Amazonas-Waldbrände in Brasilien: Geht uns jetzt der Sauerstoff aus?

Im Amazonas wüten die heftigsten Brände seit Jahren
Im Amazonas wüten die heftigsten Brände seit Jahren © dpa, Victor Moriyama, flm

In Brasilien wüten die schwersten Waldbrände seit Jahren. Insgesamt wurden in diesem Jahr knapp 80.000 Brände registriert. Geht uns jetzt der Sauerstoff aus? Diese und andere wichtige Fragen rund um die Waldbrände in Brasilien beantworten wir im Faktencheck!

Geht uns jetzt der Sauerstoff aus?

Eher nicht, denn die angeblichen 20 Prozent, die der Amazonas-Regenwald zum globalen Sauerstoff-Kreislauf beitragen soll, sind unter Experten umstritten. Umweltforscher Yadvinder Malhi, Direktor des Oxford Centre for Tropical Forests, meint dazu, dass "der reale Wert eher bei 6 Prozent liegt. Wenn noch andere Prozesse des komplizierten Ökosystems hinzukommen, führt das dazu, dass die Nettobilanz sogar bei nahe Null liegt", so Malhi weiter. Auch der Umweltwissenschaftler und frühere Direktor der Kalifornischen Akademie der Wissenschaften, Jonathan Foley, verkündet in den sozialen Medien, dass Sauerstoff nicht das Thema ist, um das wir uns Sorgen machen müssten!

Die Hauptproduzenten von Sauerstoff sind nicht Wälder, sondern Ebenen voller Gras. Die Prärien in den USA waren einst die größten Sauerstoff-Lieferanten, heute befinden sich die größten Sauerstoff liefernden Gebiete in Tibet.

Die Sauerstoffproduktion durch Wälder und Grasland summiert sich auf ungefähr die Hälfte des auf der Erde produzierten Sauerstoffs. Die andere Hälfte stammt aus dem Meer. Phytoplankton zählt hier als der Erzeuger von Sauerstoff.

Wer ist von den Waldbränden am stärksten betroffen?

Die Entwaldung bedroht insbesondere die Artenvielfalt - die Flora und Fauna - und verstärkt durch das frei werdende Kohlendioxid zudem die Erderwärmung. Außerdem sind viele einheimische Kulturen bedroht, da die Brände ihren Lebensraum zerstören.

Werden Gifte durch die Brände freigesetzt?

Feuer setzt auch immer Kohlenmonoxid frei. Die NASA veröffentlichte ein Video mit Satellitendaten über Südamerika. Es ist deutlich zu sehen wie der giftige Stoff durch die Brände freigesetzt wurde.

Kohlenmonoxid-Ausstoß bis zum 20.08.
Kohlenmonoxid-Ausstoß bis zum 20.08. Waldbrände Südamerika 00:15

Gab es jemals zuvor so viele Brände im Regenwald?

Das ist noch nicht klar. Historische Rekorde wurden bisher nicht gebrochen. Das Ausmaß der Brände ist aber im Vergleich zum Vorjahr außergewöhnlich hoch und auch die Zahl der registrierten Brände ist 2019 bisher höher als in den letzten Jahren.

Wie stark ist der brasilianische Regenwald schon beschädigt?

Seit 1970 sind rund 20 Prozent des brasilianischen Teils des Regenwaldes beseitigt worden. Rund 800.000 Quadratkilometer sind zerstört worden. Das entspricht etwa 2,3 mal der Fläche Deutschlands. 3,2 Millionen Quadratkilometer sind noch da.

Wird nur in Brasilien Wald zerstört?

Satelittenbild der Brände in Brasilien, Peru, Bolivien und Paraguay
Satelittenbild der Brände in Brasilien, Peru, Bolivien und Paraguay © dpa, --, htf

Nein, eine Karte der NASA zeigt deutlich den „Ring des Feuers", der sich quer am Südrand des brasilianischen Teils des Amazonasgebiets erstreckt. Ebenso deutlich zu sehen ist aber auch eine hohe Feuerintensität in Peru, Bolivien und Paraguay. In diesen Ländern liegen die Zahlen ebenso wie in Brasilien deutlich über den Vorjahren.

Wird der CO2-Ausstoß durch die Brände erhöht?

Tatsächlich wird durch die Brände mehr Kohlendioxid frei gesetzt. Die Feuer verstärken also den Klimawandel.

Haben die Brände Einfluss auf unser Wetter?

Im Amazonas-Regenwald verdunstet Feuchtigkeit in riesigen Mengen. Pro Baum werden dabei bis zu 1.000 Liter Wasser am Tag abgegeben. Dieses Wasser sammelt sich in Wolken und diese sorgen für eine Kühlung der Atmosphäre und bringen wiederum Niederschläge. Der Regenwald wird deshalb auch als "Kühlschrank der Erde" bezeichnet. Durch das Abholzen und Abbrennen der Bäume wird dieser positive Effekt auf das Weltklima gemindert. Nicht nur wird weniger Wasser an die Atmosphäre abgegeben, zusätzlich können die Landflächen auch weniger Regen aufnehmen und es wird zu großflächigen Überschwemmungen kommen. Ein Teufelskreis für das sensible Ökosystem, bei dem nicht ausgeschlossen werden kann, das dieser Effekt auch unser Wetter beeinflusst.