Saharastaub und Blutregen

Luft aus Nordafrika über Deutschland

von Björn Alexander und Karim Belbachir

Blutregen über Deutschland – solche und ähnliche Schlagzeilen sind derzeit häufiger zu lesen. Aber was hat es mit diesem Phänomen auf sich? Ist der Regen dann blutrot oder gar gefährlich? Und wo gibt es ihn überhaupt? Wir sprechen mit dem RTL-Meteorologen Björn Alexander darüber.

Oben im Video: So weht der Wind in den nächsten Tagen über Europa und Nordafrika

Was ist Blutregen?

Die Graphik zeigt die Europakarte, auf der zu sehen ist, dass sich der Wüstenstaub aus Nordafrika mit dem Wind weit verteilt.
Die Vorhersage für den Saharastaub über Deutschland und Europa

Björn Alexander erklärt den Begriff Blutregen: „Wenn uns in Deutschland Luftmassen aus dem Norden Afrikas erreichen, dann kann diese auch mit Saharastaub angereichert sein. Regnet es, dann wird dieser Staub vom Regen ausgewaschen und in größeren Mengen zu Boden transportiert werden.“

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Ist der Regen auch rötlich gefärbt?

Was es mit der Färbung auf sich hat, erklärt Alexander so: „Die Rotfärbung des Regens habe ich zumindest so noch nicht erkennen können – liegt aber vielleicht auch an meinen Augen. Sichtbar wird der Staub, wenn der Tropfen getrocknet ist und anschließend der Staub übrig bleibt. Ganz besonders beliebt ist das natürlich auf dem frisch gewaschenen, am besten noch dunklen Autolack. Oder auf den frisch geputzten Fenstern nach dem Frühjahrsputz. Dann ist auch tatsächlich Vorsicht beim Putzen geboten. Beim trockenen Abwischen kann insbesondere der Autolack zu Schaden kommen.“

Muss der Staub immer rot sein?

Saharastaub ist auf einem Auto zu sehen
Saharastaub ist auf einem Auto zu sehen - über die Farbe des Staubes entscheidet die Herkunft

„Nein. Je nach Herkunft des Staubes variiert er von dunkelgrau oder hellgrau über leicht gelblich bis stark rötlich. Allerdings ist eben für die Verfärbung des Regens erst einmal wichtig, dass es diesen überhaupt gibt.“ Natürlich könne es bei der Farbe des Staubes noch weitere Komponenten geben, erläutert Alexander weiter. So spiele – gerade im Frühjahr und Frühsommer – ebenso die Pollenbelastung in der Luft vor dem einsetzenden Regen eine Rolle: „Die Pollen werden mit ausgewaschen und können somit die Staubschicht vor allem in die gelblichen Farbbereiche drehen.“

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Welche Effekte kann der Staub ohne Niederschlag haben?

„Ist er in der höheren Atmosphäre vorhanden, erscheint der Himmel eingetrübt oder milchig – insbesondere bei wolkenarmem Hochdruckwetter. Gleichzeitig kann die Kraft des Sonnenlichts hierbei gedämpft sein und so sogar auf die Temperaturbremse drücken. Außerdem erscheinen Sonnenauf- und -untergänge oft farbintensiver“, weiß der Meteorologe.

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Wovon hängt das ab?

„Grundsätzlich von der Konzentration des Staubes in den höheren Luftschichten. Ist der Staubanteil hingegen in Bodennähe erhöht, dann reagiert auch die Feinstaubbelastung mit entsprechend ansteigenden Werten. Diese Phänomen kennen wir aber natürlich auch durch eine Erhöhung des Feinstaubes in ländlichen Gebieten, wenn die Trockenheit – ähnlich wie zuletzt – groß ist und feine Bodenpartikel von den noch brach liegenden Feldern aufgewirbelt werden“, führt Alexander fort.

RTL-Meteorologe Björn Alexander im Interview

Das Bild zeigt den RTL-Meteorologen Björn Alexander
RTL-Meteorologe Björn Alexander

Zurück zum Blutregen: gibt es Regionen, in denen dieses Phänomen jetzt vorkommt?

Der Wetterexperte weiß auch, wo dieses Phänomen aktuell vorkommt: „Ein erster Schwall Warmluft mit Saharastaub ist schon in der Südhälfte angekommen und wird zum Teil durch den Regen ausgewaschen. Das betrifft zunächst die Regionen in etwa zwischen der Mainlinie und der Donau. Am Mittwoch verstärkt sich dann der Zustrom warmer und staubgeladener Luft aus der Sahara. Gleichzeitig ist aber der Regen durch und die Sonne meldet sich zunächst einmal zurück. Was bleibt, ist die zunehmende Eintrübung des Himmels von Südwesten her.“

Und am Donnerstag?

„Sind die Wettercomputer in Bezug auf den Regen noch etwas unentschlossen. Das Gros der Vorhersagen sieht aber momentan ein Regengebiet von West nach Ost über die Mitte und den Norden unseres Landes ziehen. Quasi ein reinigender Regen, der auch rötlich eingefärbte Spuren hinterlassen wird, bevor sich im Anschluss ein neues Hoch für unser Wetter stark macht.“

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(bal, kfb)