Angst um den Wald

Wie Trockenheit, Extremwetter und Borkenkäfer unsere Wälder zerstören

von Silvia Soyter und Christian Häckl

Hohe Temperaturen, zu wenig Niederschlag und Borkenkäfer, die dieses Wetter lieben: die deutschen Wälder leiden. Und die Baumverluste sind dramatischer als ursprünglich angenommen.

Im Video: Wie schnell sich die Borkenkäfer ausbreiten können und welche Bäume sie besonders gerne anknabbern, erklärt Christian Häckl im Klima Update.

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Alarm in den deutschen Wäldern

Seit mehreren Jahren leiden die deutschen Wälder stellenweise unter der anhaltenden Dürre. Kürzlich veröffentlichte Satellitenbilder des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) machten das Ausmaß der Schäden zum ersten Mal sichtbar. Vor allem Nadelwälder in der Mitte Deutschlands haben deutlich Nadeln lassen müssen. So konnten die Forscher zeigen, dass von Januar 2018 bis einschließlich April 2021 in Deutschland auf rund 501.000 Hektar Fläche Bäume verloren gegangen seien. Das entspreche fast fünf Prozent der gesamten Waldfläche Deutschlands. Vor allem Nordrhein-Westfalen hat es dabei hart getroffen: Das Bundesland habe in drei Jahren ein Viertel seiner Fichtenwälder eingebüßt. Auslöser seien vor allem die Hitze- und damit einhergehende Dürreperioden sowie massiver Schädlingsbefall.

Borkenkäfer lieben das Extremwetter

Seit 2018 vermehren sich Borkenkäfer in unseren heimischen Wäldern explosionsartig. Dabei gibt es drei Arten, die besonders häufig vorkommen:

  • Buchdrucker
  • Kupferstecher
  • Gestreifter Nutzholzborkenkäfer

Diese drei Arten befallen am liebsten Fichten. Während der Buchdrucker über ältere Bäume herfällt, bevorzugt der Kupferstecher Jungpflanzen. Der Gestreifte Nutzholzborkenkäfer kümmert sich dann um die Reste: Stöcke, bereits gefällte Baumstämme und sogar abgestorbenes Holz ist vor ihm nicht sicher.

Anhaltende Trockenheit, Hitze und geschwächte bzw. beschädigte Bäume, nach z. B. starken Schneefällen oder Stürmen, begünstigen die Massenvermehrung der Käfer. Dabei haben sie vor allem von April bis September Hochsaison. Doch auch den Winter überleben sie, da sie äußerst kälteresistent sind.

Abgestorbene Bäume im Forst bei Augustusburg.  Große Probleme bereitet der Borkenkäferbefall.
Borkenkäfer zerstören Bäume in Sachsen.

Was tun gegen den Schädlingsbefall?

Keine guten Nachrichten für Hobbygärtner: Es gibt kein einfaches Mittel gegen Borkenkäfer. Doch auch wenn man selbst nicht viel tun kann, gibt es einige Handlungsempfehlungen für Waldbesitzer, um die Schädlinge wieder loszuwerden. Besonders wichtig ist es befallene Bäume rechtzeitig zu erkennen und sie schnellstmöglich zu fällen – das gilt auch für betroffene Bäume im heimischen Garten. Das betroffene Holz sollte schnellstmöglich entfernt, verbrannt oder gehäckselt werden.

Im Harz lässt man den Käfer, Käfer sein

Während man in anderen Wäldern bemüht ist dem Borkenkäfer Einhalt zu gebieten, lässt man ihn im Nationalpark Harz gewähren. Dort versucht man eine Art „Ur-Wald“ gedeihen zu lassen. Bäume werden nicht gefällt, totes Holz nicht entfernt und auch der Borkenkäfer kann unbehelligt an Bäumen knabbern.

Nach dem Zweiten Weltkrieg musste der Harz, der ursprünglich ein Mischwald war, aufgeforstet werden - so wurde er zur Fichten-Monokultur. Nun versucht man den Wald umzubauen, ihn wieder näher an die natürliche Ur-Form zu bringen. Dabei helfen auch die Borkenkäfer.

Wanderer gehen im Nationalpark Harz an abgestorbenen Fichten vorbei. Die Nadelbäume vielen dem Borkenkäfer zum Opfer. Bei warmer Witterung mit wenig Regen kann sich der Borkenkäfer stark ausbreiten.
Im Kerngebiet des Nationalpark Harz wird der Borkenkäfer nicht bekämpft - der Wald wird sich weitestgehend selbst überlassen.

Wie sieht die Zukunft des Waldes aus?

Borkenkäfer gehören zu der natürlichen Ausstattung eines Fichtenwaldes. Die Gefahr der Massenvermehrung kann also in einem reinen Fichtenwald nicht ganz ausgeschlossen werden. Das bayerische Umweltministerium empfiehlt daher eine Umgestaltung der deutschen Nadelwälder zu Mischwäldern. Diese seien stabiler gegen Dürre, Stürme sowie Schädlingsbefall und damit auch besser gerüstet für die Folgen des Klimawandels.

Forscher raten zudem in Zukunft über das Pflanzen von trockenheitsresistenteren Arten nachzudenken, denn es sei möglich einen natürlichen Waldbau zu betreiben und trotzdem Bäume zu integrieren, die den steigenden Temperaturen trotzen könnten.

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(sso)