Ozonloch wird immer kleiner

Zum 16. September - Internationaler Tag für den Schutz der Ozonschicht

Ozonloch bald für immer geschlossen?

Die Ozonschicht bildet für Erde und Menschen einen lebensnotwendigen Schutz vor UV-Strahlung. Das gefürchtete, durch vom Menschen in die Atmosphäre geblasene Fluorkohlenwasserstoffe (FCKW) entstandene Ozonloch dürfte bis Ende des Jahrhunderts geschlossen sein. Eine "Erfolgsgeschichte", sind sich Forscher und Politiker einig. Wenn alles gut läuft, dürften künftige Generationen das Ozonloch nur noch aus Büchern kennen.

"Es ist eine beispiellose Erfolgsgeschichte"

HANDOUT - KOMBO - Das Ozonloch über der Antarktis am 24.09.2006 (r) und am 09.06.2013 auf einer Computergrafik. Die blauen und violetten Farben zeigen an, dass die Ozonschicht dünn ist, die gelben, grünen und roten weisen auf mehr Ozon hin. Fotos: NA
Das Ozonloch über der Antarktis früher und heute. © dpa, NASA, lof tmk

Es gab einmal eine schädliche Substanz, die über Jahrzehnte von der Industrie gefeiert wurde und den Namen FCKW trug. Niemand ahnte, dass die unter anderem als Kühlmittel in Kühlschränken eingesetzten Fluorchlorkohlenwasserstoffe in der Stratosphäre - in 10 bis 25 Kilometern Höhe - verheerend wirken: Sie zersetzten die dünne Ozonschicht und verursachten ein Loch, durch das mehr schädliche ultraviolette Strahlung bis zur Erdoberfläche gelangte. Eine Geschichte, die katastrophal hätte enden können.

Doch es kam anders. "Es ist eine beispiellose Erfolgsgeschichte", sagt der Wissenschaftler Markus Rex vom Alfred-Wegener-Institut (AWI) für Polar- und Meeresforschung an der Forschungsstelle Potsdam. "Wir zeigen, dass wir solch ein globales Umweltproblem durch gemeinsames international abgestimmtes Handeln der UNO wieder in den Griff bekommen und das Problem tatsächlich, wenn auch langfristig über Generationen, lösen können." 

Die Erwartung sei, dass das Ozonloch in der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts nicht nur kleiner sein, sondern vollständig verschwinden werde. All das war vor über 30 Jahren noch alles andere als klar, als alarmierende Nachrichten vom Südpol Fachwelt und Politik aufschreckten. Anfang der 1980er Jahre schwanden die Werte des Ozons (O3) jedes Jahr nach dem Ende der monatelangen, sonnenlosen Polarnacht jeweils für mehrere Wochen. Zudem sanken sie von Jahr zu Jahr stärker. "1985 dämmerte uns plötzlich, dass wir vor einer der größten Umweltentdeckungen des Jahrzehnts, vielleicht sogar des Jahrhunderts standen", erinnerte sich einmal der Geophysiker Joe Farman (1930-2013), einer der Mitentdecker des Ozonlochs, vom British Antarctic Survey in Halley Bay.

Das Ozon hat zwei Gesichter

FILE - Arctic temperature field for 6 March 2011 when ozone depletion started. This field was derived from MIPAS measurements at 50 hPa. Photo ESA/ Karlsruher Institut für Technologie (KIT)    dpa   (zu dpa
Ozonloch über der Arktis (06.03.2006) © dpa, kellmann@imksunps

Dabei hat Ozon zwei Gesichter, worauf der Leiter des Meteorologischen Observatoriums Hohenpeißenberg vom Deutschen Wetterdienst (DWD), Christian Plass-Dülmer, hinweist. "In unseren Luftschichten hier unten am Boden ist es gut, wenn Ozon niedrig ist, und in den hohen Luftschichten ist es gut, wenn das Ozon hoch ist", sagt der Physiker. Die Erklärung: Wenn im Sommer die Sonne bei bestimmten Witterungsbedingungen Luftschadstoffe wie Stickoxide und Kohlenwasserstoffe in bodennahes Ozon umwandelt, gefährdet dieser sogenannte Sommersmog die Gesundheit von Menschen und Tieren. In der Stratosphäre hingegen schützt die Ozonschicht das gesamte Leben auf der Erde vor der zellschädigenden Wirkung ultravioletter Strahlung (UV-B). 

Auch UN-Generalsekretär Ban Ki Moon spricht von einer Erfolgsgeschichte. "Gemeinsam ist es uns gelungen, die stratosphärische Ozonschicht auf einen Erholungskurs bis zur Mitte dieses Jahrhunderts zu bringen. Das Ergebnis: Bis zu zwei Millionen Fälle von Hautkrebs und noch wesentlich mehr Fälle von grauem Star können jährlich vermieden werden", erklärte er im vorigen Jahr zum stets am 16. September begangenen Internationalen Tag für die Erhaltung der Ozonschicht.

Beim Ozonloch ging alles relativ glimpflich ab. "Wir haben sagenhaftes Glück gehabt, dass sich dieses Ozonloch über der Antarktis gebildet hat, wo bis auf ein paar Ausnahmen keine Menschen leben und wo die Sonne so flach am Himmel steht, dass Sonnenbrand in der Regel ein untergeordnetes Thema ist", betont Rex, der dem UN-Panel zum Status der Ozonschicht angehört.  Fachwelt und Politik sind voller Zuversicht. Aber DWD-Physiker Plass-Dülmer ist auch vorsichtig. "Wir sagen immer, dass das FCKW-bedingte Ozonproblem zwischen 2050 und 2080 gelöst sein wird, und zwar in dem Sinne, dass es wieder den Zustand hat wie vor der FCKW-Freisetzung durch den Menschen." Aber nicht nur das inzwischen verbotene FCKW setze der Ozonschicht zu. Faktoren seien auch der im Vergleich zum Ozonloch viel komplexer ablaufende Klimawandel und die ozongefährdenden Auswirkungen von Treibhausgasen wie CO2 in der Stratosphäre.