Weniger Ultrafeinstaub

Corona und Klima: So wirkt sich die Corona-Krise auf unsere Umwelt aus

Flugzeuge bleiben aufgrund der Corona-Krise häufiger auf dem Boden und  verringern den Ultrafeinstaub in der Luft.
Flugzeuge bleiben aufgrund der Corona-Krise häufiger auf dem Boden und verringern den Ultrafeinstaub in der Luft. © imago images/A. Friedrichs, Andreas Friedrichs via www.imago-images.de, www.imago-images.de

Corona-Virus bremst Emissionen

Die Coronakrise zieht der Wirtschaft den Stecker. Plötzlich stehen Fabriken still, Autos bleiben in der Garage, und Flugzeuge am Boden. Touristen bleiben zu Hause. Die Natur kann sich vom Menschenstress erholen. Die drastische Reduzierung von Abgasen hat positive Auswirkungen auf Luftqualität und Klimawandel. Gar nicht so uninteressant wie jüngst eine Forsa-Umfrage für die Deutsche Bundesstiftung Umwelt ergab. 

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Offiziell bestätigt: Die Luft in Deutschland ist besser

Hessen hat als erstes Bundesland eine Luftverbesserung offiziel bestätigt: Die Verkehrszahlen in den hessischen Großstädten liegen bei ca. 50 bis 60 Prozent der sonst üblichen Menge, am Flughafen Frankfurt findet täglich nur noch etwa ein Fünftel der sonst üblichen Flugbewegungen statt.

Neuste Auswertungen des Hessischen Landesamtes für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) zeigen an allen Luftmessstationen in Hessen deutlich niedrigere Werte des schädlichen Stickstoffdioxids (NO2) als noch in der ersten Märzhälfte. Die Stickstoffdioxid-Konzentration hat um etwa 40 Prozent abgenommen, das sei allein der geringeren Verkehrsmenge zuzurechnen.

Corona und Luftverkehr

Die Anzahl der Flüge hat deutlich abgenommen.
Die Anzahl der Flüge hat deutlich abgenommen. © courtesy by flightradar.com

Der weltweite Flugverkehr ist in den letzten Jahren immer weiter gestiegen, und hat die  klimaschädlichen CO2-Emissionen in die Höhe getrieben. Nun ist er eingebrochen. Waren zu Beginn des Jahres 2020 noch mehr Flugzeuge unterwegs als zum Jahresbeginn der Vorjahre, ist der Flugverkehr aufgrund der Corona-Krise nun stark gefallen. Das zeigt sich auch hier vor allem im für den Flugverkehr entscheidenden Ultrafeinstaub-Wert (NO2).

Corona und Luftverschmutzung in Europa

Die Aufnahme des europäischen Satelliten Sentinel-5P zeigt im Vergleich zum letzten Jahr global einen starken Rückgang von Stickstoffdioxid (NO2).
Aufnahme des europäischen Satelliten Sentinel-5P: Stickstoffdioxid-Belastung (NO2) in den Monaten März/April 2019. © Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt

Die NO2-Konzentration während März und April 2019 war in Europa deutlich höher (oberes
Bild) als im selben Zeitraum 2020 (unteres Bild). 

Die NO2-Belastung ist 2020 schon sichtlich zurückgegangen.
Zum Vergleich März/April 2020: Die NO2-Belastung ist sichtlich zurückgegangen. © Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt, Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt, Satellit Sentinel-5P

Ryan-Air will Flugbetrieb im Juli erhöhen

Die Statistik zeigt die Anzahl der Flüge in den vergangenen 90 Tagen.
Die Statistik zeigt die Anzahl der Flüge in den vergangenen 90 Tagen. © courtesy by flightradar24.com, Belbachir, Karim Francios [RTL interactive]

Abzuwarten bleibt nun noch, ob das Flugverhalten sich durch die Corona-Krise nachhaltig verändert. Bisher sind die Flughäfen leer und es gehen weniger Flüge. Die Billigflieger-Airline Ryan-Air hat jedoch bereits angekündigt, ihren Flugbetrieb ab Juli wieder deutlich zu erhöhen. 

Fürs Klima entscheidend: CO2

Für die Erderwärmung ist Kohlenstoffdioxid (CO2) (neben anderen Treibhausgasen) entscheidend. In China, wo die Corona-Pandemie ihren Anfang nahm, ging der CO2-Ausstoß im Februar 2020 um etwa ein Viertel zurück. Wissenschaftler beobachten seitdem, dass der CO2-Anstieg in der Atmosphäre langsamer als üblich verläuft.

Deutschland könnte seine Klimaziele für 2020 erreichen

ARCHIV - 17.10.2019, Brandenburg, Nuthetal: Zwei Autos fahren über die Landstraße L79 zwischen herbstlich gefärbten Bäumen (Luftaufnahme mit einer Drohne). (Zu dpa «CO2-Schlucker: Sind Bäume Klima-Retter?») Foto: Monika Skolimowska/dpa-Zentralbild/dp
Der Verkehr hat während der Corona-Krise deutlich abgenommen und damit auch die CO2-Emissionen. © dpa, Monika Skolimowska, skm kno dul wst

Geplant war, dass Deutschland bis 2020 seine CO2-Emission gegenüber 1990 um 40 Prozent reduziert. Dass das gelingt, hat schon lange keiner mehr geglaubt. Nun könnte es doch noch klappen. Die Onlineseite klimareporter.de berichtet über eine Studie des Thinktanks Agora Energiewende, nach deren Prognose Deutschland es jetzt schaffen könnte. Entscheidend sind neben dem milden Winter die Abgaseinsparungen aufgrund der Corona-Krise.

Fazit: Eine kurzfristige Atempause hilft nicht langfristig

Die Corona-Krise wird nicht ewig dauern. Früher oder später kommen Wirtschaft und Industrie wieder in Schwung. In China steigen die Emissionen bereits wieder. Die Einsparungen einiger Monate können den Klimawandel nicht aufhalten. Das Corona-Virus könnte sogar zur Gefahr für das Klima werden: Wenn nach der Krise wirtschaftliche Hilfen nur kurzfristige Profite fördern und „lästige" Belange des Umweltschutzes außer Acht gelassen werden.

Dass die Deutschen nach der Corona-Krise womöglich das Augenmerk mehr auf den Klimawandel legen, zeigt eine Forsa-Umfrage. In der für die Deutsche Bundesstftung Umwelt (DBU) durchgeführten und repräsentativen Befragung der Bundesbürger gaben 59 Prozent der Teilnehmer an, die Klimakrise werde größere Auswirkungen auf die Menschheit haben als die Corona-Pandemie. 23 Prozent hielten beide Krisen für gleich einschneidend und nur 17 Prozent glauben, dass die Corona-Pandemie größere Auswirkungen haben werde. Für die Umfrage wurden 1029 Deutsche ab einem Alter von 14 Jahren befragt.

TVNOW-Doku: Stunde Null - Wettlauf mit dem Virus

Das Corona-Virus hält Deutschland und den Rest der Welt in Atem. Wie können wir das Virus besiegen? In der TVNOW-Doku "Stunde Null - Wettlauf mit dem Virus" gleichen die Autoren im zweiten Teil die verschiedenen Maßnahmen einzelner Länder rund um den Globus mit den aktuellen Empfehlungen von Forschern ab. Dazu begeben sie sich auch in die Epizentren der Coronakrise und sprechen mit Betroffenen. Dabei suchen sie nach seriösen Hinweisen, welche Wege am ehesten und schnellsten aus der globalen Krise führen können.