Goldener Oktober? Können wir uns abschminken

Ein Blick in den Herbst: Kühl und nass und trotzdem zu warm

von Claudia Träger

Es ist immer verlockend, von dem Charakter einer Jahreszeit auf den der nächsten zu schließen – oder sogar der übernächsten. Dieser heiße, trockene Sommer 2022 muss doch etwas über den Herbst 2022 aussagen. Die Prognosen fürs Herbstwetter in Deutschland können doch gar nicht anders als nass und kalt ausfallen. Oder nicht? Folgt auf so viel Sonne nicht eher ein Goldener Oktober? Wir schauen mal, welche Hinweise es gibt für die Wetteraussichten im Herbst.

So wird das Wetter in den kommenden Tagen bei Ihnen

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Das Wetter am Herbstanfang: Besser geht's nicht

Die Temperaturprognose für die nächsten 42 Tage in Freiburg: Es wird kälter.
Die prognostizierten warmen Tage kann man aber selbst für Freiburg an einer Hand abzählen.

Der Herbst startet perfekt: Am Freitag, wenn die bunte bis graue Jahreszeit auch laut Kalender beginnt, zeigt er sich so, wie ihn alle lieben: mit Sonne nach Nebel und anständigen Temperaturen bis 20 Grad tagsüber. Allerdings wird es schon nach der Nacht-und-Tag-Gleiche wechselhafter und kühler mit einer satten Kaltluftrutsche. Dann sind beispielsweise im sonst so warmen Freiburg nur noch maximal 13 Grad drin – verbunden mit einer Menge Niederschlag.

Aber: Was tief fällt, kann auch wieder hoch steigen. So heißt es doch. Und so erholen sich die Temperaturen unserem 42-Tage-Trend zufolge in der ersten Oktoberwoche wieder und präsentieren uns einen richtig warmen 3. Oktober – allerdings gar nicht einheitlich, sondern nur im Westen. Die Animation zeigt die milden Highlights der nächsten Tage.

Wie geht das Wetter im Herbst weiter? Kühl

Der Temperaturverlauf im Oktober für Köln: Es geht bergab.
Die zweite und dritte Oktoberwoche ist auch in Köln sehr frisch und teils nass.

Ab der zweiten Oktoberwoche lautet das Motto dann aber: warm anziehen. Bei sehr herbstlichen Temperaturen höchstens um 10 Grad taugt die Übergangsjacke voraussichtlich nichts mehr. Die Temperaturanimation ist nicht mehr wieder zuerkennen: Spätsommerliches Gelb oder gar Orange ist grünen Herbst-Temperaturen gewichen. Und das ist auch richtig so. Die deutschlandweite Mitteltemperatur im Oktober liegt bei knapp 10 Grad. Goldener Oktober, den wir uns immer wünschen, sieht aber anders aus.

Offenbar schickt die Großwetterlage im Herbstmonat Oktober immer wieder Tiefdruckgebiete nach Deutschland, die kühle Luft aus nordwestlichen Richtungen liefern. Womöglich auch noch mit viel Wind. Ein Schönwetter-Hoch, das warme Luft aus dem Südwesten heran transportieren könnte, ist nach dieser Prognose nicht in Sicht.

Prognose für Oktober laut NOAA: Der Oktober wird zu warm

Wie wird das Oktober-Wetter in Deutschland laut NOAA? Zu warm.
Es verwundert nicht in Zeiten des Klimawandels: Die Langfristprognose der NOAA sagt für fast ganz Europa einen zu warmen Oktober voraus.

Werfen wir einen Blick in die USA, die auch etwas zum Herbstwetter bei uns beizutragen haben: Die US-Behörde NOAA (National Oceanic and Atmospheric Administration) berechnet mit ihrer experimentellen Langfristprognose die voraussichtliche Temperatur- bzw. Niederschlagsmengenabweichung zum langjährigen Durchschnitt. Und da sieht es – wie so oft in den Prognosen der letzten Jahre - nach einem zu warmen Monat aus.

Die aktuelle Prognose der NOAA, die auf den Ausgangsbedingungen des Zeitraums 10. bis 19. September beruht, zeigt eine positive Abweichung von 1 bis 2 Grad vom klimatischen Durchschnitt. Im Süden würde der Oktober demnach 2 Grad zu warm ausfallen, im Norden immerhin nur 1 Grad.

Prognose für den Herbstmonat November: Erst recht zu warm

Die Langfristprognose der NOAA zum November 2022 in Deutschland: viel zu warm.
Europa wird laut Berechnungen der NOAA auch im Herbst viel zu warm sein.

Wo die 42-Tage-Prognose von wetter.de nicht mehr greift, macht die NOAA weiter. Wie sollte es anders sein? Die Meteorologinnen und Meteorologen der US-Behörde berechnen auch den letzten Herbst-Monat November zu warm. Deutlich zu warm. Und das in ganz Mittel-, Ost- und Nordeuropa. Demnach sollte der November fast in ganz Deutschland 2 Grad zu warm werden.

Aber Achtung: Diese Berechnungen geben eine Tendenz an und sagen nichts über das Wetter Tag für Tag voraus. So kann es trotz zu warmer Tendenz durchaus auch kalte Tage geben – und umgekehrt. Auch Wintereinbrüche sind nicht ausgeschlossen. Die Erfahrungen mit dem Klimawandel zeigen ja gerade, dass sich extreme Wetterereignisse häufen. So könnten Kaltluftvorstöße durchaus mit einer Warmphase überkompensiert werden.

Zu den Niederschlägen hat die NOAA übrigens Erfreuliches berechnet: Alles im normalen Bereich.

Fazit zur Herbstprognose

Nach einem Goldenen Herbst sieht es derzeit nicht aus. Vielmehr scheinen sich die Tiefs zumindest im Oktober die Klinke in die Hand zu geben und Deutschland immer wieder mit Schauern und Regen nass machen. Wenn es tatsächlich so kommt, die Prognosen sind natürlich äußerst unsicher, dürfen wir dann nur ein: Uns über den Wassernachschub freuen.

Unsere Wettertrends und Themenseiten

Sollten Sie Interesse an weiteren Wetter-, Klima- und Wissenschaftsthemen haben, sind Sie bei wetter.de bestens aufgehoben. Besonders ans Herz legenkönnen wir Ihnen auch den 7-Tage-Wettertrend mit der Wetterprognose für die kommende Woche. Dieser wird täglich aktualisiert. Falls Sie weiter in die Zukunft schauen möchten, ist der 42-Tage-Wettertrend eine Option. Dort schauen wir uns an, was auf uns in den kommenden Wochen zukommt. Vielleicht interessiert Sie eher wie sich das Klima in den vergangenen Monaten verhalten hat und wie die Prognose für das restliche Jahr aussieht. Dafür haben wir unseren Klimatrend für Deutschland.

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(ctr)