Corona und Klima: So wirkt sich die Corona-Krise auf unsere Umwelt aus

ARCHIV - Rauch steigt aus Schornsteinen einer Chemiefabrik  in der nordchinesischen Stadt Tianjin auf (Archivfoto vom 23.12.2008). China hat vor dem Weltklimagipfel in Kopenhagen zum ersten Mal eigene konkrete Ziele zur Reduzierung seiner starken Koh
Deutschland kann durch die Corona-Krise wieder seine Klimaziele erreichen. © FEATURECHINA, epa Ryan Tong

Corona-Virus bremst Emissionen

Die Coronakrise zieht der Wirtschaft den Stecker. Plötzlich stehen Fabriken still, Autos bleiben in der Garage, und Flugzeuge am Boden.

Touristen bleiben zu Hause. Igel, Vögel und andere Tiere können sich vom Menschenstress erholen, in Venedig fließt wieder klares Wasser. Die drastische Reduzierung von Abgasen hat positive Auswirkungen auf Luftqualität und Klimawandel.

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Corona und Luftverkehr

Die Anzahl der Flüge hat deutlich abgenommen.
Die Anzahl der Flüge hat deutlich abgenommen. © courtesy by flightradar.com

Der weltweite Flugverkehr ist in den letzten Jahren immer weiter gestiegen, und hat die  klimaschädlichen CO2-Emissionen in die Höhe getrieben. Nun ist er eingebrochen. 

Waren zu Beginn des Jahres 2020 noch mehr Flugzeuge unterwegs als zum Jahresbeginn der Vorjahre ist der Flugverkehr aufgrund der Corona-Krise nun stark gefallen.

Corona und Luftverschmutzung in China

Die NO2-Verschmutzung in der Tropsphäre am 1. Januar 2020 (links) und am 10 Februar 2020 (rechts)
Die NO2-Verschmutzung in der Tropsphäre am 1. Januar 2020 (links) und am 10 Februar 2020 (rechts) © Nasa/Esa

Luftverschmutzung ist in China ein ernstes Problem. Abgase hängen teilweise wie eine Glocke über den Städten. Als im Januar die Coronakrise bei Wuhan ihren Anfang nahm, wurde die Luft dort deutlich klarer. Die Industrie war zum Erliegen gekommen.

In China hat sich die Corona-Lage inzwischen entspannt. Die Wirtschaft nimmt wieder Fahrt auf. Das kann man auch aus dem Weltall messen: Seit Anfang März steigen die Stickstoffdioxid-Werte wieder.

Corona und Luftverschmutzung in Europa

NO2 Verschmutzung in Italien Anfang Januar 2020
NO2 Verschmutzung in Italien Anfang Januar 2020 © Nasa/Esa, Belbachir, Karim Francios [RTL interactive]

In Europa ist Smog bisher nicht so schlimm wie in Asien, aber NO2 ist auch bei uns ein Problem. Im Mai 2018 hat die Europäische Kommission Deutschland, Frankreich und das Vereinigte Königreich verklagt, weil Grenzwerte überschritten worden sind. Als das Coronavirus begann, sich in Italien auszubreiten, wurden auch dort Wirtschaft und Verkehr ausgebremst.

Die NO2-Konzentration während Januar und Februar war deutlich höher (oberes
Bild) als im März (unteres Bild). Auffallend ist, dass die Corona-Krise dort besonders schlimm ist, wo auch die Luftverschmutzung auffällig hoch ist: in Norditalien.

Die NO2_Verschmutzung über Europa im März 2020.
Die NO2_Verschmutzung über Europa im März 2020. © Nasa/Esa, Belbachir, Karim Francios [RTL interactive]

Wie beeinflusst die Luftverschmutzung die Corona-Infektionen?

Die Statistik zeigt die Anzahl der Flüge in den vergangenen 90 Tagen.
Die Statistik zeigt die Anzahl der Flüge in den vergangenen 90 Tagen. © courtesy by flightradar24.com, Belbachir, Karim Francios [RTL interactive]

Die Luftqualität hat sich durch das Virus nachweislich verbessert. Andersherum gibt es eine Theorie, nach der schlechte Luft Covid-19 hilft, sich zu verbreiten.

Das Portal “heise online” berichtet über italienische Wissenschaftler, die untersuchen, ob die Viren sich mit Staubpartikeln in der Luft besser ausbreiten können.

Die Theorie wird allerdings noch kontrovers diskutiert. Ein Gegenargument lautet, dass Smog-belastete Lungen schlicht anfälliger für eine Infektion sind. 

Die Einsparungen sind nur für beschränkte Zeit

Die Grafiken oben zeigen Stockstoffdioxide (NO2). Für die Erderwärmung ist Kohlenstoffdioxid (CO2) (neben anderen Treibhausgasen) entscheidend. Und da sind deutliche Erleichterungen zu erwarten.

In China ging der CO2-Ausstoß im Februar um etwa ein Viertel zurück. Wissenschaftler beobachten, dass der CO2-Anstieg in der Atmosphäre langsamer als üblich verläuft. Für Deutschland könnte es den entscheidenden Unterschied machen, um doch noch politische Zusagen zum Klimaschutz einzuhalten.

Deutschland könnte seine Klimaziele für 2020 erreichen

Der Flughafen in Amsterdam war wie ausgestorben.
Der Flughafen in Amsterdam war wie ausgestorben. © Maxi Biewer

Geplant war, dass Deutschland bis 2020 seine CO2-Emission gegenüber 1990 um 40 Prozent reduziert. Dass das gelingt, hat schon lange keiner mehr geglaubt. Nun könnte es doch noch klappen.

Die Onlineseite klimareporter.de berichtet über eine Studie des Thinktanks Agora Energiewende. Gemäß der Prognose würde Deutschland es schaffen. Entscheidend sind neben dem milden Winter die Abgaseinsparungen wegen der Corona-Krise.

Fazit: Eine kurzfristige Atempause hilft nicht langfristig

Die Corona-Krise wird nicht ewig dauern. Früher oder später kommen Wirtschaft und Industrie wieder in Schwung. In China steigen die Emissionen bereits wieder. Die Einsparungen einiger Monate können den Klimawandel nicht aufhalten.

Das Corona-Virus könnte sogar zur Gefahr für das Klima werden: Wenn nach der Krise wirtschaftliche Hilfen nur kurzfristige Profite fördern, und “lästige” Belange des Umweltschutzes außer Acht gelassen werden.

TVNOW-Doku: Stunde Null - Wettlauf mit dem Virus

Das Corona-Virus hält Deutschland und den Rest der Welt in Atem. Wie konnte es zur rasanten Verbreitung kommen und was bedeutet der Ausbruch für unseren Alltag? Warum Wissenschaftler schon lange vor dem Ausbruch vor dem Virus gewarnt haben, erfahren Sie in der TVNOW-Doku "Stunde Null - Wettlauf mit dem Virus".