeichnungsbeginn war.

Quelle: DWD und wetter.de