Kampf gegen Erderwärmung

Klima Update: Pflanzenkohle als Alleskönner im Kampf gegen den Klimawandel

von Karim Belbachir und Christian Häckl

Kann Pflanzenkohle eine Lösung sein für den Kampf gegen die Erderwärmung? Offensichtlich, denn bei der Herstellung wird Kohlenstoff gebunden, statt in die Atmosphäre zu entweichen. Allerdings ist Pflanzenkohle ein Alleskönner und hat noch weitere Vorteile.

Nur pflanzliche Reststoffe als Biokohle rentabel

Pflanzenkohle ist ein Alleskönner
Pflanzenkohle gilt als Bodenverbesserer im Obstbau.

Pflanzenkohle ist streng genommen Holzkohle. Statt nur Holz zu Holzkohle zu verarbeiten, werden bei der Biokohle andere Pflanzenreste verköhlert. Der Vorgang wird Pyrolyse genannt. Die Pflanzenreste werden unter Ausschluss von Sauerstoff bei hohen Temperaturen chemisch umgewandelt. Es verbrennt also nicht im klassischen Sinn, da dafür wiederum Sauerstoff notwendig wird. Die notwendigen Temperaturen für diesen Vorgang liegen zwischen 380 und 1.000 Grad Celsius. Damit sich die momentan noch teure Herstellung finanziell und ökologisch lohnt, sollten nur pflanzliche Reststoffe verwendet werden, deren Entsorgung sonst weitere Kosten verursachen würde.

Einsatz in der Landwirtschaft

Kühe im Stall
Als Futterzusatz eignet sich Pflanzenkohle, um bei der Verdauung entstehende Gase zu binden.

Die Verwendungszwecke der Pflanzenkohle sind vielfältig. Zum einen können die bei der Pyrolyse entstehenden Gase genutzt werden um Wärme zu gewinnen. Diese kann entweder zum Heizen oder zur Pyrolyse weiterer Pflanzenkohle genutzt werden. Die Wärme kann außerdem in Elektrizität umgewandelt werden.

Zusätzlich zur Energiegewinnung eignet sich Pflanzenkohle auch zur Anwendung in der Landwirtschaft. Dort kann sie als Düngemittel oder als Futterzusatz für Kühe verwendet werden. Es hat den Vorteil, dass es Gase wie Ammoniak oder Lachgas bindet. Die Gase, die bei den Ausscheidungen der Kühe anfallen, könnten damit vermindert werden, Böden aufgewertet.

Einsatz in Deutschland per Gesetz eingeschränkt

Susanne Scholz-Weigl präsentiert am 19.07.2016 in ihrer Eisdiele in Essen (Nordrhein-Westfalen) eine Kugel Eis mit dem Namen «Grubengold». Die tiefschwarze Kugel Eis besteht aus Vanille, Schokolade, Milch, Zucker und Pflanzenkohle, die dem Eis die ch
Das Essener Eis "Grubengold" von Susanne Scholz-Weigl ist mit Pflanzenkohle versetzt und gibt ihr dadurch eine dunkle Farbe.

Weitere Einsatzgebiete für die Pflanzenkohle sind das Bauwesen oder die Medizin. Feingemahlen kann es als Ersatz für Sand im Beton herhalten. In der Medizin wird es für Kohletabletten gegen Durchfall benutzt. Auch in Lebensmitteln wird es genutzt. So besteht Käserinde teilweise aus Pflanzenkohle. Ebenso wird es als natürlicher Lebensmittelfarbstoff verwendet (E 153).

Es handelt sich also um einen Alleskönner, wenn da nicht ein Haken wäre. Bisher ist die Herstellung von Pflanzenkohle noch recht teuer. Je nach Qualität liegen die Preise für eine Tonne zwischen 300 und 600 Euro – teilweise sogar noch darüber. Das kann sich aber ändern, sobald es mehr Anbieter gibt. Es benötigt in Deutschland auch eine Gesetzesänderung, denn bisher darf hierzulande nur Pflanzenkohle aus Holz in der Landwirtschaft eingesetzt werden. Es bleibt also noch ein Stück Arbeit, bevor der Alleskönner vermehrt genutzt werden kann.

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(kfb)