Wir bauen unsere Erde kaputt

Klimakiller Beton: Das macht Zement so klimaschädlich

Wetter-Experte Bernd Fuchs über den Ausstoß von CO2 bei der Herstellung von Zement

Beim Kampf gegen den Klimawandel kommt ein Aspekt gefühlt etwas zu kurz: die Herstellung von Zement. Das CO2, das die Baubranche jährlich ausstößt, ist für etwa 38 Prozent der Emissionen von Kohlenstoffdioxid weltweit verantwortlich. In unserer aktuellen Folge des Klima Updates spricht Bernd Fuchs über die Rolle der Baubranche beim Klimawandel.

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Zementherstellung mit Kalkstein, in dem Kohlendioxid gebunden ist

Die Baustelle des neuen Flughafens von Peking (China), etwa 60 Kilometer südlich vom Stadtzentrum, aufgenommen am 30.03.2017. Nach seiner Fertigstellung im Juli 2019 sollen jährlich 45 Millionen Passagiere abgefertigt werden.
Die Bautätigkeiten in China, wie hier beim neuen Flughafen in Peking, flachen langsam ab. Trotzdem gehört das Land noch zu den größten Zement-Produzenten. © dpa, Jörn Petring, gfh

Um Zement herzustellen, wird Kalkstein genutzt, das wiederum hauptsächlich aus Kalziumkarbonat besteht. Es setzt sich aus einem Kalzium- und einem Karbonat-Ion zusammen. Beim Erhitzen kommt es zu einer chemischen Reaktion, bei der das gebundene CO2 aus dem Kalkstein gelöst wird. Das macht etwa 50 Prozent des bei der Zement-Herstellung freigesetzten Kohlenstoffdioxids aus. Die restlichen 40 Prozent entstehen durch die Öfen, die auf eine bestimmte Temperatur gebracht werden müssen, um die für die Verbrennung nötige Hitze entwickeln zu können. Die verbleibenden 10 Prozent kommen beim Abbau und Transport des Kalksteins zusammen.

Die Baubranche hat dieses Problem auch erkannt und versucht mit Hilfe von neuen Technologien die Emissionen zu senken, wie der Verein Deutscher Zementwerke erklärt: „Die Zementindustrie in Deutschland stellt sich dieser Herausforderung und ist bereit, ihren Beitrag für eine klimaneutrale Zukunft zu leisten.“ Neue Brennstoffe, effizientere Nutzung von Beton und eine neue Zementart werden in ihrer Studie als unmittelbare Möglichkeiten genannt.

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Urbanisierung in China und Indien braucht Zement

Der mit Abstand größte Zementproduzent ist zur Zeit China. Rund drei Viertel der gesamten Zementproduktion seit dem Jahr 1990 fand in China statt. Noch krasser ist der Fakt, dass das Land zwischen den Jahren 2011 und 2013 mehr Zement verbrauchte als die USA im gesamten 20. Jahrhundert.

Das liegt hauptsächlich an der unglaublichen Entwicklung, die das Land in Fernost erlebt. Auf den Rängen dahinter folgen Indien und die Länder der EU bei der Produktion von Zement. Während Experten davon ausgehen, dass der Zement-Verbrauch in China seinen Höhepunkt bereits überschritten hat, wird gleichzeitig ein Anstieg im aufstrebenden Indien erwartet.

Bevölkerung wächst und damit auch der Zement-Verbrauch

Zement ist der Klimakiller in der Baubranche.
Pro Tonne Zement werden rund 600 Kilogramm CO2 in die Atmosphäre geblasen. © dpa, Sebastian Kahnert

Auch der Weltklimarat (IPCC) befasste sich in seinem am Montag erschienenen Sachstandbericht mit dem durch die Bauindustrie ausgestoßenen CO2. Laut seiner Analyse seien die Emissionen in den vergangenen 50 Jahren angestiegen. Beide Arten von Emissionen aus Wohn- und Gewerbegebäuden stiegen den Daten zufolge von 3,8 Milliarden Tonnen Kohlenstoff pro Jahr im Jahr 1970 auf 9,2 Milliarden Tonnen im Jahr 2010.

Die Nachfrage nach Gebäuden und damit nach Beton ist eng verknüpft mit dem Bevölkerungswachstum. Lebten 1970 noch 3,7 Milliarden Menschen auf der Erde, sind es nun rund 7,8 Milliarden. Bis 2100 wird erwartet, dass die Weltbevölkerung auf 10,9 Milliarden anwächst. Somit werden auch die Bauvorhaben zunehmen. Bereits jetzt werden rund 3,5 Milliarden Tonnen Zement jährlich benötigt. Bei einer Emission von rund 600 Kilogramm CO2 pro Tonne kann man sich vorstellen, dass es für die Baubranche auf Kurz oder Lang eine Lösung braucht.

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(kfb)