Weltkatastrophenbericht 2020

410.000 Tote: Klimawandel verursacht immer mehr Naturkatastrophen

ARCHIV - 21.07.2020, Nepal, Kathmandu: Nepalesen stehen auf einem Felsen am Ufer des überfluteten Flusses Bagmati und fotografieren die Strömung. Heftiger Monsunregen hatte in Nepal, Indien und Bangladesch zu mehr als 200 Toten geführt und Tausende M
Mehr Katastrophen durch Klimawandel und Extremwetter. © dpa, Niranjan Shrestha, NS esz nwi alf

Unwetter, Überschwemmungen und Hitzewellen

Vier von fünf Naturkatastrophen weltweit sind nach einer Studie des Roten Kreuzes in den vergangenen zehn Jahren auf extremes Wetter und die Folgen der Klimakrise zurückgegangen. Dazu gehören Unwetter, Überschwemmungen und Hitzewellen. Zusammen haben diese Katastrophen demnach mehr als 410.000 Menschenleben gefordert.

1,7 Milliarden Menschen betroffen

Seit den 90er Jahren sei die Zahl der klima- und wetterbedingten Katastrophen in jedem Jahrzehnt um fast 35 Prozent gestiegen, berichtete die Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften am Dienstag in Genf.

Insgesamt wurden durch solche Katastrophen 1,7 Milliarden Menschen in Mitleidenschaft gezogen. Sie verloren Angehörige, wurden verletzt oder verloren Wohnbauten, Vieh, Felder und Lebensgrundlagen.

ARCHIV - 01.07.2008, Somalia, Bohol: Somalische Hirten, die ihren gesamten Viehbestand wegen anhaltender Trockenheit verloren haben, stehen neben den Kadavern der Tiere. Vier von fünf Naturkatastrophen sind nach einer Studie des Roten Kreuzes in den
Somalia ist besonders vom Klimawandel betroffen. Am Ende steht für viele Menschen die Flucht nach Europa. © dpa, Badri Media, sm_mb_tm htf jai alf

Reiche Länder müssten vergleichsweise wenig investieren

„Der Klimawandel ist langfristig eine größere Herausforderung als die Coronavirus-Pandemie", sagte Christian Reuter, Generalsekretär des Deutschen Roten Kreuzes, dem „Tagesspiegel“. 

Die Zahl klimabedingter Naturkatastrophen steigt – aber die gefährdetsten Länder bekommen viel zu wenig Hilfe, um die Menschen zu schützen. Nötig wäre nur ein Bruchteil der Summe, die die EU für den Aufbau nach der Corona-Pandemie vorgesehen hat, meint das Rote Kreuz.

ARCHIV - 26.10.2020, USA, Irvine: Ein Feuerwehrmann ist beim Silverado Fire im Einsatz. Vier von fünf Naturkatastrophen sind nach einer Studie des Roten Kreuzes in den vergangenen zehn Jahren auf extremes Wetter und die Folgen der Klimakrise zurückge
Auch Großfeuer werden häufiger, überall. © dpa, Jae C. Hong, JCH pat alf

Solidarität ist nicht nur eine moralische Verpflichtung

Reiche Länder, die milliardenschwere Konjunkturpakete in der Corona-Pandemie schnürten, müssten dieses Versäumnis nachholen, fordert die Föderation. 50 Entwicklungsländer brauchten in den nächsten zehn Jahren 50 Milliarden Dollar (gut 42 Mrd. Euro), um sich für den Klimawandel zu wappnen. Das sei wenig im Vergleich etwa mit dem Corona-Aufbauplan der EU im Umfang von 750 Milliarden Euro. Investiert werden müsse in Frühwarnsysteme und Programme, die den schlimmsten Folgen der Naturkatastrophen vorbeugen können.

„Internationale Solidarität ist nicht nur eine moralische Verpflichtung“, sagte der Generalsekretär der Föderation, Jagan Chapagain. „Es ist auch die smarte Lösung. Es ist günstiger, in die Widerstandsfähigkeit der Menschen in den gefährdetesten Orten zu investieren als steigende Kosten für humanitäre Einsätze (nach Katastrophen) zu akzeptieren.“