Neue Studie

Angst vor Eiszeit in Europa: Am Golfstrom wird's nicht liegen

Eiszeit in Europa? Am Golfstrom wird's nicht liegen.
Wenn eine neue Eiszeit kommt, ist nicht der versiegende Golfstrom Schuld. Der ist nämlich weiter aktiv.

Der Golfstrom ist stabil

Die einen sagen so, die anderen so: Der Golfstrom bricht zusammen und eine Eiszeit droht – der Golfstrom hält sich wacker und heizt uns weiter ein. Neue Untersuchungen nehmen jetzt die Sorge vor einer dramatischen Abkühlung in Europa. Die Ozeanzirkulation im Nordatlantik hat sich seit den 1990er Jahren nicht verändert.

Der Nordatlantik unter der Lupe

Forscher vom Kieler Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung haben gemeinsam mit KollegInnen aus China und den USA die Strömungen im Ozean untersucht. Verändert sich da was? Eigenschaften des Wassers in den Ozeanen wie Sauerstoff- und Salzgehalte und Temperatur nämlich schon. Und die haben Auswirkungen auf die Strömung. So war zumindest die Annahme.

Die WissenschaftlerInnen analysierten sie Daten von Forschungsreisen aus dem subtropischen und dem subpolaren Nordatlantik zusammen mit Satellitendaten, Messnetz-Beobachtungen und Modelldaten.

Video: Das passiert wenn der Golfstrom versiegt

Der Golfstrom strömt weiter

Sie stellten fest, dass auch Wasser in größerer Tiefe im vergangenen Jahrzehnt salziger, wärmer und oft sauerstoffärmer geworden ist. Eine Veränderung des Strömungssystems, zu dem auch der Golfstrom gehört, ließ sich aber nicht belegen.

„Offenbar verändern sich Wassereigenschaften und die Umwälzzirkulation also unterschiedlich“, sagte der Ozeanograph Johannes Karstensen von Geomar.

Eine Eiszeit, ausgelöst vom versiegenden Golfstrom, ist also doch nicht zu erwarten.

Die Ergebnisse der Studie sind in der Fachzeitschrift Science Advances erschienen.

Der Golfstrom heizt und tüchtig ein

Golfstrom
Der Golfstrom: Das Wasser in den Ozeanen wird wärmer, aber die Strömungsverhältnisse ändern sich (noch) nicht. © PIK, Potsdam Institut für Klimafolgenforschung

Der Golfstrom transportiert Wärmeenergie quer über den Atlantik bis vor die Britischen Inseln und in die Norwegische See. Er ist Teil eines größeren Strömungssystems, das als Atlantische Meridionale Umwälzzirkulation bezeichnet wird.

Sie besteht hauptsächlich aus einem an der Oberfläche nach Norden fließenden Abschnitt, der warm und salzhaltig ist und zu dem der Golfstrom gehört, und einem in der Tiefe des Nordatlantiks nach Süden fließenden Abschnitt, der relativ kalt und salzarm ist.