"Day Zero": Ist Deutschland auch vom Wassermangel bedroht?

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Dort, wo es rot ist, ist die Gefahr von bedrohlichem Wassermangel besonders hoch. Quelle: Aqueduct / World Resources Institute

Studie belegt: Der "Day Zero" ist nicht mehr weit.

Fast ein Viertel der Weltbevölkerung leidet an einem unmittelbar bevorstehenden Wassermangel. Eine alarmierende Studie des World Resources Institutes (WRI) meldet im aktuellen Wasser-Risiko-Atlas, dass 17 Länder weltweit dem „Day Zero“, dem Tag an dem kein Wasser mehr aus dem Hahn kommt, immer näherkommen.

Wenn das Wasser knapp wird

In den letzten Hitzewochen konnten wir schon ein bisschen von der drohenden Gefahr erschnuppern. Die Spuren sind bitter: Waldbrände, vertrocknete Felder, geschwächte Bäume, Frachtschiffe, die in leeren Flüssen nicht mehr fahren können. Laut der neuen Studie liegt Deutschland auf Platz 62 der Rangliste.

Welche Länder sind betroffen?

  1. Katar
  2. Israel
  3. Libanon
  4. Iran
  5. Jordanien
  6. Libyen
  7. Kuwait
  8. Saudi-Arabien
  9. Eritrea
  10. Vereinigte Arabische Emirate
  11. San Marino
  12. Bahrain
  13. Indien
  14. Pakistan
  15. Turkmenistan
  16. Oman
  17. Botswana

Im Nahen Osten und in Nordafrika sind die Länder der zwölf der am stärksten belasteten Regionen beheimatet. Bemerkenswert ist dabei: In Indien, auf Rang 13, leben mehr als dreimal so viele Einwohner, wie in der Top-16.

Wie sieht es in Europa und Deutschland aus?

wasserdeutschland
Deutschland ist beim Wasserstress fast zweigeteilt.. Quelle: Aqueduct / World Resources Institute

Weitere 27 Länder, darunter Griechenland, Belgien und Portugal, waren auf der Liste der Länder mit dem höchsten Wasserstress aufgeführt. Wasserstress bedeutet ein steigendes Risiko für Umweltprobleme und wirtschaftliche Schwierigkeiten.

Während Deutschland in der Liste der bedrohten Länder nicht unter den Top-50 platziert ist, sind einzelne Regionen bei uns als „Hoch gefährdet“ eingestuft. Schaut man auf die Karte des „World Resources Institute“, kann man erkennen, dass auch große Teile unseres Landes ein verschärftes Wasserproblem haben. Regionen wie Hessen oder Brandenburg sind ebenso in hohem Wasserstress wie Spanien, Italien und Belgien. Doch selbst Länder mit eher niedrigem durchschnittlichem Wasserstress kann es schlimm treffen, heißt es in dem Bericht. Im Jahr 2018 und auch in diesem Jahr haben wir davon einiges gespürt.

Welche Gefahren sind zu erwarten?

Dürre in Indien
Ein Land ohne Wasser: Wasserreservoirs im indischen Chennai waren während der Hitzewelle in diesem Jahr ausgetrocknet. © deutsche presse agentur

Landwirtschaft, Industrie und die Kommunen sind die Leidtragenden, wenn das Wasser knapp wird. Sie sind jedoch auch die, die das verfügbare Oberflächen- und Grundwasser verbrauchen. Was am Tag Zero übrigbleibt, ist zu wenig, um ein Land am Laufen zu halten. 2018 stand Südafrika kurz vor dem gefürchteten „Day Zero“.

„Wasserstress ist die größte Krise, von der niemand spricht. Die Folgen sind in Form von Ernährungsunsicherheit, Konflikten und Migration sowie finanzieller Instabilität zu sehen.“, so Andrew Steer, CEO der WRI. Weltweit habe sich der Bedarf an Wasser seit den 1960er Jahren verdoppelt. Vor allem das Bevölkerungswachstum und die Ausbreitung städtischer Lebensformen seien für den Anstieg verantwortlich.